Ganz einsam an der Spitze? So lernt ihr als neuer Chef euer Team besser kennen

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Es ist aufregend. Stößt eine neue Führungskraft von außerhalb der Firma oder Abteilung zu einem Team, weiß keiner der Beteiligten, was ihn oder sie erwartet. Ich habe diese Situationen oft scheitern sehen. In meinem Bekanntenkreis wechseln Führungskräfte häufiger den Job, als Angestellte ohne Leitungsfunktion es tun. Die Gründe dafür sind natürlich vielfältig. Einen Faktor schauen wir uns heute an: das Zwischenmenschliche.

Der erste Eindruck zählt, so sagt man. Nur können sich Führungskräfte mit neuen Teams leider nicht um alles gleichzeitig kümmern: eine Richtung vorgeben, eine Motivationsrede halten, sich selbst als stark und nett und fähig präsentieren, Verbündete suchen – das ist ein bisschen viel auf einmal.

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Nicht hier, um Freundschaft zu schließen?

In der modernen Arbeitskultur ist „die Sache“ noch immer wichtig. Heilig ist sie meistens nicht mehr. Es sei denn, es waren gerade eher traditionell ausgerichtete Management-Berater im Haus. Doch die Haltung, jemand sei nicht in die Firma gekommen, um Freundschaft zu schließen, ist überholt. Im Idealfall gelingt beides: Führung und ein gutes Verhältnis.

An diesem Grundsatz darf auch der Start als neue Führungskraft in einem bestehenden Team ausgerichtet sein. Wenn die Sache besprochen ist, dann ist heute auch Raum für zwischenmenschliche Begegnung. Das stärkt die Fähigkeit zur Empathie, denn in einen Menschen hineinversetzen kann sich nur, wer weiß, was bei diesem gerade passiert. Diese Empathie macht Führungskräfte besser, weil sie klüger mit Fehlern umgehen.

Wer mehr Empathie auf dem eigenen Chefinnensessel platzieren will, der tut gut daran, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kennenzulernen. Und das muss nicht direkt auf der persönlichsten Ebene stattfinden. Zunächst einmal geht es darum, etwas Offenheit anzubieten. Dafür reicht ein kleines Ritual, das in jeden Tagesablauf hineinpasst. Zwei Varianten können geeignet sein, je nach Persönlichkeit:

Frage-Ritual: Fragt jedes Mitglied eures Teams einmal in der Woche etwas Persönliches. Wie war das Wochenende? Kannst du mir einen See für einen Tagesausflug empfehlen? Wie geht es der Tochter? Bist du zufrieden mit dem Unentschieden deiner Lieblings-Mannschaft? Spielst du manchmal selbst? Das funktioniert bei kurzen Begegnungen unter vier Augen am besten. Wer dieses Instrument für das gesamte Team einsetzen will, kann am Beginn des ersten Meetings der Woche fragen: „Was hat euch am Wochenende bewegt?“

Plauder-Ritual: Umgekehrt hilft es auch, etwas von sich selbst zu geben. Ich habe Muskelkater, ich bin seit vier Uhr wach, mein Sohn kann jetzt krabbeln, meine Kaffeemaschine hat den Geist aufgegeben. Vorsicht, Falle: Wer vom neuen Auto erzählt oder dem geplanten Luxus-Urlaub, der springt mitten rein ins Fettnäpfchen.

Bitte persönlich – nicht privat

Beide Gesprächsaufhänger sind geeignet, Menschen besser kennenzulernen und so eine gute Gesprächskultur zu errichten. Wichtig: Vergesst niemanden, sonst fühlen sich diese Personen (zurecht) ausgeschlossen.

Wer unverfängliche persönliche Gespräche anbietet, der öffnet damit einen Kanal. Dann gilt es, richtig zuzuhören. Diese Form von Wertschätzung ist es, die Menschen zu guten Führungskräften macht.

Eine kleine Falle wartet hier aber: Wer den Unterschied zwischen persönlich und privat nicht bedenkt, der belästigt seine Mitarbeiter mit Oversharing – zu viele Details, die irgendwie unangenehm sind. Persönlich ist alles, was eine Person betrifft. Privat ist, was man nur den besten Freundinnen und Freunden erzählen würde. Wer am neuen Arbeitsort noch keine hat, der sollte also lieber zu Hause anrufen, als mit zu vielen Details das neue Team zu verschrecken.

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