Günther: Vettels Erbe startet durch

Andreas Reiners

Maximilian Günther ist bereits nah dran. Im Grunde ist er fast schon mittendrin. Hat das große Ziel vor Augen, immer im Blick. Und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Denn als Formel-2-Pilot fährt der 20-Jährige im Rahmenprogramm der Formel 1. Königsklasse. Der ganz große Zirkus. Und das gleich nebenan. Die extra Portion Motivation für ein Nachwuchstalent. "Das Formel-1-Flair bekommt man mit, das ist das höchste der Gefühle", schwärmt er im Gespräch mit SPORT1.

Um dieses Gefühl muss Günther trotz seines Talents hart kämpfen. Denn eine gewisse Befähigung alleine reicht heutzutage schon lange nicht mehr für den garantierten Aufstieg. Die größte Herausforderung für Normalsterbliche ist das liebe Geld. (SERVICE: Alle Infos zum Motorsport)

Überlebenskampf härtet ab

Ohne Sponsoren läuft schon lange nichts mehr, wenn man nicht gerade Lance Stroll heißt und einen Milliardär zum Vater hat. Doch die alljährliche Akquise härtet auch ab, klärt und schärft den Blick. Bodenständig. Fokussiert. Realistisch. Alles Eigenschaften, die Günther ohne Frage geholfen haben auf dem Weg nach oben, der steinig ist.

Immer wieder die Suche nach Sponsoren, nach genug Geld, um die Karriere zu sichern. Überlebenskampf, nicht nur auf der Strecke, sondern vor allem abseits. Als Rückendeckung immer an seiner Seite: die Familie. Ebenfalls ein ständiger Begleiter: Die Sorge, dass es eines Tages vielleicht nicht weitergehen könnte. Und das, obwohl man erfolgreich ist. 2006 fing Günther klassisch mit dem Kartsport an, 2013 und 2014 fuhr er im ADAC Formel Masters auf den zweiten Gesamtplatz, ehe er den Aufstieg in die Formel 3 schaffte.


Auf die eigene Leistung konzentrieren

"Durch Erfolge kannst du manche Türen öffnen", sagt Günther, sieht die Kehrseite des Sports aber auch sehr nüchtern: Viele Talente stranden irgendwann einfach. Schließlich bewegt man sich bereits in der Formel 3 beim Budget auf die Millionen-Grenze zu.

"Es ist brutal schwer, das Ganze zu finanzieren. Du kannst so schnell sein wie du willst. Am Ende brauchst du das Budget", sagt er. Stellt aber auch fest: "Das Finanzielle ist eben ein Teil, das muss man akzeptieren. Wenn es nicht weitergeht, dann ist es eben so." Er hat sich auf das konzentriert, was er beeinflussen kann: seine eigene Leistung. Hört sich einfach an, ist es aber nicht.

Denn natürlich bekommt man mit, wenn um einen herum die ganz großen Träume platzen. Er träumt seinen Traum weiter, auch weil er mit BWT einen Förderer gefunden hat. Im Winter war nach drei Jahren in der Formel 3 klar: Der nächste Schritt muss her, er stand am Scheideweg. Wo geht es hin? Was ist der beste Schritt? Gemeinsam mit seinem Vater Andreas, zugleich sein Manager, und seinem Sponsor zog er zahlreiche Optionen an Land: Super Formula in Japan, Formel E, dazu die Formel 2. In jeder Serie absolvierte er Testfahrten.

Pretty als Pink Panther

Er überzeugte, stieg in der Formel 2 bei Arden ein. Parallel ist er auch Ersatzfahrer bei Dragon in der Formel E. Nach seinem starken Debüt in Bahrain inklusive Podestplatz gab es zuletzt in Baku einen sportlichen Rückschlag. Die sind als Rookie aber ebenso normal wie eingeplant. An diesem Wochenende kann er in Barcelona wieder für Aufsehen sorgen.

Wobei: Zu übersehen ist Günther sowieso nicht, dank seines Sponsors ist er im inzwischen fast schon kultigen Pink unterwegs. Das kennt man von Force India aus der Formel 1.

Wie gesagt: Günther hat das große Ziel immer im Blick.