Funkel selbstbewusst: "Unterscheide mich kaum von Nagelsmann"

Julian Nagelsmann scheint Friedhelm Funkel nicht zu beeindrucken

Seit 1990 steht Friedhelm Funkel an der Seitenlinie bei verschiedenen Vereinen. Derzeit trainiert er erfolgreich den Zweitligisten Fortuna Düsseldorf. Vom aktuellen Hype um junge Trainer wie Julian Nagelsmann hält er nichts.  

"Ich unterscheide mich kaum von einem Julian Nagelsmann in Hoffenheim", sagte der 63-Jährige im Interview mit der Reviersport. "Auch ich rede mit meinen Spielern, bereite die Mannschaft mit Videoanalysen akribisch vor, tüftle an taktischen Dingen. Das habe ich übrigens immer so gehalten in meiner Trainerkarriere. Aber früher hat man nicht so einen Bohei darüber gemacht."

Dass die jüngeren Coaches bei den Top-Klubs gut ankommen, wundert Funkel aber nicht.

"Das ist der Lauf der Zeit. Aber manchmal muss ich darüber schmunzeln, wie schnell das mittlerweile geht", so der Ex-Profi, der seinen Nachfolgern einen gut gemeinten Rat gibt: "Erst nach sieben, acht Jahren weiß man, ob man tatsächlich ein guter Bundesligatrainer ist. Erfahrung gehört für mich zu einem guten Trainer dazu."


Veränderungen auch in der Kabine

Die Unterschiede zu früheren Zeiten sieht Funkel aber nicht nur bei den Trainern, sondern auch bei seinen eigenen Spielern.

"Die Zeiten haben sich geändert. Wenn ich vor dem Spiel die Kabine betrete, läuft Musik, die so schlimm ist, dass mir die Ohren schmerzen. So Gangsta Rap. Furchtbar. Wenn es nach mir ginge, würde Helene Fischer laufen. Aber dann würden die Spieler aus der Kabine flüchten."

Trotz der großen musikalischen Unterschiede findet Funkel aber immer einen Draht zu seinen Schützlingen.

"Ich bin ein fanatischer Fußballer, der diesen Sport liebt. Meine Spieler spüren, dass ein Vollblutfußballer vor ihnen steht, der weiß, wovon er spricht. Auch ich habe schon einmal als Spieler 0:7 verloren. Deshalb verstehe ich, wenn einer meiner Jungs auch mal danebenliegt."


Kein Verständnis für Investoren

In seiner langen Trainerkarriere gab es aber auch den ein oder anderen Fehlgriff. Von 2013 bis 2014 coachte Funkel 1860 München unter Ivestor Hasan Ismaik. 

Die Zeit sei "schlimm" gewesen, "weil man als Trainer keine Entscheidungen treffen kann, ohne die Erlaubnis eines einzigen Mannes einzuholen. Das kann einen Klub kaputt machen. Deshalb ist die 50+1-Regelung ein Segen für den deutschen Fußball."

An ein Ende seiner Karriere denkt der 63-Jährige aber noch lange nicht. Er werde so lange an der Seitenlinie stehen, wie es ihm Spaß mache. "Momentan macht es mir sogar riesige Freude, weil Fortuna Düsseldorf ein geiler Klub ist", so Funkel.

Fortuna Düsseldorf ist in dieser Saison einer der Aufstiegskandidaten und führt die Zweitligatabelle derzeit mit 19 Punkten souverän an.