Gamescom in Köln: Cosplay-Fan Christiane Lennartz wird zur Magierin

Cosplay-Fan Christiane Lennartz schneidert sich fantasievolle Kostüme.

„Man geht gerader, hält das Kinn höher“, sagt Christiane Lennartz. Die 28-Jährige ist eine von rund 30 Teilnehmern des Cosplay-Wettbewerb der Spielefirma Blizzard auf der Gamescom. Cosplay, das ist der moderne Ausdruck für das Anfertigen und Tragen von Kostümen von bekannten Charakteren der Pop-Kultur. Die brünette Perücke, die Lennartz bürstet und dann mit vielen kleinen Zöpfen versieht, gehört zur Magierin aus dem Computerspiel Diablo.

Ihr großer schwarzer Kater, Zwickie, liegt neben ihr auf dem Boden ihrer Werkstatt. Aber es sind nicht nur die Klamotten und die Perücke, die das Cosplay ausmachen. „Gerade für Fotos oder eben auf der Bühne muss man schon auch ein bisschen schauspielern“, erklärt Lennartz. Sie ist schon lange in der Szene unterwegs. Ihr erstes Kostüm schneiderte sie mit 15 Jahren. Seitdem sucht sie ständig nach neuen Herausforderungen, neuen Techniken und neuen Werkzeugen. Ihre Werkstatt, voll von bunten Stoffen, verschiedenen Materialien, Farben, Pinseln und Schnittmustern ist ausgestattet für alle möglichen Arbeiten.

Millimeterarbeit und handwerkliches Geschick

Neben einer Nähmaschine stehen eine Stickmaschine, ein Dremel und ein Heißluftföhn auf den Arbeitstischen in dem kleinen Raum unter dem Dach. Letztere braucht sie für die Arbeiten an den Rüstungsteilen aus Schaumstoff oder Thermoplaste. „Ich habe überall kleine Narben davon“, lacht sie, während sie in Millimeterarbeit die Einzelteile für ihre Beinschienen zusammenklebt. Ihr Hobby, das sie jetzt zum Beruf machen will, ist für sie vor allem ein handwerkliches.

Und tatsächlich – die Arbeiten, die Lennartz zur Fertigstellung ihres Kostüms braucht, sind vielfältig. Die großen Rüstungsstücke müssen aus hartem Kunststoff geformt, die kleinen Details darauf detailverliebt zugeschnitten werden. Mieder und Rock sind selbstgenäht, gesäumt und bestickt. Selbst die Schmucksteine gießt sie selbst aus durchsichtigem Kunstharz.

Um die Steine zum Leuchten zu bringen, hat sie einen Trick: Auf den Untergrund klebt die gebürtige Kölnerin Alufolie und bemalt dann alles mit einer halb-transparenten Farbe. Lennartz arbeitet perfektionistisch und konzentriert. Wenn eines der Kunststoffteile, mit denen sie die Ornamente der Rüstung formt, nur einen Millimeter zu lang oder zu kurz ist fängt sie von vorne an. „Verbessern kann man sich nur, wenn man sich ständig herausfordert“, erklärt sie. Der Kater, von Fön und Dremel unbeirrt, läuft ab und an über Lennartz’ Arbeiten, spielt mit ein paar Fäden oder Pinseln im Wasserglas.

Reaktionen fast immer positiv

Mit der gleichen routinierten Gelassenheit, mit der ihre Handgriffe ablaufen, schiebt sie ihn auf die Seite. Abgesehen von der Gamescom ist Lennartz auf allen größeren Conventions, also: Treffen von Cosplay-Fans, in der Gegend vertreten. Die Reaktionen sind fast immer positiv, auch wenn einige Leute nicht sofort etwas mit ihren Kostümen anfangen können. Belästigt oder bedrängt werde sie selten, berichtet die zierliche Frau.

Um bei dem Contest auf der Gamescom teilzunehmen, mussten die Teilnehmer im Vorfeld Bilder und Pläne ihrer Kostüme und des Fortschritts daran einreichen. Eine Jury aus Game-Designern und Grafikern wird beim Wettbewerb zum einen den handwerklichen Anspruch und zum anderen die Authentizität des Gesamteindrucks bewerten. Lennartz hofft, dass sie den Wettbewerb gewinnt – den zehn bestplatzierten Teilnehmern winken Preise.

Aber allein für die unzähligen Fotos, die Besucher an den Messetagen mit ihr gemacht haben werden, haben sich das Kostüm und der Kostenaufwand mit immerhin 300 Euro für sie bereits gelohnt. „Ich freue mich immer, wenn ich die Leute begeistern kann. Es ist eben ein sehr optisches Hobby“, sagt Lennartz lachend. Der Wettbewerb findet am Samstag ab 14.45 Uhr auf der Bühne in Halle sieben statt....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta