G20/Reizthema Außenhandel: Zentrale Begriffe zur Handelspolitik der G20

dpa-AFX

BERLIN/HAMBURG (dpa-AFX) - Wer handelt mit wem wie viel - und zu welchen Kosten und Bedingungen? Die Handelspolitik gilt seit jeher als ein besonders schwieriges Terrain in den internationalen Beziehungen. Wichtige Begriffe:

ÜBERSCHUSS/DEFIZIT und AUSSENBEITRAG: Die Wirtschaftskraft eines Landes setzt sich zusammen aus Konsum, Investitionen und staatlichen Ausgaben im Inland sowie den sogenannten Nettoexporten. Letztere - auch Außenbeitrag genannt - drücken die Stärke der Exporte gegenüber den Importen aus. Ist dieser Wert positiv, führt ein Land mehr Waren und Dienstleistungen aus, als es einführt (Handelsüberschuss). Ein negativer Außenbeitrag zeigt dagegen ein Defizit im Handel mit der übrigen Welt an, die Importe übersteigen die Exporte.

LEISTUNGSBILANZ: Ungleichgewichte im Außenhandel finden hier ihren unmittelbaren Niederschlag. Als Teil der Gesamt-Zahlungsbilanz eines Landes enthält die Leistungsbilanz unter anderem das "Konto" für den Handel mit anderen Staaten. Sie umfasst außerdem die Bilanzen für Dienstleistungen, Erwerbs- und Vermögenseinkommen sowie laufende Übertragungen wie Transfers von Ausländern oder Entwicklungshilfe.

VERSCHULDUNG und IMPORTABHÄNGIGKEIT: Die Außenhandelsbilanz steht auch wegen der finanziellen Folgen für die Handelspartner politisch im Fokus. Denn bei einem Überhang von Ex- gegenüber Importen ergeben sich mehr Zahlungen aus dem Ausland ans Inland als umgekehrt. Auf Dauer kann so die Verschuldung ausländischer Handelspartner wachsen. Dies ist ein Hauptkritikpunkt an der Exportstärke Deutschlands.

KAPITALVERKEHRSBILANZ: Sie ist ebenfalls Teil der Zahlungsbilanz. Erfasst werden alle Forderungen (z.B. Kredite) und Verbindlichkeiten (z.B. Schulden) gegenüber dem Ausland, aber auch Direktinvestitionen in Firmen oder Finanzanlagen. Weil der Teil der Ersparnisse einer Volkswirtschaft, der nicht in eigene Investitionen fließt, extern verliehen wird, zeigt sich ein Überschuss hier in Form von Forderungen gegenüber dem Ausland.

WECHSELKURSE: Sie hängen eng mit dem Handel zusammen, weil Importeure und Exporteure Waren in den jeweiligen Landeswährungen bezahlen müssen. Kritik gibt es an den Euro-Ländern wegen des zuletzt schwachen Euro-Kurses - denn je billiger er im Verhältnis zu ausländischen Währungen ist, desto günstiger und absatzstärker sind Europas Produkte. Manche Staaten können versuchen, sich durch gezielte Abwertung ihres Wechselkurses Vorteile zu verschaffen, was in eine gefährliche Abwärtsspirale führen kann.

ZÖLLE und NICHTTARIFÄRE HANDELSHEMMNISSE: Wenn ein Land den eigenen Markt vor günstigen Importen schützen will, kann es Zölle erlassen. Diese wirken wie eine Steuer auf die Einfuhr fremder Güter. Der internationale Handel kann außerdem durch sogenannte nichttarifäre Hemmnisse wie unterschiedliche technische Standards, Regularien oder Mengenbeschränkungen (Quoten) gebremst werden.

WELTHANDELSORGANISATION (WTO): Sie wurde 1995 als Nachfolgerin des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT) gegründet mit dem Ziel, Zölle und nichttarifäre Handelshemmnisse weltweit möglichst umfassend zu verringern und schrittweise ganz abzubauen. Bis heute ist das nicht wirklich gelungen - trotz vieler Verhandlungen und eines Verfahrens zur Streitschlichtung. Viele Mitgliedstaaten fordern Ausnahmen für bestimmte Wirtschaftszweige, Trump drohte bereits mit einem Austritt der USA aus der Organisation.

GLOBALISIERUNG: Seit Jahrzehnten ist weltweit eine zunehmende Verflechtung festzustellen. Am internationalen Handel sieht man das besonders deutlich, sein Volumen nahm im Vergleich zur Produktion der Volkswirtschaften überproportional zu. Verfechter der Globalisierung betonen, dass Handel Spezialisierung und damit Kostenvorteile erlaubt und so die Wohlfahrt erhöhen kann. Kritiker sehen vor allem Risiken für Umwelt und Sozialsysteme - und die Tatsache, dass das Wachstum sehr ungleich verteilt ist.