Gaskrise: Darf mich mein Chef zum Energiesparen ins Home Office schicken?

Ein Mann sitzt zuhause an seinem Laptop. Die Bundesregierung diskutiert, ob Home Office zum Sparen von Gas im Winter beitragen kann.  - Copyright: picture alliance/dpa/Annette Riedl
Ein Mann sitzt zuhause an seinem Laptop. Die Bundesregierung diskutiert, ob Home Office zum Sparen von Gas im Winter beitragen kann. - Copyright: picture alliance/dpa/Annette Riedl

Es fließt wieder Gas durch die Ostseepipeline Nord Stream 1. Allerdings seit knapp einer Woche nur noch 20 Prozent der vertraglichen Liefermengen.

Die Lage sei ernst. So äußerte sich Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) in den vergangenen Wochen wiederholt zu einem möglichen Gaslieferstopp aus Russland. Jetzt will sich Deutschland mit Sparplänen für den Winter rüsten. Geplant ist unter anderem, dass Heizungen in Privatwohnungen effizienter umgestellt und Flure, Foyers oder Hallen in öffentlichen Gebäuden, sofern sie kaum genutzt werden, nicht mehr geheizt werden sollen.

Angesichts der steigenden Gaspreise denkt die Politik außerdem verstärkt darüber nach, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wieder ins Home Office zu schicken und gleichzeitig die Heizungen in Firmengebäuden herunterzudrehen. Auch Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hält diese Option offenbar für denkbar. „Die Energiebilanz ist dann eine positive, wenn in den Büros nicht geheizt wird und Räume genutzt werden, die sowieso geheizt werden“, sagte Habeck.

Auch die FDP denkt wieder über das Home Office nach. „Sollte es zu Versorgungsengpässen kommen, werden flexible Homeoffice-Regelungen für Arbeitgeber natürlich nicht an der FDP scheitern“, sagte Fraktionschef Christian Dürr der "Welt am Sonntag". Das Ziel sei, die drohende Energielücke bestmöglich zu schließen und so zu verhindern, dass die Büros überhaupt runtergekühlt werden müssten.

Aber wäre es überhaupt erlaubt, die Angestellten einfach zum Arbeiten nach Hause zu schicken, um Energie zu sparen?

Darf mein Chef einfach so Home Office anordnen?

Nein. Der Arbeitgeber könne nicht einfach verlangen, dass Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ihre privaten Räume zum Arbeiten nutzen, sagte Livia Merla, Fachanwältin für Arbeitsrecht der „Bild“-Zeitung.

Der Arbeitgeber sei grundsätzlich verpflichtet, seinen Angestellten einen Arbeitsplatz zur Verfügung zu stellen. „Die Privatsphäre im eigenen Zuhause ist sogar durch das Grundgesetz geschützt“, sagt Merla. „Arbeiten im Home Office ist nur einvernehmlich möglich. Das heißt, es braucht eine entsprechende Absprache und das Einverständnis sowohl vom Arbeitgeber wie auch vom Arbeitnehmer."

Wie schon in der Corona-Pandemie, als die Politik über Home Office als Infektionsschutzmaßnahme debattierte, könnte die Bundesregierung nur eine Aufforderung an die Arbeitnehmer und -geber richten. Arbeitgeber verpflichten, ihre Beschäftigten nach Hause zu befehlen, könnte sie nicht.

Gewerkschaften sehen Homeoffice zum Energiesparen kritisch

Ohnehin, in Gewerkschaftskreisen wird die Idee des Home Office zum Energiesparen kritisch aufgenommen.

Mithilfe einer Pauschale kann man fünf Euro pro Tag steuerlich für das Arbeiten von zuhause geltend machen. Laut Bayerischem Rundfunk (BR) reicht den Gewerkschaften diese Pauschale aber nicht. Sie sei nicht eingeführt worden, um die steigenden Energiekosten zu decken, sondern mit Blick auf die Corona-Pandemie. Die Gewerkschaften fordern deshalb, die Homeoffice-Pauschale auszuweiten.

Wie hoch das Energiesparpotential durch die Einführung vom Home Office überhaupt sein könnte, ließe sich auf die Kilowattstunde nicht genau bestimmen, heißt es von der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern im Gespräch mit dem BR. Laut IHK hinge das zu sehr von den Räumlichkeiten ab.

Wenn überhaupt, dann könne in einzelnen Büros die Temperatur für bestimmte Tage von 20 auf 15 oder 16 Grad reduziert werden. Viel mehr könne aus Gründen der Schimmelgefahr sowieso nicht heruntergekühlt werden.

cb

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.