Fußball-WM 2018: Warum das Bild dieser Iranerin gerade um die Welt geht

Hannah Sommer
Freie Autorin für Yahoo Style
Bei dieser Frau und ihrem Begleiter herrschte vor dem Spiel ausgelassene Stimmung. (Bild: AP Photo)

Am 20. Juni 2018 trafen bei der WM in Russland der Iran und Spanien aufeinander. Über das relativ ereignislose Spiel, das die Spanier mit 1:0 gewannen, spricht inzwischen niemand mehr. Doch das Foto eines weiblichen Fans, der im Stadion war, sorgt noch immer für Gesprächsstoff – Grund ist ein Hijab!

Das entstandene Foto zweier iranischer Fußballfans, das in den ersten Tagen nach seiner Veröffentlichung niemandem aufgefallen zu sein schien, birgt ein ganz besonderes Detail. Bei genauerem Hinsehen kann man nämlich erkennen, dass die Frau auf dem Foto ihres Fan-Passes mit einem schwarzen Hijab zu sehen ist. Im Stadion trägt sie die islamische Kopfbedeckung jedoch nicht. Mehr als 118.000 Likes und 8.500 Kommentare hat das Foto, das von reddit-User Gossipher am Wochenende gepostet wurde, in kürzester Zeit erhalten.

Der Fan-Pass zeigt die Iranerin verhüllt. (Bild: AP Photo)

Eine mögliche Erklärung: Viele Iranerinnen tragen den Hijab nicht aus religiösen Gründen, sondern weil es das Mullah-Regime den Frauen im eigenen Land vorschreibt. Was diese jedoch im Ausland tun – darüber haben die Ayatollahs keinen Einfluss. Bei Auslandsreisen nehmen viele Iranerinnen daher ihr Kopftuch ab.

Im Februar hat die iranische Regierung sogar eine Umfrage veröffentlicht, wonach rund die Hälfte aller Iraner den Kopftuchzwang ablehnen. Das Pass-Foto der Frau bei dem Fußballspiel in Russland ist deshalb vermutlich im Iran entstanden.

Höchstwahrscheinlich ist das Foto im Iran zustande gekommen, wo Frauen in der Öffentlichkeit ein Kopftuch tragen müssen. (Bild: AP Photo)

Im Iran gibt es dieser Tage eine historische Wende: Erstmals seit der islamischen Revolution im Jahr 1979 dürfen Männer und Frauen wieder gemeinsam ein Stadion betreten. Aktuell werden in Sportstadien lediglich Spiele via Public Viewing übertragen. Schon bald könnten aber ganze Familien wieder bei iranischen Live-Fußballspielen vereint sein und ihre Mannschaften anfeuern. Vielleicht ja auch bald ohne Hijab – wie die Frau in Russland.