Gangster-Angriff auf Journalisten erschüttert Italien

Bilder von einem gewalttätigen Angriff eines Gangsters auf einen Fernsehjournalisten in der Nähe von Rom haben am Donnerstag viele Italiener erschüttert. Der für den Sender RAI tätige Reporter Daniele Piervincenzi fragte den Bruder des bekannten Mafiabosses Carmine Spada in Ostia nach seinen Verbindungen zur rechtsextremen Bewegung CasaPound. Daraufhin sprang Roberto Spada plötzlich nach vorn, versetzte dem Journalisten einen Kopfstoß und brach ihm dabei die Nase.

Danach holte der Angreifer einen Knüppel hervor, schlug zu und jagte Piervincenzi die Straße hinunter. "Er hat zugeschlagen, weil ich Fragen stellte", sagte der Journalist. Das Kamerateam hatte sich am Dienstag in den römischen Vorort begeben. Es arbeitete an einem Dokumentarfilm über Gemeinderatswahlen - zwei Jahre, nachdem der Stadtrat von Ostia wegen Mafiainfiltration aufgelöst worden war.

Der Spada-Klan ist berüchtigt für seine Gewalttätigkeit. Sieben Mitglieder der Familie wurden im Oktober zu insgesamt 56 Jahren Haft verurteilt. Carmine Spada erhielt im vergangenen Jahr eine zehnjährige Gefängnisstrafe wegen Erpressung und Mafia-Zugehörigkeit.

Roberto Spada wurde nicht festgenommen. Die von ihm verursachten Wunden wurden als nicht schwerwiegend genug angesehen. Für den Angriff entschuldigte er sich auf Facebook. Zugleich warf er dem Journalisten vor, ihn in einem für Mitglieder reservierten Klub aufgesucht und seinen Sohn erschreckt zu haben.

Der italienische Regierungschef Paolo Gentiloni solidarisierte sich mit dem Opfer der "brutalen Attacke". Roms Bürgermeisterin Virginia Raggi von der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung sagte, der Angriff sei nicht hinnehmbar. Die Justiz leitete Ermittlungen ein.