Wer fährt nach Russland? Jogi Löws vorläufiger WM-Kader steht

Der Trainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft Jogi Löw hat den vorläufigen WM-Kader bekanntgegeben. Mit dabei sind:

Torjäger Sandro Wagner ist von Fußball-Bundestrainer Joachim Löw nicht in das vorläufige WM-Aufgebot berufen worden. Statt des Stürmers vom FC Bayern München nominierte Löw am Dienstag überraschend den Freiburger Angreifer Nils Petersen. Auch Rio-Siegtorschütze Mario Götze ist nicht dabei.

Löw zu Götze: "Es war nicht seine Saison." Aber: "Er hat eine wahnsinnige Qualität und unglaublich viel Qualität." "Das gleiche gilt für Sandro Wagner (...) Es tut mir für ihn leid, weil ich weiß, was er geleistet hat." Im Gegensatz zu Götze steht dessen BVB-Kollege Marco Reus wieder im DFB-Team.

Zudem benannte Löw am Dienstag im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund auch den lange verletzten Kapitän Manuel Neuer als einen von vorerst vier Torhütern.

Löw muss bis zum 4. Juni den Kader noch auf die Turniergröße von 23 Profis reduzieren und dann auch einen Torwart streichen.

Ungeachtet der Debatte um die Fotos mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan gehören Mesut Özil und Ilkay Gündogan wie erwartet zum DFB-Team. "Wir haben den Spielern zu verstehen gegeben, dass das keine glückliche Aktion war", sagte Löw.

(dpa)

Was vor der Bekanntgabe geschah...

Die Fotos sorgten für große Aufregung. Nach dem umstrittenen Treffen der beiden deutschen Fußball-Nationalspieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan hagelt es harsche Kritik.

Gündogan erklärt. Ein Besuch aus "Höflichkeit"?

Gündogan hat inzwischen Stellung genommen: Mit dem Treffen sollte ihm zufolge keine politische Botschaft gesendet werden, geschweige denn Wahlkampf für Erdogan gemacht werden. Beide deutschen Nationalspieler mit türkischen Wurzeln würden sich zu den Werten des DFB bekennen und seien sich ihrer Verantwortung bewusst.

Man habe den Präsidenten auf einer Veranstaltung einer türkischen Stiftung getroffen."Aus Rücksicht vor den derzeit schwierigen Beziehungen unserer beiden Länder haben wir darüber nicht über unsere sozialen Kanäle gepostet. (..) Aber sollten wir uns gegenüber dem Präsidenten des Heimatlandes unserer Familien unhöflich verhalten? Bei aller berechtigten Kritik haben wir uns aus Respekt vor dem Amt des Präsidenten und unseren türkischen Wurzeln – auch als deutsche Staatsbürger - für die Geste der Höflichkeit entschieden", sagte der Spieler weiter. "Fußball ist unser Leben und nicht die Politik."

Vorwurf: Wahlwerbung

Gündogan, der in der Fußballwelt als Persönlichkeit gilt, reagiert damit auf harsche Kritik, die es nach dem Treffen in London hagelte. Özil und Gündogan, die in Deutschland aufgewachsen sind, haben damit ordentlich für Aufregung gesorgt. Sie hatten dem türkischen Staatschef Trikots ihrer Clubs FC Arsenal und Manchester City überreicht, auf dem von Gündogan stand "Mit großem Respekt für meinen Präsidenten". Die Fotos von dem Treffen landeten auf der Seite von Erdogans AKP-Partei.

Wahlwerbung sagen Kritiker. Am 24. Juni finden in der Türkei vorgezogene Präsidentschafts- und Parlamentswahlen statt. Die Opposition warnt vor einer Ein-Mann-Herrschaft Erdogans . Der umstrittene Politiker ist derzeit für einen dreitägigen zu Besuch in Großbritannien .

In Deutschland sind Wahlkampfauftritte von Politikern aus Nicht-EU-Staaten drei Monate vor Wahlen oder Abstimmungen in ihrem Land inzwischen grundsätzlich verboten .

Harte Kritik von vielen Seiten

DFB-Chef Reinhard Grindel etwa sagte, beide hätten sich für ein Wahlkampfmanöver "missbrauchen lassen". Der Fußball und der DFB stünden für Werte, die von Erdogan nicht hinreichend beachtet würden.

Lesen Sie seine Reaktion auf Twitter:

Teammanager Oliver Bierhoff wiederum meinte, die beiden seien sich der Symbolik und Bedeutung dieses Fotos nicht bewusst gewesen. Der DFB heiße die Aktion nicht gut. "Ich habe nach wie vor überhaupt keine Zweifel an Mesuts und Ilkays klarem Bekenntnis, für die deutsche Nationalmannschaft spielen zu wollen und sich mit unseren Werten zu identifizieren", so Bierhoff in einer Erklärung . Er kündigte eine Aussprache mit dem Duo an.

Auch Menschenrechtler, die Journalistenorganisation Reporter Ohne Grenzen und deutsche Politiker wie Cem Özdemir von den Grünen oder die stellvertretende Linksfraktionschefin Sevim Dagdelen kritisierten Özils und Gündogans Verhalten.

"Das, was die zwei da vorgelegt haben, spottet jeder Beschreibung, das geht gar nicht", so Özdemir. "Ich erwarte von den beiden, dass sie sich jetzt klar äußern, sich distanzieren." Sie hätten sich "hergegeben für eine billige Propagandashow für einen Despoten, für einen autoritären Herrscher".

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz , hat den Nationalspielern Ilkay Gündogan und Mesut Özil "eine schiefe Verbeugung vor Herrn Erdogan" vorgeworfen. Ihr Treffen mit dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan sei "das Gegenteil" der DFB-Kampagne "Wir sind Vielfalt", so die CDU-Politikerin zur "Passauer Neuen Presse".

Hier die Reaktionen:

Geteiltes Echo in den sozialen Medien : Während einige die Spieler verteidigten oder den DFB kritisierten, wollen andere sie aus der Nationalmannschaft werfen. Bundestrainer Joachim Löw wird heute um 12.30 Uhr das vorläufige Aufgebot für die WM in Russland bekannt geben.