Gabriel geht hart mit der SPD ins Gericht

SPD-Chef Martin Schulz will den Parteivorsitz nach dem SPD-Mitgliedervotum über den Koalitionsvertrag mit der Union an Fraktionschefin Andrea Nahles übergeben

Der scheidende Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) ist in scharfer Form mit seiner Partei ins Gericht gegangen. Der frühere SPD-Chef bedauerte in einem Interview mit den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Freitagsausgaben), dass er die Leitung des Auswärtigen Amtes abgeben soll, und kritisierte einen respektlosen Umgang in seiner Partei.

"Ich habe das Amt des Außenministers gern und in den Augen der Bevölkerung offenbar auch ganz gut und erfolgreich gemacht", sagte Gabriel den Funke-Zeitungen. "Und da ist es ja klar, dass ich bedauere, dass diese öffentliche Wertschätzung meiner Arbeit der neuen SPD-Führung herzlich egal war."

Der scheidende Minister betonte, dass er die Personalentscheidung nicht kritisiere, da jede neue SPD-Führung das Recht auf die Neubesetzung von Ministerposten habe. Politiker seien "Gewählte und keine Erwählten". "Was bleibt, ist eigentlich nur das Bedauern darüber, wie respektlos bei uns in der SPD der Umgang miteinander geworden ist und wie wenig ein gegebenes Wort noch zählt", fügte Gabriel hinzu.

Ihm sei bewusst, dass in der Politik mitunter mit harten Bandagen gestritten werde. "Aber es sollte mit offenem Visier erfolgen", mahnte Gabriel. Er warf der SPD-Spitze indirekt Unehrlichkeit vor: "Ich komme wohl noch zu sehr aus einer analogen Welt, in der man sich nicht immer nur umschleicht, sondern sich einfach mal in die Augen schaut und die Wahrheit sagt." Dies sei anscheinend "aus der Mode gekommen".

Zu seiner persönlichen Zukunft sagte Gabriel, für ihn beginne "jetzt eine neue Zeit". "Zuhause freuen sich schon mal alle darauf", fügte der Familienvater hinzu. Seine kleine Tochter Marie habe ihm am Donnerstagmorgen gesagt: "Du musst nicht traurig sein, Papa, jetzt hast Du doch mehr Zeit mit uns. Das ist doch besser als mit dem Mann mit den Haaren im Gesicht."

Die SPD hatte diese Woche ihre Koalitionsverhandlungen mit der Union abgeschlossen. Am Mittwoch wurden die Ergebnisse vorgestellt, die nun noch insbesondere von den Mitgliedern der SPD abgesegnet werden müssen. SPD-Chef Martin Schulz kündigte an, dass er den Parteivorsitz nach dem SPD-Mitgliedervotum an Fraktionschefin Andrea Nahles übergeben und das Amt des Außenministers übernehmen wolle.