Funkverbot und Regen: "Fragen-Bingo" bei Ekström und Audi

Mattias Ekström kam eine Runde zu früh an die Box und wählte die falschen Reifen


Als Mattias Ekström im DTM-Rennen am Samstag am Nürburgring bei seinem Boxenstopp auf Trockenreifen wechselte, obwohl der Regen in der Eifel zu diesem Zeitpunkt stärker wurde, wunderten sich Fans und Experten über die Entscheidung des Audi-Fahrers. Dass der Schwede rutschige Streckenverhältnisse liebt ist kein Geheimnis, doch die Bedingungen am Samstag waren selbst für den amtierenden Rallycross-Weltmeister zu extrem.

"In der Runde vor dem Boxenstopp habe ich meinem Team gesagt, dass es auf der Gegengerade anfängt zu tröpfeln, aber nicht viel. Bis dahin war die Strecke immer noch komplett trocken", erklärt Ekström die Situation vor und während seinem Pflichtstopp. "Ich sitze beim Boxenstopp im Auto, schaue raus und sehe plötzlich Monsunregen. Ich bin sprachlos, das Auto wird heruntergelassen und fahre wieder aus der Box. In der ersten Kurve war starker Regen und da dachte ich mir: 'Das war mein Samstag'", beschreibt der 39-Jährige auf anschauliche Art, wie er sich bei der Reifenwahl verzockt hat und "auf meinen Slicks keinen Meter auf trockener Strecke gefahren" ist.

Wenige Runden später kam der Abt-Fahrer zum zweiten Mal an die Box und holte sich wieder Regenreifen. Durch den zusätzlichen Boxenstopp war das Rennen für den Schweden aber vorbei und er blieb als 15. ohne Punkte.

Nur ja und nein erlaubt

Die Diskussion mit seiner Crew am Kommandostand über die richtige Wahl der Reifen gestaltete sich für den Tabellenführer äußerst schwierig. Aufgrund des Funkverbots in der DTM darf das Team nicht mit dem Fahrer kommunizieren. Wegen der äußeren und unberechenbaren Bedingungen in der Eifel, die ihrem Ruf am vergangenen Wochenende wieder alle Ehre machte, erlaubte die Rennleitung aus Sicherheitsgründen, dass die Ingenieure die Fragen ihrer Fahrer mit ja oder nein beantworten dürfen.

Die 18 Piloten brauchten bei der Fragestellung ein geschicktes Händchen, um die gewünschte Antwort zu erhalten. "Wenn man nicht mit seinem Team sprechen darf, wird es mehr Zirkus als Sport, aber das wollen wir ja: die Leute unterhalten. Aber ob das gute Unterhaltung ist... ich finde es ein bisschen schade", so Ekström, der beim "Fragen-Bingo" einen kühlen Kopf bewies.

"Wenn man fragt: 'Siehst du Regen auf dem Radar?' und die Ingenieure antworten mit ja, dann montieren sie keine Slicks. Wenn ich sage, dass die Strecke trocken ist, dann machen sie Slicks drauf", so der Schwede, der durch eine geschickte Fragestellung sein Team überzeugte, beim Boxenstopp auf Trockenreifen zu wechseln.

Wenn Ekström eine Runde länger draußen geblieben wäre...

Denn kurz bevor der Audi-Mann an die Box kam, war der Kurs trocken. Dass es just in dem Moment, als die Mechaniker die Reifen montieren, anfängt zu regnen, "war einfach Pech", so Ekström. "Mal hat man Glück, mal hat man Pech. Aber jetzt ist es zweimal dumm gelaufen bei dem Wetter. Und dann bekommt man halt null Punkte."

Wäre der Audi-Fahrer nur eine Runde später an die Box gekommen, wäre die Entscheidung klar gewesen: Er hätte Regenreifen montieren lassen und ein Podestplatz wäre für ihn drin gewesen. Hätte, wäre, wenn.

Auch seine Fahrerkollegen hatten mit dem Funkverbot und dem unberechenbaren Eifel-Wetter zu kämpfen. "Es kommt dir vor, also ob du mit dir selbst sprichst, weil du kommentierst das Geschehen: 'Jetzt wird es trocken, Regenreifen werden kaputt, ich brauche Slicks, ich brauche dies und jenes. Aber du bekommst keine Antwort", schildert der Sieger des Samstagrennens Lucas Auer.

Wo bin ich überhaupt?

Für den Österreicher sorgten nicht nur die äußeren Verhältnisse für erschwerte Bedingungen. Durch die eingeschränkte Kommunikation wusste der Mercedes-Pilot im Rennen nicht, an welcher Position er fuhr. "Nach dem Boxenstopp war ich komplett verwirrt. Ich war Fünfter und bin fast durchgedreht, und dachte: 'Was ist jetzt los? Wo bin ich?' Ich wusste, wo di Resta und Wickens waren. Aber auf einmal waren da noch viele andere Autos vor mir: 'Sind die auf Slicks oder Regenreifen? Haben sie früher gestoppt oder noch gar nicht?' Ich hatte überhaupt keine Ahnung!"

"Mit dem Funkverbot ist es schwierig herauszufinden, wo man steht", bestätigt Teamkollege Paul di Resta und auch Robert Wickens fragte sich, ob er die vor ihm fahrenden Autos angreifen sollte oder nicht. "Vor uns tauchten plötzlich Autos auf, die auf Regenreifen fuhren. Ich wusste nicht, ob wir gegen sie um Positionen kämpfen sollten oder ob sie überhaupt schon beim Reifenwechsel waren", schildert der Sieger des Sonntagsrennens.

Der Kanadier nutzte einen Hinweis an den Fahrzeugen, das als Informationsmittel für die Zuschauer gedacht ist: die leuchtende Positionsanzeige in den Seitenfenstern der DTM-Boliden. "An der Seite der Autos konnte ich sehen, dass sie auf der Strecke vor uns lagen. Aber ich wusste nicht, wie sich das Rennen entwickelt hat. Ich habe über Funk gefragt, aber sie dürfen mir ja nicht antworten. Erst als sie zum Reifenwechsel reingefahren sind habe ich realisiert, gegen wen ich eigentlich fahre", so der 28-jährige Mercedes-Mann.

Eine weitere Schwierigkeit im Regenrennen am Nürburgring war die Sicht und das Sehen der Boxentafel, die den Fahrern signalisieren soll, am Ende der Runde an die Box zu kommen. "Durch die Gischt ist es schwierig, das Pitboard zu sehen", erklärt Edoardo Mortara im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'. "Wenn du vergisst zu fragen, ob du an die Box kommen sollst und die Boxentafel nicht siehst, dann kann es sein, dass du eine weitere Runde fährst, obwohl es besser wäre, an die Box zu kommen."

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