G20: Erster Handshake von Trump und Putin - doch was folgt dann?

dpa-AFX

HAMBURG (dpa-AFX) - Es wird der Gipfel auf dem Gipfel: Donald Trump und Wladimir Putin treffen sich bei der G20 in Hamburg. Dabei zeigen der US-Präsident und der russische Staatschef gleich schon mal, dass sie das Zwanzigertreffen mit Gastgeberin Angela Merkel nicht so wichtig nehmen. Für ihre Begegnung setzen sich die mächtigen Männer schnell von der Arbeitssitzung zu Klimaschutz und Entwicklung ab. Zwar hält Putin am Pariser Klimaschutzabkommen fest. Aber Trump könnte die Abwesenheit Diskussionen über seinen angekündigten Ausstieg ersparen.

ERSTER HANDSHAKE: Das lang erwartete erste Händeschütteln dürfte es schon beim Aufstellen zum Gruppenfoto aller Gipfelteilnehmer in der Hamburger Messe geben. Später sitzen sich Putin und Trump mit Delegationen offiziell gegenüber. Nach langem Versteckspiel von Kreml und Weißem Haus hat man sich auf eine echte Beratung geeinigt, nicht nur auf ein kurzes Gespräch zwischen Tür und Angel.

Aber wie werden der unberechenbare Milliardär und der taktisch geschulte Geheimagent miteinander auskommen? Zu besprechen haben die wohl mächtigsten Männer der Welt genug - das bilaterale Verhältnis gilt als so schlecht wie seit Jahrzehnten nicht. Syrien, Ukraine, russische Wahleinmischung, Russlands Haltung zu nuklearen Mittelstreckenwaffen: US-Außenminister Rex Tillerson hatte schon vor Wochen von einem Tiefpunkt in den Beziehungen gesprochen. Seitdem wurde es nicht besser.

Die Signale der Amerikaner vor dem Gipfel waren widersprüchlich. Zu Besuch beim östlichen Nato-Partner Polen wetterte Trump, Russland destabilisiere in Osteuropa und anderswo. Postwendende Reaktion aus Moskau: "Mit dieser Sichtweise sind wir nicht einverstanden", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Donnerstag in Moskau.

SYRIEN-KONFLIKT: Dem Kreml hat auch nicht gefallen, dass Trump im April Marschflugkörper auf eine syrische Luftwaffen-Basis abfeuerte. Jüngst schoss ein US-Jet obendrein ein syrisches Kampfflugzeug ab. Das Ergebnis: Die gegenseitigen Absprachen zur Vermeidung von Flugunfällen wurden abgebrochen; Washington dreht weiterhin an der Sanktionsschraube gegen die Russen. Wohl auch aus wirtschaftlichen Interessen.

Vor dem Gipfel deutete Tillerson aber an, dass Washington und Moskau zu Syrien ins Geschäft kommen könnten. Russland könnte dort eine führende Rolle spielen - wenn unter anderem klar sei, dass sein Schützling Baschar Al-Assad keine Giftwaffen mehr einsetzt.

AUF AUGENHÖHE: Für Putin ist das Wichtigste, dass Trump Russland auf Augenhöhe behandelt. Sein Problem ist, dass er mit der mutmaßlichen russischen Einmischung in die US-Wahl mehr Aufmerksamkeit bekommen hat, als er wollte. Trump, der im Wahlkampf immer für ein besseres Verhältnis zu Russland geworben hat, ist zwar Präsident. Aber die erhoffte Verbesserung lässt auf sich warten, weil immer mehr Details zu mutmaßlichen russischen Hacker-Angriffen und zu dubiosen Kontakten von Trumps Team nach Moskau bekannt werden.

So sind Putins Wunschpartner Trump die Hände weitgehend gebunden. Jede positive Hinwendung in Richtung Moskau wird in Trumps eigener republikanischer Partei mit größtem Misstrauen begleitet - und vom politischen Gegner genüsslich ausgeschlachtet.

So wurde die Lage Trumps auch in den offiziellen Informationen geschildert, die mitreisende russische Journalisten vom Kreml bekamen: Ein belagerter Präsident, der gerne mit Russland befreundet wäre, den aber der US-Senat und das ganze politische Establishment in Washington nicht lassen.