Gaslighting am Arbeitsplatz: Wie ihr erkennt, ob euch jemand in eurem Arbeitsumfeld manipuliert

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Einige von euch haben den Begriff „Gaslighting“ vielleicht schon einmal gehört. Vor allem im Kontext von Liebesbeziehungen taucht der Ausdruck auf. Beim Gaslighting manipuliert ein Partner oder eine Partnerin und macht sein Gegenüber dadurch emotional von sich abhängig. Die Gaslighter lassen ihre Opfer immer und immer wieder an ihrer Wahrnehmung zweifeln, sodass diese irgendwann nicht mehr ihren eigenen Gefühlen und Überzeugungen trauen.

Doch Gaslighting beschränkt sich nicht nur auf die Beziehung. Auch am Arbeitsplatz kann diese Art von Manipulation auftreten. Hier könnt ihr nachlesen, wie ihr es erkennt – und was ihr dagegen tun könnt.

Was ist Gaslighting?

Gaslighting ist eine Verhaltensweise, bei der die Täter das Glaubenssystem einer anderen Person absichtlich manipulieren. Durch Lügen, Verleugnungen und falschen Anschuldigungen schaffen die Gaslighter es, dass ihre Opfer früher oder später an sich selbst zweifeln und ihrer eigenen Wahrnehmung nicht mehr trauen. Das kann schwerwiegende Folgen haben: Betroffene verlieren häufig nicht nur ihr Selbstwertgefühl und entwickeln ein tiefgreifendes Misstrauen gegen sich selbst, sondern können auch unter Depressionen, Angststörungen und dem Gefühl von Kontrollverlust leiden.

Gaslighter werten eure Gefühle, Gedanken und Meinungen ab, indem sie behaupten, ihr wärt verrückt oder würdet euch alles nur ausdenken. Sie erklären eure Wahrnehmungen für falsch und lügen manchmal auch ganz offensichtlich.

Wie ihr Gaslighting grundsätzlich erkennt, und welche Sätze die Täterinnen und Täter häufig nutzen, um euch zu manipulieren, könnt ihr hier nachlesen. In dem Beitrag wird auch erklärt, wie ihr euch dagegen wehren könnt.

Wie äußert sich Gaslighting am Arbeitsplatz?

Gaslighter können euch in eurem Arbeitsumfeld an verschiedenen Stellen begegnen. Es können eure Führungskräfte sein, aber auch Kolleginnen und Kollegen oder sogar Angestellte, die euch unterstellt sind. Gaslighter wollen euch herunterziehen und verhindern, dass ihr erfolgreich seid.

Sie manipulieren euch und auch andere Menschen, um euch und eure Arbeit zu sabotieren. Die Jobbörse „Monster“ schreibt, dass beispielsweise die folgenden Verhaltensweisen dazu genutzt werden:

  • Ihr habt ein fertiges Projekt abgegeben, aber eure Führungskraft sagt, sie hätte dieses nie bekommen – dabei könnt ihr euch daran erinnern, dass ihr mit ihr darüber bereits gesprochen habt.

  • Die Gaslighter beschimpfen euch und sagen zum Beispiel sexistische oder rassistische Dinge zu euch. Das passiert allerdings immer nur, wenn ihr alleine seid, sodass es keine weiteren Zeugen gibt. Wenn ihr die Gaslighter dann öffentlich beschuldigt, streiten sie es ab oder sagen, ihr hättet sie eigentlich beleidigt.

  • Vor anderen tun die Gaslighter so, als wären sie euer größter Fan. Wenn niemand in Hörweite ist, beschimpfen sie euch aber.

  • Sie lügen euch unverhohlen an. Zum Beispiel kann es sein, dass ein Mitarbeiter drei Stunden Pause gemacht hat – und ihr das auch wisst. Später erfindet der Gaslighter dann aber Ausreden und Lügen, warum er sein Projekt nicht fertiggestellt hat.

  • Ihr habt das Gefühl, euch ständig beweisen zu müssen. Gleichzeitig wisst ihr gar nicht genau, was von euch erwartet wird.

  • Ihr bemerkt immer wieder, dass jemand an eurem Arbeitsplatz war, zum Beispiel weil Dinge nicht mehr dort liegen, wo ihr sie gelassen habt oder auf eurem Computer Dokumente geöffnet sind, die ihr nicht benutzt habt. Allerdings habt ihr keine handfesten Beweise, wer es war.

  • Ihr bekommt bestimmte E-Mails nicht oder werdet zu Meetings nicht eingeladen. Wenn ihr dann nicht antwortet oder nicht erscheint, werdet ihr zurechtgewiesen.

Wie ihr euch gegen Gaslighting wehren könnt

„Gaslighting ist verdeckte Aggression und Mobbing am Arbeitsplatz“, schreibt die Psychologin Samatha Young in einem LinkedIn-Beitrag. Das Ziel von Gaslightern ist es, dass ihr an euch selbst und eurer Wahrnehmung zweifelt. Daher ist es umso wichtiger, dass ihr nach Gesprächen oder Erlebnissen festhaltet, was gerade passiert ist. So kann euch der Gaslighter nicht im Nachhinein erzählen, es wäre nicht so passiert. „Denn der erste Schritt, sich von der Manipulation zu befreien, besteht darin, zu erkennen, dass das Gaslighting tatsächlich stattfindet“, so Young.

Hattet ihr zum Beispiel eine Besprechung, könnt ihr im Nachgang eine E-Mail schreiben mit den wichtigsten Informationen, die besprochen wurden. Ihr solltet außerdem alle schriftlichen Interaktionen festhalten, wie E-Mails oder Zettel, die euch gegeben wurden. So habt ihr Beweise dafür, dass bestimmte Dinge gesagt oder eben nicht gesagt wurden.

Außerdem solltet ihr noch jemand anderes einweihen, dem ihr vertraut. Es kann sein, dass die Gaslighter nicht nur euch, sondern auch andere Personen am Arbeitsplatz manipulieren. Wenn ihr euch mit anderen austauscht, könnt ihr bestimmte Verhaltensmuster entdecken. Außerdem ist der Austausch mit anderen auch wichtig, da der Gaslighter versuchen könnte, andere Menschen davon zu überzeugen, dass ihr lügt. Ihr könnt euch natürlich auch an externe Menschen, Freunde oder Therapeuten wenden.

Gaslighter mögen es nicht, bloßgestellt zu werden, schreibt Young. Wenn sie sich euch vorab als Opfer ausgesucht haben, gehen sie wahrscheinlich davon aus, dass ihr sie nicht zur Rede stellt – vielleicht weil ihr empathisch seid und ein Bedürfnis nach Harmonie habt. „Sprecht den Gaslighter direkt darauf an, wenn ihr bemerkt, dass sie euch manipulieren wollen“, rät Psychologin Young.

Ein weiterer Weg ist es, der Person aus dem Weg zu gehen. Das ist aber nicht immer möglich – besonders, wenn der Gaslighter zum Beispiel ein Vorgesetzter ist. Wie auch in Beziehungen ist manchmal der beste Weg, sich von dem Gaslighter zu trennen, also den Job zu wechseln. Auch wenn es vielleicht unfair erscheint, ist das manchmal der einzige Ausweg. Denn die Arbeit in einem toxischen Arbeitsumfeld ist weder für eure Gesundheit noch für eure Psyche gut.

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