G20-Demo "Welcome to Hell" eskaliert - Neue Proteste am Freitag

Verletzte, brennender Unrat, zerschlagene Scheiben: «Welcome to Hell», eine große Demonstration von Linksautonomen eskaliert. Die Polizei greift hart durch. Hamburg erlebt eine unruhige Nacht – und für Freitag sind noch mehr Proteste zu erwarten.

Zwischen Demonstranten und Polizei hat es vor dem G20-Gipfel in Hamburg massive gewaltsame Auseinandersetzungen gegeben. Auf beiden Seiten gab es Verletzte. Die Polizei setzte bei der Kundgebung «Welcome to Hell» Wasserwerfer ein, gewalttätige Demonstranten zerschlugen Schaufenster und warfen Flaschen auf die Beamten. In einigen Straßen brannten Barrikaden.

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Nach Angaben der Hamburger Polizei beruhigte sich die Lage am späten Donnerstagabend. Auch Beobachter an den Brennpunkten des Abends berichten, dass die Polizei Wasserwerfer und Beamte abziehe. Für den frühen Freitagmorgen planten die Protest-Veranstalter allerdings bereits weitere Demonstrationen gegen das Treffen der großen Wirtschaftsmächte.

Die Polizei meldete bis Mitternacht insgesamt 76 verletzte Polizisten, drei von ihnen mussten demnach im Krankenhaus behandelt werden. Piloten eines Polizeihubschraubers erlitten nach Angaben der Polizei Augenverletzungen durch Laserpointer. Auch zahlreiche Demonstranten wurden den Veranstaltern zufolge verletzt – einige ernsthaft.

Mit Wasserwerfern ging die Polizei am Donnerstag gegen Demonstranten vor. (Bild: Reuters)

«Es hätte schlimmer kommen können.» Dieses Fazit zog am frühen Freitagmorgen gegen 1.30 Uhr ein Sprecher der Hamburger Feuerwehr. Bis kurz nach Mitternacht sei die Feuerwehr knapp 60 Mal zu Rettungseinsätzen gerufen worden. Eine genaue Zahl der Verletzten konnte der Sprecher nicht geben. Es habe jedenfalls bis zu diesem Zeitpunkt keine sehr schweren oder gar lebensbedrohlichen Verletzungen gegeben.

Polizei agiert mit niedriger Toleranzschwelle

Andreas Blechschmidt von den Anmeldern von «Welcome to Hell» sagte unter Berufung auf Aussagen von Anwälten der Demonstranten, es habe bis späten Donnerstagabend zwischen 10 und 20 Festnahmen gegeben. Bei der Kundgebung setzte die rigoros vorgehende Polizei Wasserwerfer und Pfefferspray ein und trieb die rund großteils friedlichen Teilnehmer der Demonstration auseinander. Laut Blechschmidt waren mehr als 10 000 Teilnehmer bei der Demonstration. Die Polizei hatte von 12 000 Teilnehmern gesprochen.

Die Polizei blockierte die Demonstration “Welcome to hell” nach wenigen Metern, weil sich Vermumte in den Zug gemischt hatten. (Bild: Reuters)

Nach Polizeiangaben hatten sich etwa 1000 Vermummte unter die Demonstranten gemischt – was die Beamten aber nicht duldeten. Sie waren ursprünglich sogar von bis zu 8000 gewaltbereiten Autonomen ausgegangen. Der Veranstalter erklärte den Demonstrationszug nach gut einer Stunde für beendet. Dieser war nur wenige Meter weit gekommen.

Vorwürfe an die Polizei

Das globalisierungskritische Netzwerk Attac verurteilte die Strategie der Polizei. «Die Auseinandersetzungen bei der Demonstration “Welcome to Hell” waren eine Eskalation mit Ansage: Es ist offenkundig, dass diese Demonstration nach dem Willen von Polizei und Senat nie laufen sollte», sagte Roland Süß vom bundesweiten Attac-Koordinierungskreis.

Mitglieder des schwarzen Blocks flüchteten aus dem Demonstrationszug. (Bild: Reuters)

Auch die Veranstalter von «Welcome to Hell» («Willkommen in der Hölle») warfen der Polizei ein unverhältnismäßiges Vorgehen vor. Noch während man Demonstranten aufgefordert habe, ihre Vermummung abzulegen, sei die Polizei bereits massiv gegen Protestierende vorgegangen.

Ein Polizeisprecher betonte: «Eine Vermummung in einem Aufzug ist ein Verstoß gegen das Versammlungsgesetz und wird von uns nicht geduldet.» Man habe versucht, den «Schwarzen Block» der Linksautonomen von den friedlichen Demonstranten zu trennen – dann hätte die Kundgebung fortgesetzt werden können. Dies sei aber nicht gelungen.

Aus der Menschenmenge lösten sich anschließend immer wieder einzelne Gruppen, die in Nebenstraßen verschwanden. Gewalttäter rüsteten sich laut Polizei mit Gerüstteilen und Steinen aus, errichteten Hindernisse auf Straßen und zündeten diese zum Teil an. An einem Kaufhaus im Stadtteil Altona, an Banken und am Amtsgericht gingen Scheiben zu Bruch.

Die Polizei griff massiv mit Wasserwerfern ein. (Bild: Reuters)

Ein Feuer vor dem linksautonomen Kulturzentrum «Rote Flora» wurde nach Angaben der Polizei gelöscht. Demonstranten hätten Fahrräder und andere Gegenstände angezündet. Teilweise seien die Flammen drei Meter hoch geschlagen, twitterte die Polizei.

Polizei meldet erhebliche Sachbeschädigungen

Polizeipräsident Ralf Martin Meyer sagte am späten Abend, es gebe mittlerweile viele Kleingruppen, die durch die Stadt zögen. Diese errichteten Barrikaden, Beamte würden angegriffen. Nachdem Polizei und Aktivisten miteinander Gespräche geführt hatten, formierten sich neue Demonstrationszüge im Bereich St. Pauli und Reeperbahn. Bereits nach kurzer Zeit wurden wieder Wasserwerfer eingesetzt, der Polizei zufolge gab es erhebliche Sachbeschädigungen. Insgesamt seien gegen Mitternacht noch etwa 6000 Demonstranten auf Hamburgs Straßen unterwegs gewesen, erklärte die Polizei.

Begonnen hatte die Aktion gegen den G20-Gipfel friedlich am Hamburger Fischmarkt, wo Musik gespielt und Reden gehalten wurden. Die Demonstration sollte von dort aus über die Reeperbahn bis etwa 300 Meter an die Messehallen heran gehen. Keine andere Demonstration darf dem G20-Tagungsort in den Messehallen näher kommen.

Anders als für andere Veranstaltungen hatte die Polizei für «Welcome to Hell» keine Auflagen erlassen. Anmelder Blechschmidt vom Kulturzentrum «Rote Flora» warf Innenbehörde und Verfassungsschutz dennoch vor, «eine massive Kampagne» gegen Demonstranten zu führen.

Unterdessen wies das Hamburgische Oberverwaltungsgericht mehrere Beschwerden der globalisierungskritischen Organisation Attac zurück. Deren geplante Demonstrationen in der Hamburger Innenstadt am Freitag, dem ersten G20-Gipfeltag, bleiben damit vorerst verboten. Die Antragsteller können aber noch Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht einreichen.

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