Fünf Gründe, warum die Bundesliga langweilig ist

Die Bundesligasaison 2017/18 biegt allmählich auf die Zielgerade ein. Echte Begeisterung mag aber kurz vor dem Saisonendspurt nicht aufkommen. Warum ist das so? 

Die Bundesliga verliert an Attraktivität. (Bild: Getty Images)
  1. Kein Kampf um den Meistertitel

Das Thema Titelkampf ist so alt wie die Bundesliga selbst. Das Problem: Seit sich der FC Bayern München derart deutlich von der restlichen Masse abhebt, besteht eigentlich kein Zweifel mehr daran, wer nach 34. Spieltagen die Meisterschale in den Himmel recken wird.

In den letzten fünf Jahren war es keiner Mannschaft mehr möglich, die Bayern vom Triumph abzuhalten. Selbst als der Start in die laufende Saison völlig missglückte und die Bayern plötzlich weit hinter Borussia Dortmund lagen, kam keine rechte Stimmung auf.

Nun sind es schon wieder 19 Punkte Abstand. Und ein echter Gegner will auch niemand sein, die größeren Vereine der Liga weigern sich konsequent, das Wort “Bayern-Jäger” in den Mund zu nehmen.

Warum eigentlich? Warum strebt keiner der Vereine danach, in naher oder ferner Zukunft zumindest der mutige Herausforderer zu sein? Alle wollen sie ins europäische Geschäft. Aber Zweiter oder gar Erster? Muss nicht sein.

2. Bundesliga ist die Fünferketten-Liga

“Die Dreierkette, die defensiv zur Fünferkette wird” – inzwischen sind es selbst die TV-Kommentatoren leid, diese – nicht ganz richtige – Beschreibung der Taktik einer oder beider Mannschaften auf dem Feld vor jeder Partie aufs Neue zu wiederholen.

Die Bundesliga ist, das kann man nicht ignorieren, eine Fünferketten-Liga, eine Pressing-Liga geworden. Die Trainer sichern ab, Defensive geht vor Offensive. Die Ergebnisse der Samstag-Konferenz am 24. Spieltag, eigentlich der große Attraktivitätsfaktor der Bundesliga, lesen sich wie ein Binärcode.

Jeden Spieltag aufs Neue werfen die Trainer angepasste Systeme auf das Spielfeld, um sich möglichst gut dem Gegner anzupassen und eigene Schwächen im Offensivspiel zu kaschieren. Darunter leidet die Spielkultur. Zusammenspiel, Passstafetten, schön herausgespielte Tore sind Mangelware geworden.

Vielmehr wird gepresst, gebolzt und auf einen Abpraller oder einen zweiten Ball gehofft. Das hat Mannschaften in den Tabellenkeller gebracht, die nie damit gerechnet hätten. Und Mannschaften, die sich an mutigem Fußball versuchen, stehen gar nicht so schlecht da, wie sie es nominell sollten.


3. Die graue Masse der Tabelle

Keine europäische Top-Liga ist – den FC Bayern München ausgeklammert – so nahe beieinander wie die Bundesliga. Wenige Punkte können den Unterschied machen zwischen Platz zwei und Platz fünf oder Platz fünf und Platz zwölf.

Das ist auf der einen Seite durchaus als attraktiv zu werten. Jeder kann jeden schlagen, jeder hat Chancen, sich durch gute Leistungen schnell in obere Tabellenregionen zu bewegen. Gleichwohl fehlt es aber an Überraschungsmomenten im Klassement.

Der Tabellenletzte 1. FC Köln gewinnt gegen RB Leipzig? Überraschungseffekt gleich Null. Und dessen nicht genug. Die große Ausgeglichenheit der Bundesliga lässt die Konturen zwischen den Klubs schmelzen.

Für neutrale Beobachter: Wo ist der große, entscheidende Unterschied zwischen dem FSV Mainz 05 und dem VfL Wolfsburg? Oder zwischen Hertha BSC und Hannover 96? Geographisch ist in vielen Fällen die einzig richtige Antwort.

4. Fehlende Stars und Paradiesvögel

Hand in Hand mit der grauen Masse an Klubs in der Bundesliga geht die Abwanderung der Stars und echten Paradiesvögel. Klar, die deutsche Liga fördert deutsches Talent, die Kader sind gefüllt mit Nachwuchshoffnungen. 

Aber der Trend geht leider hin zum aalglatten Profi, der Phrasen in die Kamera spricht und sich auf dem Platz ohne Widerworte in das allgegenwärtige Pressing seines Teams einordnet.

Aber was doch letztlich wirklich fehlt, ist dieser Faktor X. Ein bisschen Glamour, ein bisschen Flair – und das nicht nur im Kader des FC Bayern München. Welche Stars bringen den Zuschauer zuhause dazu, den Fernseher einzuschalten oder gar ins Stadion zu fahren?

Borussia Dortmund hatte einige wenige, Bayer Leverkusen jetzt einen mit Leon Bailey. Aber wen hat Hoffenheim oder Werder Bremen? Gerade letztere blicken eigentlich auf eine erfolgreiche Historie mit etwas ausgefalleneren Spielern zurück.

5. Schlechte Arbeit in der Vereinsführung

Die vorangegangen Punkte deuteten schon eines an: Innovation ist gefragt. Die Klubs brauchen neue Wege, um mit den Bayern in Konkurrenz zu treten. Sie müssen Möglichkeiten finden, die Bundesliga-Formation zu durchbrechen und sich ein Alleinstellungsmerkmal aufzubauen.

Dafür ist frischer Wind nötig. Was auf der Position des Trainers in den letzten Jahren vollzogen wurde, muss jetzt eine Ebene höher vonstattengehen. Eine neue, junge Generation mit guten und mutigen Ansätzen auf Managerebene.

Sie müssen die immer gleichen Automatismen aufbrechen. Bei ausbleibendem Erfolg wird der Trainer entlassen und der nächste eingestellt. Eine gemeinsame Planung, ein langfristiges Konzept, eine Beurteilung der spielerischen Fähigkeiten des Teams findet nicht statt.

Die Richtung eines Klubs muss klar definiert werden. Das gerne ausgegebene  “Ziel Europa” ist keine Richtung. Denn Ziele scheinen alle Klubs in der Bundesliga zu haben. Wenn sie sich doch nur genauso über die Schritte bis dorthin im Klaren wären.