Welt-Gesundheitsgipfel vereinbart engere Kooperation im Kampf gegen Pandemien

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Italiens Regierungschef Draghi und EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen

Im Kampf gegen die Pandemie und ihre Folgen will die internationale Gemeinschaft enger zusammenarbeiten und dabei auch ärmere Länder mit ins Boot holen. Zum Abschluss des Welt-Gesundheitsgipfels in Rom einigten sich die G20-Staaten am Freitag auf eine stärkere Kooperation in allen Bereichen der Gesundheitsversorgung, um gegen globale Krisen künftig besser gewappnet zu sein. Einkommensschwache Staaten sollen besseren Zugang zu Impfstoffen erhalten.

Die Pharmakonzerne Pfizer, Moderna und Johnson & Johnson versprachen bei dem von Italien und der EU ausgerichteten Gipfel, bis 2022 rund 3,5 Milliarden Corona-Impfstoffdosen für ärmere Länder zur Verfügung stellen. Der Impfstoff soll den einkommensschwachen Ländern demnach zum Selbstkostenpreis beziehungsweise zu einem Sonderpreis zur Verfügung gestellt werden.

Die EU versprach, bis Ende 2021 mindestens hundert Millionen Impfdosen an Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen zu spenden. Jeweils 30 Millionen Dosen davon wollen allein Frankreich und Deutschland zur Verfügung stellen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kündigte zugleich an, dass Deutschland seine finanzielle Unterstützung für die Covax-Initiative um weitere 100 Millionen Euro aufstocken werde, die sich für die Versorgung ärmerer Länder mit Corona-Impfstoff einsetzt. Damit lägen Deutschlands Beiträge für Covax nun bei mehr als einer Milliarde Euro. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte zudem Investitionen in Impfstoff-Produktionszentren in Afrika an, um die Abhängigkeit des Kontinents von Importen zu verringern.

"Während wir uns schon auf die nächste Pandemie vorbereiten, muss es unsere Priorität sein, sicherzustellen, dass wir alle gemeinsam die aktuelle Pandemie überwinden", sagte Italiens Ministerpräsident Mario Draghi, dessen Land derzeit den Vorsitz der G20-Staaten innehat. "Wir müssen die Welt impfen - und zwar schnell."

In diese Richtung geht auch eine Initiative des Internationalen Weltwährungsfonds (IWF): Dessen Chefin Kristalina Georgieva präsentierte auf dem Gipfel einen Plan mit einem Finanzvolumen von 50 Milliarden Dollar (41 Milliarden Euro) - mit dem Ziel, bis zum Ende des Jahres mindestens 40 Prozent der Weltbevölkerung und bis Ende 2022 mindestens 60 Prozent der Weltbevölkerung gegen das Coronavirus zu impfen.

Der IWF dringt unter anderem ebenfalls auf zusätzliche Mittel für die Covax-Impfinitiative. Er betont, ohne ein Ende der weltweiten Gesundheitskrise sei auch kein Ende der Wirtschaftskrise in Sicht.

China versprach drei Milliarden Dollar an internationaler Hilfe in den nächsten drei Jahren, um den Kampf gegen Covid-19 sowie die wirtschaftliche Erholung zu unterstützen. US-Vizepräsidentin Kamala Harris verkündete, ihr Land werde "weiterhin überschüssige Vorräte" spenden.

Ein wichtiges Thema des Gipfels war neben dem Zugang zu Impfstoffen auch die Frage, welche Lehren sich aus der weltweiten Corona-Krise ziehen lassen, um künftige Pandemien zu vermeiden. In ihrer Abschlusserklärung einigten sich die Staats- und Regierungschefs darauf, weltweit in bessere Gesundheitssysteme und medizinisches Personal zu investieren, untereinander mehr Daten auszutauschen, gemeinsame Frühwarnsysteme weiterzuentwickeln, die Erforschung und Überwachung von Krankheiten bei Mensch und Tier zu verbessern sowie Krisenmaßnahmen und Reaktionen besser zu koordinieren.

Auch das heftig umstrittene Thema von Patenten und Lizenzen auf Impfstoffe wurde bei dem Gipfel angesprochen. Dem Vorschlag einer vorübergehenden globalen Aufhebung des Patentschutzes für Corona-Vakzine stimmten die Teilnehmer allerdings nicht zu. Stattdessen setzten sie in ihrer Abschlusserklärung auf "freiwillige Lizenzabkommen für geistiges Eigentum, den freiwilligen Technologie- und Wissenstransfer sowie die Bündelung von Patenten auf der Grundlage einvernehmlich festgelegter Bedingungen".

Durch die Corona-Pandemie sind offiziellen Behördenangaben zufolge bisher über 3,4 Millionen Menschen weltweit gestorben. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist die Zahl der Todesfälle in Wirklichkeit noch deutlich höher: Die Pandemie habe "schätzungsweise sechs bis acht Millionen" direkte und indirekte Todesfälle verursacht, sagte WHO-Vertreterin Samira Asma anlässlich der Vorstellung des Jahresberichtes 2020. Die Zahl der offiziell registrierten Corona-Toten wird von Experten seit Langem angezweifelt.

ans/ut

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