G7-Botschafter "tief besorgt" wegen ukrainischem Regisseur in russischer Haft

Der in Russland inhaftierte ukrainische Filmemacher Oleg Senzow befindet sich seit hundert Tagen im Hungerstreik. Bemühungen um eine Freilassung des 42-Jährigen blieben bis Dienstag vergeblich

Die Botschafter der G7-Staaten in der Ukraine haben sich "tief besorgt" über das Schicksal des in Russland inhaftierten ukrainischen Filmemachers Oleg Senzow geäußert. Die Freilassung Senzows und anderer ukrainischer Inhaftierter "als Teil eines breiter angelegten bilateralen Gefangenen-Austauschs" wäre "ein wichtiger humanitärer Schritt vorwärts", erklärten die Botschafter der sieben Staaten am Donnerstag gemeinsam über den Kurzbotschaftendienst Twitter mit.

Senzow verbüßt eine Haftstrafe von 20 Jahren in einem russischen Gefängnis, verurteilt wurde er wegen Terrorvorwürfen. Seit Mitte Mai befindet er sich im Hungerstreik. Er will erst aufhören, wenn Russland alle ukrainischen Gefangenen freilässt. Das Schicksal des Regisseurs sorgt schon länger für diplomatische Proteste.

Die US-Botschaft in der ukrainischen Hauptstadt Kiew verwies in einem eigenen Tweet auch auf die derzeit in Russland laufende Fußball-Weltmeisterschaft. Vor dem Hintergrund des Turniers solle Russland ungehinderten Zugang zu Senzow und allen anderen ukrainischen Gefangenen gewähren, hieß es in der Mitteilung.

Senzow war 2014 auf der von Russland annektierten ukrainischen Halbinsel Krim festgenommen worden. Die Behörden warfen ihm vor, Brandanschläge organisiert zu haben. Der Aktivist und Dokumentarfilmer wies dies stets zurück, wurde aber verurteilt.

Die Beziehungen zwischen Russland und der Ukraine sind seit mehreren Jahren extrem gespannt. Zum einen besetzte Russland die Krim, zum anderen kämpfen im Osten der Ukraine regierungstreue ukrainische Truppen und prorussische Rebellen gegeneinander. In dem Konflikt wurden bereits mehr als 10.000 Menschen getötet.

Der Konflikt stürzte auch die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen in eine tiefe Krise. Die G7 sind ein Zusammenschluss der sieben führenden Industriestaaten USA, Deutschland, Japan, Kanada, Frankreich, Großbritannien und Italien. Russland war früher ebenfalls Mitglied der Gruppe, die sich G8 nannte. Es wurde wegen seines Vorgehens in der Ukraine ausgeschlossen.