Güterbahnhof Ehrenfeld: Kreative blasen zum Kampf

Jack in the Box erfährt breite Unterstützung für die Rückkehr nach Ehrenfeld

Ehrenfeld. Als der "Kölner Stadt-Anzeiger" am vergangenen Wochenende die Nachricht verbreitete, dass es im geplanten Wohnviertel auf dem ehemaligen Güterbahnhof Ehrenfeld womöglich deutlich weniger kulturelle Einrichtungen gibt, als bis dahin in Absichterklärungen versprochen wurde, schlug das hohe Wellen. "Wir haben unheimlich viel Zuspruch erhalten", berichtet Martin Schmittseifer, Vorsitzender der Initiative "Jack in the Box". Jetzt rief der Verein zum "Kampf für Kultur" auf.

Es gehe darum, Ehrenfeld zu retten." Weniger um den eigenen Standort zu sichern, sondern vielmehr "um das Geschehen im Allgemeinen und wie Politik, Lobbyismus und Großkapital die Bedürfnisse der Bürger mit Füßen treten und auch die letzten kulturellen und sozialen Begegnungsstätten für die maximale Rendite zerstören", sagt Amon Nanz, der als Marketingmanager Jack in the Box seit langem unterstützt. Das könne so nicht weiter gehen, sagt Nanz weiter und ist sicher: "Wir werden viele sein und lauter werden."

Die Einrichtung hatte viele Jahre auf dem Güterbahnhof in einem ehemaligen Kartoffellager eine Bleibe. Ob mit der Vielzahl eigener Projekte und Veranstaltungen oder als Gastgeber für kreative Märkte oder Ausstellungen - Jack in the Box wurde zu einem wichtigen kulturellen Mitspieler im Stadtteilgeschehen.

"Jack in the Box" zog Ende 2016 weg aus Ehrenfeld nach Bayenthal. Das sollte vorübergehend sein, denn eine Rückkehr nach Ehrenfeld war stets im Gespräch. Davon ist seit wenigen Tagen aber nun keine Rede mehr. Die Gesellschaft Aurelis, der das gesamte Areal des früheren Güterbahnhofs an der Vogelsanger Straße gehört, lehnte das Konzept von "Jack in the Box" für einen Neuanfang in Ehrenfeld ab. Es stehe nicht im Einklang mit dem Bebauungsplan. Der wurde vom Rat am 11. Juli beschlossen. Stadtentwicklungsausschuss und Bezirksvertretung Ehrenfeld stimmten zuvor ebenfalls mit Ja. Unter anderem hieß es in ihrem Beschlusstext: "Es wird bekräftigt, dass im Bereich der Ostspitze des Güterbahnhofgeländes im Rahmen der Umsetzung kulturwirtschaftliche und sozio-kulturelle Nutzungen zu berücksichtigen sind." Weder von zwingender kultureller Nutzung, noch dass konkret "Jack in the Box" ein Konzept umsetzen könne, ist in dem Beschluss die Rede. Aurelis sah sich daher an vorher geführte Gespräche nicht mehr gebunden.

"Das ist Vorsatz und das ist Taktik, die wir so nicht hinnehmen werden", wetterte Martin Schmittseifer vor wenigen Tagen im sozialen Netzwerk Facebook. Mehr als 130 000 Mal wurde das Statement binnen 24 Stunden aufgerufen. Schmittseifer weiter: "Wenn nur das Investoreninteresse - also Rendite - zählt, ist der point of no return im Gentrifizierungsprozess schnell erreicht und Ehrenfeld stirbt als Kulturstandort." Das seit 2014 mit Fachleuten entwickelte Konzept der Jack in the Box-Initiative für die Ostspitze hatte die dortige ehemalige Güterhalle als Kern für Veranstaltungen und als Begegnungsstätte, Treffpunkt und Aktionsfläche. Darum sollte es weitere Gebäude geben für Proberäume, Ateliers und Werkstätten.

Nachdem sich der stellvertretende Bezirksbürgermeister Ralf Klemm (Bündnis 90/Grüne) sich bereits schockiert geäußert hatte und die Beschlüsse der Politik ignoriert sieht, meldete sich jetzt CDU-Fraktionsgeschäftsführer Niklas Kienitz zu Wort. Er ist Vorsitzender des Stadtentwicklungsausschusses. "Ich habe mit großer Verwunderung zur Kenntnis genommen, dass das Ostspitzenkonzept von Jack in the Box keine Rolle mehr spielen soll", sagte Kienitz. "Der Verein gehört unbedingt auf das Gelände. Wenn der Vorsitzende Martin Schmittseifer von einer erhaltenswerten Ehrenfelder Mischung spricht, kann ich ihm nur zustimmen. Jack in the Box muss Bestandteil dieser Mischung bleiben", so Kienitz weiter.

Daher möchte Niklas Kienitz alle Akteure an einen Tisch holen. "Ich möchte mit dem Verein, dem Investor und den Kollegen aus der Politik das Gespräch suchen. Gemeinsam sollten wir an einer für alle Seiten akzeptablen Lösung arbeiten", sagt Kienitz.

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