Gazastreifen hat wieder Strom

Ägyptische Lkw mit Treibstoff am Kraftwerk Nuseirat

Erstmals seit zwei Monaten produziert der Gazastreifen wieder eigenen Strom. Das einzige Elektrizitätswerk nahm nach einer Notlieferung von Treibstoff aus Ägypten den Betrieb wieder auf, wie die Energiebehörde am Donnerstag mitteilte. Israel hatte die Stromzufuhr zu Wochenbeginn um ein Drittel gekappt und damit die Krise in Gaza verschärft.

Laut der Energiebehörde nahmen zwei der vier Generatoren des Kraftwerks Nuseirat den Betrieb wieder auf. Die Menschen im Gazastreifen haben damit im Schnitt wieder sechs Stunden am Tag Strom; zuletzt gab es für die meisten Haushalte in dem verarmten und von Israel abgeriegelten Küstenstreifen höchstens zwei Stunden Energie am Tag.

Allerdings könnte die Versorgung im Gazastreifen in einigen Tagen wieder zusammenbrechen. Der von Ägypten gelieferte Treibstoff reicht nach palästinensischen Angaben nur für rund drei Tage aus.

Grund für die Stromkrise ist ein Streit zwischen der radikalislamischen Hamas, die den Gazastreifen seit 2007 kontrolliert, und der Autonomiebehörde von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas. Umstritten ist, wer für den Treibstoff zahlen soll und ob darauf Steuern erhoben werden.

Verschärft wird der Energiemangel durch den Beschluss Israels, die Stromzufuhr einzuschränken. Seit Montag wurden die Lieferungen nach palästinensischen Angaben um rund ein Drittel zurückgefahren. Die israelische Regierung begründet dies mit ausbleibenden Zahlungen durch die Palästinenser.

Die Vereinten Nationen und Hilfsorganisationen warnen vor einem "vollständigen Zusammenbruch" und einer humanitären Krise in dem dicht besiedelten Küstenstreifen. Der Gazastreifen und seine rund zwei Millionen Bewohner unterliegen seit zehn Jahren einer scharfen israelischen Blockade.