Sie gab ihren Job auf, um ein Geschäft mit kugelsicheren Westen zu starten

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Madina Katter arbeitete vor der Gründung von Bulletproof Ukraine als Venture Builder in Berlin.
Madina Katter arbeitete vor der Gründung von Bulletproof Ukraine als Venture Builder in Berlin.

Täglich werden neue Bilder vom Krieg in der Ukraine veröffentlicht. Sie zeigen zerbombte Häuser, verwüstete Städte und viele Leichen. „Ich konnte mir das nicht länger anschauen. Und ich wollte nicht mehr meiner täglichen Arbeit nachgehen, als wäre nichts passiert“, erzählt Madina Katter im Gespräch mit Gründerszene. Mitte März, also rund drei Wochen nach Kriegsbeginn, kündigte die gebürtige Kasachin deshalb ihren Job als Venture Builder bei Founders Lane, einem Berliner Company Builder mit Fokus in den Bereichen Klima und Gesundheit. Aus Berlin heraus gründete sie ein Startup, das kugelsichere Westen baut. Damit will sie die Ukrainer im Krieg unterstützen. Der Name ihres Startups: Bulletproof Ukraine.

Die 26-Jährige gründete die Firma mit einem Bekannten, den sie von ihren vielen Reisen in die Ukraine kannte und der gerade dort lebt. Sein Name: Valentsionok Rostyslav. Vor dem Krieg leitete er in Kiew eine Bar. „Einer der beliebtesten Bars der Stadt“, fügt Katter hinzu. Jetzt produziert der 23-Jährige Schutzwesten für den Krieg. Und zwar in Tscherkassy, einer Stadt im Zentrum der Ukraine und rund drei Autostunden von Kiew entfernt.

Häufig fragen Privatpersonen nach Schutzwesten

In Tscherkassy arbeite das junge Startup mit einer Metallfirma zusammen, die für die Produktion der Schutzwesten ihre Räumlichkeiten und Maschinen zur Verfügung stelle, so die Berlinerin. Rostyslav überwache dort die Fertigung und organisiere ebenso den Transport von Materialbestellungen, die sie über die Grenze geliefert bekämen. Obendrein verkaufe er die Westen an seine Landsleute. „Häufig holen sich die Leute die kugelsicheren Westen vor Ort ab. So können wir sichergehen, dass die Westen auch schnell beim Kunden ankommen“, erklärt Katter.

Die Nachfrage sei enorm: „Wir bearbeiten gerade Bestellanfragen für über 1.000 Westen“, so die 26-Jährige Gründerin. Die meisten Anfragen erhalten sie von Verteidigungseinheiten, bestehend aus leicht bewaffneten Soldaten. „Aber wir erhalten aber viele Anfragen von Privatpersonen“, erzählt Katter. Darum plane sie nun die Produktion hochzufahren. 150 Schutzwesten habe Bulletproof Ukraine bereits produziert. Bis Anfang Mai sollen es weitere 250 Schutzwesten werden. Katter finanziert die Firma zum einen durch Spenden. Über 9.000 Euro habe sie seit der Gründung Mitte März über die Homepage des Startups eingesammelt. Künftig solle sich ihr Geschäft aber von den Verkaufserlösen tragen. Und irgendwann will sie für das Geschäft auch Investoren ins Boot holen.

Die Startup-Weste soll auch vor Kalaschnikow-Schüssen schützen

Das Bulletproof Ukraine-Gründeruo plant, bis zu 300 Euro pro Schutzweste zu verlangen. Diese soll sehr harte Geschosse abwehren können – und beispielsweise vor Langwaffen wie Kalaschnikows schützen. Die Weste bestehe aus mehreren Schichten besonders reißfester Stoffe sowie aus Stahlplatten, die darin verbaut sind. Katter sei extra von Berlin nach Lissabon gereist, um die dafür notwendigen Materialien zu organisieren. Auch aus Polen und Moldawien beziehe das Startup Soffe. Die Stahlplatten bekämen die Gründer direkt aus der Ukraine.

Das Startup habe die ersten 150 schusssicheren Westen verschenkt, diese habe Bulletproof Ukraine zwischen März und April produziert. Noch einmal könnte sich das Duo eine solche Aktion finanziell aber nicht leisten, so Katter. „Wir wissen nicht, wie lange der Krieg dauern wird. Und wir sollten nicht zu hoffnungsvoll sein.“

Sie machte sich gegen den Rat der Eltern selbständig

Das beunruhige auch Katters Eltern. „Sie finden es nicht gut, dass ich meinen Job aufgegeben habe und nun kugelsichere Westen baue.“ Ihre Eltern würden auch der Propaganda folgen, die Russland verbreite. „Sie glauben, dass die Ukraine von Nazis besiedelt sei.“

Die 26-jährige Gründerin wuchs in Kasachstan auf. Studierte dort und später in Österreich Jura. Sie absolvierte Praktika, unter anderem beim Wirtschaftsprüfer Ernst & Young und arbeitete dann als Venture Builder in Berlin. Nun lebe sie von Ersparnissen.

Ob Katter auch nach dem Kriegsende eine Firma leiten wolle, die kugelsichere Westen produziert? „Ja“, sagt sie. „Ich wollte schon immer etwas eigenes gründen." Auch und besonders nach dem Krieg werde die Ukraine ein politisches Interesse daran haben, Firmen zu fördern, die Produkte für die Sicherheit des Landes herstellen, ist sie sich sicher. Außerdem könne sich die 26-Jährige dann auch vorstellen, von Berlin in die Ukraine zu ziehen.

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