Ganz Frankreich gilt als Hochinzidenzgebiet

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Corona-Testzentrum an deutsch-französischer Grenze

Ganz Frankreich gilt nun als Hochinzidenzgebiet. Die Einstufung durch das Robert-Koch-Institut trat am Sonntag in Kraft. Die Grenze darf bis auf weiteres nur mit einem negativen Corona-Test überquert werden, der nicht älter als 48 Stunden ist. Ob ein Grenzgänger einen negativen Test hat, wird aber nicht direkt an der Grenze zu Deutschland kontrolliert, sondern im Hinterland mit Hilfe der Schleierfahndung.

Grund für die Einstufung Frankreichs ist, dass die Sieben-Tage-Inzidenz in Frankreich deutlich über der Marke von 200 liegt - ab diesem Schwellenwert sehen die Regeln der Bundesregierung eine Klassifizierung als Hochinzidenzgebiet vor. Der Wert in Frankreich liegt nach Angaben der französischen Gesundheitsbehörden bei deutlich über 300 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner.

Eine Ausnahme von den neuen Regeln soll es nach AFP-Informationen aus Regierungskreisen für Pendler geben: Sie müssten sich nur zwei Mal pro Woche testen lassen. Dafür sollten gegebenenfalls Teststationen in Grenznähe aufgebaut werden. Bislang dürfen Berufspendler - vor allem im Elsass - für 24 Stunden ohne Testpflicht einreisen.

Frankreich befindet sich inmitten der dritten Corona-Welle. Deswegen wurde am Samstag der Lockdown auf drei weitere Départements ausgeweitet. Geschäfte mussten schließen und die Bewegungsfreiheit der Bürger wurde eingeschränkt. Insgesamt betreffen die verschärften Corona-Auflagen 19 Verwaltungsbezirke mit mehr als 23 Millionen Menschen.

Seit einer Woche gilt der Lockdown bereits im Pariser Großraum und Teilen Nord- und Südfrankreichs. Seit Samstag sind auch das Département Rhone um die Großstadt Lyon betroffen sowie die Verwaltungsbezirke Aube südöstlich von Paris und Nièvre südlich der Hauptstadt.

Die Bewohner der betroffenen Départements dürfen ihre Regionen nur noch aus "zwingenden" Gründen verlassen. Spaziergänge sind auf einen Radius von zehn Kilometern begrenzt. Zudem wird die Klassenstärke in den Gymnasien auf die Hälfte reduziert - im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern bleiben die Schulen aber geöffnet.

Die Behörden verschärften ihre Kontrollen an Flughäfen, Bahnhöfen und Mautstraßen, um die Einhaltung der Beschränkungen zu überwachen. Zu den Hauptverkehrszeiten sollen sie nochmals erhöht werden.

Auch Spanien schränkte die Einreise aus Frankreich am Samstag an. Die Regierung kündigte an, dass ab Dienstag jeder Reisende ab sechs Jahren vor der Einreise einen negativen PCR-Test vorweisen muss. Bisher galt dies nur für Flugreisende; seit Ende Januar gilt die allgemeine Testpflicht allerdings bereits für die Einreise von Spanien nach Frankreich.

Frankreich hat inzwischen die Marke von 200.000 neuen Infektionsfällen pro Woche überschritten. Mit rund 4800 lag die Zahl der Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen am Samstagabend nur noch knapp unter dem Höchststand der zweiten Welle im Herbst. Seit Beginn der Pandemie starben über 94.000 Menschen an oder mit einer Coronavirus-Infektion. Präsident Emmanuel Macron hat die Bürger bereits auf "schwierige" Wochen eingestimmt.

Am kommenden Mittwoch berät der sogenannte Verteidigungsrat über eine Verschärfung der Strafmaßnahmen bei Verstößen gegen die Corona-Regeln. Am Sonntag sollte sich der Wissenschaftsrat über eine mögliche erneute Verschiebung der Regional- und Départementwahlen äußern. Die Regierung hat bereits angekündigt, sich an die Empfehlungen ihres Beratergremiums zu halten.

noe/lan