Gaspreis dreht ins Minus, schüttelt russische Drosselung ab

(Bloomberg) -- Die Gaspreise haben im Laufe des Vormittags ins Minus gedreht, da die vollen Speicher und das über Tanker eingehende Flüssiggas eine Kürzung der russischen Gaslieferungen über die Ukraine-Pipeline ausgleichen.

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Die europäischen Benchmark-Futures fielen um bis zu 4,4%, nachdem sie im frühen Handel am Donnerstag um bis zu 6,3% zugelegt hatten. Die Drosselung der russischen Lieferungen war zusammengefallen mit einer Kältewelle über dem Kontinent, die die Heiznachfrage für den Brennstoff und die Entnahme aus den Speichern ankurbelt.

Europa kommt einstweilen ohne Rationierung und Stromausfälle aus. Dank dem milden Wetter der letzten Wochen und zunehmender Flüssiggas-Importe sind die Speicher zu mehr als 80% gefüllt, in Deutschland sogar zu rund 90%. Das hat auch die Inflation gesenkt und die Versorgungsängste beruhigt.

Der russische Gaskonzern Gazprom hat am Donnerstag die Lieferungen nach Europa über die Ukraine um 23% gekürzt und damit Drosselungen von Anfang des Monats weiter fortgesetzt.

Gazprom wollte sich zu den Gründen dafür nicht äußern. Nachdem die Spotgaspreise im vergangenen Monat gesunken sind, liegen sie wahrscheinlich unter denen, die für die langfristigen russischen Verträge gelten, meint Tom Marzec-Manser, Leiter der Gasanalyseabteilung bei ICIS in London. Die europäische Benchmark liegt mehr als 40% unter dem Niveau von vor einem Monat.

Die russischen Lieferungen sind bereits auf einen Bruchteil des Niveaus vor dem Krieg in der Ukraine gesunken. Russland versorgt Europa nurmehr über zwei Pipelinerouten — eine über die Ukraine und die andere über die Türkei.

Gleichzeitig fegt eine Kältewelle über Nordwesteuropa hinweg. Für Paris werden laut Maxar bis zum Wochenende Temperaturen von etwa 5 Grad unter dem Normalwert vorhergesagt. In der kommenden Woche zieht die Kaltfront vor allem über Mittel- und Südwesteuropa.

Niederländische Front-Monats-Futures, der Richtwert in Europa, handelten um 12:40 Uhr in Amsterdam um 4,1% leichter bei 59,18 Euro pro Megawattstunde.

Überschrift des Artikels im Original:European Gas Prices Gain as Cold Weather Boosts Heating Demand

(Neu: Preise nun im Minus)

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