Gabriels schwarz-rote Abstimmung mit Hindernissen

dpa-AFX

BERLIN (dpa-AFX) - Den Kurswechsel in der Türkei-Politik verkündete Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) allein - allerdings ausdrücklich nach vorheriger Abstimmung in der schwarz-roten Koalition. Alles, was er sage, habe er am Morgen mit Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel besprochen, betonte der Vizekanzler am Donnerstag in Berlin. Auch mit dem SPD-Vorsitzenden Martin Schulz stimmte er sich vorher ab - den Kanzlerkandidaten verabschiedete Gabriel erst unmittelbar vor seiner Erklärung im Auswärtigen Amt, als die Fernsehkameras schon liefen.

Und der dritte Parteichef der Koalition? Den "Kollegen Seehofer" wolle er noch anrufen, erläuterte Gabriel. "Das hab ich heut' Morgen nicht geschafft, weil ich ihn nicht erreicht habe." Bei einer anderen Weichenstellung hatte es mit einer Vorab-Kontaktaufnahme zu CSU-Chef Horst Seehofer ebenfalls nicht geklappt, was dann auch zu schwerem Krach in der Union beitrug: Als Merkel Anfang September 2015 entschied, in Ungarn gestrandete Flüchtlinge nach Deutschland kommen zu lassen - und in jener Nacht Seehofer telefonisch nicht erreichte.