Gaskrise: Abfallbranche warnt vor Klimaschutz-Folgen

BERLIN (dpa-AFX) - Deutschlands Entsorgungswirtschaft hat mit Blick auf eine drohende Gasmangellage und den damit verbundenen möglichen Rationierungen für die Industrie vor negativen Folgen für den Klimaschutz gewarnt. Sollten die Recyclinganlagen nicht mehr genug Gas bekommen, würden weniger Papier, Glas, Aluminium und andere Abfälle verwertet, sagte der Präsident des Branchenverbandes BDE, Peter Kurth, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Im Vergleich zu neuen Vorprodukten sei der CO2-Abdruck von Produkten eines Recyclingprozesses, sogenannter Rezyklate, viel besser. "Sollte also das Recycling wegen Gasknappheit gesenkt werden müssen, wäre das ein Bärendienst für den Klimaschutz."

Die Hersteller von Aluminium, Glas, Papier und Plastik würden sich dann vor allem im Ausland mit neuen Vorprodukten eindecken, betonte der Branchenvertreter. "Das Klima würde mit zusätzlichem Kohlenstoffdioxid belastet, und die Preise für die Verbraucher würden steigen." Die Recyclingwirtschaft sei sehr wichtig für eine klimaschonende Rohstoffversorgung.

Derzeit spare der Einsatz der Rezyklate pro Jahr 60 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) in Deutschland. Das sei etwa so viel wie der Beitrag der deutschen Windenergie zum Klimaschutz. "Die Kreislaufwirtschaft, in der aus Abfall Rohstoffe gewonnen und wieder zurückgeführt werden in die Produktion, ist für Deutschland als Industriestandort und für den Klimaschutz unverzichtbar", sagte Kurth.

Nur ein Teil des deutschen Abfalls wird wiederverwertet, je nach Abfallart ist dieser Anteil mal größer und mal kleiner. In Deutschland hergestelltes Glas besteht laut BDE zu mehr als 80 Prozent aus Rezyklaten, also eingeschmolzenen Glasscherben. Bei Kupfer und Aluminium liegen die Anteile dem BDE zufolge bei 40 bis 50 Prozent. Andere Teile der Entsorgungswirtschaft sind ebenfalls auf Gas angewiesen. So nutzen Verbrennungsanlagen Gas zur sogenannten Stützfeuerung, damit zum Beispiel Restmüll gut brennt.

"Wir arbeiten als Branche mit Hochdruck daran, die Gasnutzung in Müllkraftwerken zu mindern und durch andere Brennstoffe zu ersetzen, aber das dauert", sagte Kurth. Man brauche eine sehr hohe Temperatur, damit auch wirklich alle Schadstoffe verbrannt werden. "Für so eine hohe Temperatur spielt Gas derzeit noch eine relevante Rolle."

Angesichts stark gedrosselter Lieferungen aus Russland ist Gas zu einem knappen Gut geworden. Ob und wann es eine Gasmangellage geben wird, ist noch nicht klar. Dies hängt auch davon ab, wieviel russisches Gas in den nächsten Monaten nach Deutschland strömt und wie stark die Industrie und Verbraucher Energie sparen.

Sollte es zu einer Gasmangellage kommen, würde die Bundesnetzagentur Rationierungen von Gaslieferungen an die Industrie vornehmen. Mit Blick auf diese Möglichkeit haben sich neben dem BDE bereits andere Industrieverbände geäußert und die Dringlichkeit einer stabilen Energieversorgung in ihren Wirtschaftszweigen betont.

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