Gasfunde vor Zypern: Erdoğan droht mit "osmanischer Ohrfeige"

Säbelrasseln von Zypern bis in die Ägäis: Während türkische Kriegsschiffe ein vom italienischen Energieunternehmen ENI gemietetes Bohrschiff weiter daran hinderten, ein Erkundungsgebiet südöstlich der zypriotischen Hafenstadt Larnaka zu erreichen - dort werden reiche Erdgasfelder vermutet. - drohte Präsident Recep Tayyip Erdoğan Im türkischen Parlament unverhohlen.

Recep Tayyip Erdoğan:

„Wer da ankündigt, auf einen Angriff aggressiv zu reagieren – der hat in seinem Leben noch nie eine osmanische Backpfeife abbekommen.“

In der Ägäis rammte ein türkisches Patrouillenboot ein Boot der griechischen Küstenwache.

Seit im östlichen Mittelmeer vor den Küsten Israels und Ägyptens große Gasvorkommen entdeckt wurden, hoffen auch die Zyprer auf wertvolle Bodenschätze vor ihrer Insel.

Die Republik Zypern – Mitglied der EU und de facto abgetrennt von Nordzypern, das nur von der Türkei anerkannt ist - hatte in den vergangenen Jahren in Verträgen mit den Anrainern Israel und Ägypten ihre Wirtschaftszonen abgesteckt - vor der Süd- und Ostküste hat die Regierung 13 Explorationsgebiete, so genannte Blocks, ausgewiesen und Konzessionen an mehrere internationale Energiekonzerne vergeben.

Ankara fordert nicht nur eine Beteiligung der türkischen Zyprer an Gasfunden, sondern erhebt auch selbst Ansprüche auf Teile der von Zypern ausgewiesenen Explorationszonen (auf Teile der Blocks 1, 4, 5, 6 und 7).

Recep Tayyip Erdoğan:

"In der Zwischenzeit soll keiner glauben, dass die opportunistischen Versuche zur Erkundung von Erdgas vor der Küste Zyperns und den Inseln in der Ägäis unbemerkt geblieben sind. Wir warnen alle, die unsere Konzentration auf die Entwicklungen im Süden unseres Landes nutzen, um in Zypern und in der Ägäis Grenzen zu überschreiten. Sie sollten sich da nicht verrechnen.

Wir raten ausländischen Firmen, die vor der Küste Zyperns aktiv sind, ihre Kompetenzen nicht zu überschreiten und sich von griechischen Zyprern instrumentalsieren zu lassen, indem sie ihnen vertrauen. Sie stellen sich uns entgegen, bis sie unsere Armee, Schiffe und Flugzeuge sehen. Noch einmal zur Erinnerung: Nichts kann erreicht werden, indem man heimlich für Bilder mit isolierten Inseln posiert und Explorationsschiffe in eine Region ohne vertragliche Vereinbarungen bringt.

Für uns haben Zypern und die Ägäis die gleiche Bedeutung und Bedeutung wie Afrin."

FELDZUG GEGEN KURDEN

Seit rund drei Wochen läuft im Nordwesten Syriens ein türkischer Feldzug gegen die kurdischen Volksstreitkräfte (YPG), die außerhalb von Afrin der stärkste Verbündete der USA in der Region sind. Das bringt Amerikaner und Türken gegeneinander auf. US-Außenminister Rex Tillerson wird diese Woche in Ankara erwartet. "Wir werden die Beziehungen in Ordnung bringen oder völlig beschädigen", drohte sein türkischer Kollege Mevlüt Çavuşoğlu.

OSMANISCHE TRÄUME

Das Osmanische oder Ottomanische Reich, das Mustafa Kemal Atatürks moderner Türkei von 1923 vorausging, hatte eine mehrfach so große Ausdehnung und umfasste zeitweise den Balkan sowie große Teile Arabiens. Im 17. Jahrhundert erstreckte sich das Osmanische Reich von seinen Kernlanden Kleinasien und Rumelien nach Norden bis in das Gebiet um das Schwarze und das Asowsche Meer, westwärts bis weit nach Südosteuropa hinein. Jahrhundertelang beanspruchte das Osmanische Reich politisch, militärisch und wirtschaftlich eine europäische Großmachtrolle neben dem Heiligen Römischen Reich, Frankreich und England.

Erdogan spricht seit 2014 davon, Osmanisch-Unterricht an türkischen Gymnasien zum Pflichtfach zu machen. Das Osmanische Reich ist für ihn offenbar Vorbild. „Wir werden nicht Gefangene auf 780.000 Quadratkilometern sein“, sagte er. Der Einfluss der Türkei müsse über ihre Grenzen hinausgehen. „Unsere Brüder auf der Krim, im Kaukasus, in Aleppo und Mossul mögen jenseits der physischen Grenzen sein, aber sie sind innerhalb der Grenzen unserer Herzen“, sagte der Staatschef Ende 2016.

Sigrid Ulrich mit dpa