Fukushima-Betreiber muss Familie nach Suizid von 102-Jährigem entschädigen

Das havarierte japanische Atomkraftwerk Fukushima

Der Betreiber des havarierten japanischen Atomkraftwerks Fukushima ist wegen des Suizids eines 102-jährigen Mannes zu Schadenersatz verurteilt worden. Das Energieunternehmen Tepco müsse den Hinterbliebenen von Fumio Okubo umgerechnet 116.000 Euro zahlen, sagte der Anwalt der Familie am Dienstag. Der Dorfälteste hatte sich einen Monat nach der Atomkatastrophe vor sieben Jahren das Leben genommen, kurz nachdem die Regierung die Evakuierung seines 40 Kilometer östlich von Fukushima gelegenen Heimartortes Iitate angeordnet hatte.

"Ich habe ein bisschen zu lange gelebt", soll Okubo damals gesagt haben. Das Gericht in Tokio habe anerkannt, dass der Suizid mit dem "starken Stress" angesichts der bevorstehenden Umsiedlung zusammenhing, sagte der Anwalt Yukio Yasuda. Der 102-Jährige habe Angst davor gehabt, seiner Familie zur Last zu fallen. Die Familie, die eine Entschädigung von 60 Millionen Yen (gut 450.000 Euro) gefordert hatte, werde das Urteil anerkennen.

Tepco kündigte an, den Richterspruch zu prüfen. Das Unternehmen war bereits in zwei ähnlichen Fällen zur Zahlung von Schadenersatz verurteilt worden.

In Fukushima hatte sich nach dem schweren Erdbeben und dem Tsunami vom März 2011 das schlimmste Atomunglück seit der Tschernobyl-Katastrophe von 1986 ereignet. Weil das Kühlsystem ausfiel, kam es in drei der sechs Reaktoren zur Kernschmelze. Das Gebiet in einem weiten Umkreis wurde radioaktiv verseucht. Tausende Anwohner werden wohl nie mehr in ihre Häuser zurückkehren können.