Fusionen in der Sparkassenwelt?

Der neugewählte Sparkassenpräsident Helmut Schleweis tritt im Januar sein Amt an. Auf einer Mitgliederversammlung skizzierte er die Schwerpunkte seiner zukünftigen Arbeit. Er setzt auf eine persönliche Stärke.


Der neue Sparkassenpräsident versteht sich als Integrator und will vor allem durch persönliche Überzeugungskraft bei den etwa 400 Sparkassen im Land punkten. Anders als sein Vorgänger Georg Fahrenschon, der zuvor bayerischer Finanzminister war, kommt Helmut Schleweis nach einer Karriere in verschiedenen Sparkassen ins Amt. Sein großes und stabiles Netzwerk in der Sparkassen-Finanzgruppe sieht Schleweis daher als großen Vorteil für seine Zeit an der Spitze des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV). „Das ist wichtig, da der DSGV nicht institutionell durchgreifen kann und soll, sondern durch Konzepte und Argumente persönlich überzeugen muss“, sagte Schleweis am Mittwoch in Berlin.

Vor seiner heute erfolgten Wahl zum Nachfolger Fahrenschons, der wegen Steuerhinterziehungsvorwürfen von seinem Amt zurücktrat, skizzierte Schleweis künftige Schwerpunkte seiner Arbeit. Der Zusammenschluss sogenannter Verbundunternehmen – also elf öffentliche Versicherer („Provinzial“), acht Landesbausparkassen (LBS) und mehrerer Landesbanken – ist ihm dabei offensichtlich sehr wichtig. „Wir müssen hier vorankommen, das ist mir ein sehr, sehr ernsthaftes Anliegen“, so Schleweis laut Redemanuskript auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung. Auch wenn Schleweis die Verbundunternehmen nicht explizit erwähnte, ist klar, dass der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Heidelberger Sparkasse und Bundesobmann auf mögliche Fusionen abzielte.

Es ist offenkundig, dass da jemand eine Perspektive einnimmt, die bisherige DSGV-Präsidenten nicht hatten. Fahrenschon war zuvor Politiker, Fahrenschons Vorgänger Heinrich Haasis war nach einer politischen Karriere zunächst baden-württembergischer Sparkassenpräsident vor seinem Wechsel nach Berlin.

Für jeden Sparkassenpräsidenten ist das Thema Verbundunternehmen heikel, da der DSGV häufig keine Beteiligungen hält. Das verminte Gelände überwand Schleweis gekonnt. „Ich werde mich als DSGV-Präsident nicht in die Rolle der Eigentümer begeben. Sie haben die Verantwortung, das Notwendige zu tun“, so Schleweis mit Blick auf die Regionalverbände und Bundesländer. Aber er habe die Rolle, „zu motivieren, notwendige Anstöße zu geben, sowie Moderation und Koordination zu übernehmen.“ In puncto Konsolidierung gelten die Volksbanken- und Raiffeisenbanken als Vorbilder.


Schleweis ging auch erneut auf die außerordentlichen Umstände seiner Wahl ein. Einen Tag vor der geplanten Wiederwahl seines Vorgängers Fahrenschon am 8. November kam es zum Eklat. Fahrenschon hatte einen Strafbefehl der Staatsanwaltschaft wegen verspätet abgegebener Steuererklärungen in den Jahren 2012 bis 2014 verschwiegen. Der ehemalige Sparkassenpräsident räumte Fehler ein und hielt an seiner Kandidatur zunächst fest. Er war aber schließlich nicht mehr zu halten.

Für den DSGV die Lebensplanung geändert

Vor einigen Wochen hätte Schleweis es noch für einen abwegigen Gedanken gehalten, „mich wenige Tage vor Weihnachten einer Wahl zum DSGV-Präsidenten zu stellen“, räumte er ein. Er habe sich nicht um dieses Amt beworben. Doch nun sei er bereit, seine „eigenen, durchaus ausgereiften Lebenspläne kurzfristig zu ändern“, sagte der 63-Jährige. Er habe vor, seinen Lebensmittelpunkt sehr rasch nach Berlin zu verlagern und bereits frühzeitig im Januar 2018 dort die Geschäfte aufzunehmen. Er wurde für eine sechsjährige Amtszeit bestellt.


Zum jetzigen Zeitpunkt sollte die Organisation noch keine „hochfliegenden Visionen“ erwarten. Er möchte im Amt ankommen, eine nüchterne Bestandsanalyse vornehmen, um dann den weiteren Fortgang zu beraten und zu planen. Auf sein eigenes Manko ging Schleweis auch ein: „Natürlich werde ich mir vor allem auf Bundes- und Europaebene und auch international viele persönliche Verbindungen noch erschließen müssen.“

Die bisherigen DSGV-Präsidenten hatten in der Regel ein Parteibuch der Union. Schleweis ist parteilos. Er geht davon aus, dass eine einheitliche Einlagensicherung in Europa, gegen die sich die Sparkassen und Volksbanken bislang erfolgreich gewehrt haben, wieder schnell auf die Tagesordnung kommt.