Ganz schwere Entscheidung: Welche Aktien sollte man verkaufen, wenn es finanziell einmal eng wird?

Andre Kulpa, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
·Lesedauer: 3 Min.
Aktien

Als Investor hat man es ja schon grundsätzlich nicht leicht. Denn niemand kann einem schließlich die Entscheidung abnehmen, in was man letztendlich sein Geld investiert. Aber auch, wenn man sich hauptsächlich auf Aktien bei seiner Geldanlage konzentriert, stellt sich natürlich immer wieder die Frage, in welche Werte man sein Geld stecken soll. Doch auch andere Dinge sind bei der Aktienanlage noch zusätzlich zu beachten.

So lautet ein wichtiger Grundsatz, dass man zum Kauf von Aktien nur Geld verwenden soll, welches langfristig nicht für andere Zwecke benötigt wird. Und viele Anleger beherzigen diesen Hinweis auch sehr vorbildlich. Aber was die meisten leider nicht in ihrer Planung berücksichtigen, ist die Tatsache, dass sich Lebensumstände leider auch ändern können. Und dies manchmal leider auch zum Negativen.

Es könnte also durchaus passieren, dass man finanziell dermaßen unter Druck gerät, dass auch der Verkauf von Aktien kein Tabu mehr darstellt. Viele Anleger haben sich ihr Depot allerdings über viele Jahre oder sogar Jahrzehnte aufgebaut. Und da fällt die Entscheidung, von welchen Werten man sich nun am ehesten trennen sollte, natürlich sehr schwer. Wie könnte man hier also am sinnvollsten vorgehen?

Steuerliche Aspekte beachten

Es kann durchaus Sinn machen, an die ganze Angelegenheit erst einmal aus steuerlicher Sicht heranzugehen. Denn hier gibt es schließlich gleich zwei Aspekte zu beachten. Stößt man in einer Notsituation nämlich Aktien ab, welche schön im Plus liegen, fällt in der Regel ja die sogenannte Abgeltungsteuer an. Und da diese bis zu 28 % des realisierten Gewinns betragen kann, sollte man sich so etwas sehr gründlich überlegen.

Auf der anderen Seite gibt es aber bestimmt auch einige Verliereraktien im Depot. Und eventuell könnte es zumindest aus steuerlicher Sicht günstiger sein, sich lieber von diesen zu trennen. Denn die so realisierten Verluste kommen in den sogenannten Verrechnungstopf und können auch noch viele Jahre später mit dann anfallenden Gewinnen verrechnet werden. Mit dieser Vorgehensweise würde man dann die in der Zukunft anfallende Steuerlast zu seinen Gunsten optimieren.

Dividenden in den Fokus rücken

Aber es könnte natürlich auch sein, dass alle Werte im Depot eine recht erfreuliche Entwicklung hingelegt haben. Wenn dies der Fall ist, müsste man nach einem anderen Kriterium suchen, um für sich zu entscheiden, welche Aktien verkauft werden sollen. Eine Möglichkeit wäre hier, sich nach dem Dividendenaufkommen zu richten. Und zwar dahingehend, dass man darüber nachdenkt, sich eventuell von den Werten zu trennen, von denen man die geringsten Dividendenzahlungen erhält.

Im Umkehrschluss also an solchen Werten festzuhalten, welche einem weiterhin einen hohen Cashflow generieren können. Und dies könnte natürlich, wenn die finanzielle Situation gerade nicht ganz so prickelnd ist, durchaus Sinn machen. Aber es macht die Angelegenheit bestimmt nicht einfacher. Denn nicht ohne Grund hatte man ja bisher an allen im Depot befindlichen Aktien festgehalten.

Fazit

Sollte man aus einer Notsituation heraus einige seiner Aktien verkaufen müssen, kommt man schnell in eine Phase, in der guter Rat wirklich teuer ist. Aber leider kann einem hier niemand diese schwere Entscheidung abnehmen. Mein Fazit lautete deshalb zu versuchen, erst gar nicht in solch eine schwierige Situation zu kommen. Auch wenn sich dies im wahren Leben aber wahrscheinlich nicht immer so gestalten lässt, wie man es selbst gern hätte.

Der Artikel Ganz schwere Entscheidung: Welche Aktien sollte man verkaufen, wenn es finanziell einmal eng wird? ist zuerst erschienen auf The Motley Fool Deutschland.

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