FRWeekly-Briefing: Lahmer DAX, flinkes Gold?

 

Vorsicht im S&P 500. Pjöngjang sei Dank bleibt Gold im Fokus der Anleger. Der DAX zeigt sich von allem unbeeindruckt.

In der vergangenen Woche hatte sich der Konflikt zwischen Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un und dem Rest der Welt schon entspannt. Mit dem Wasserstoffbombentest vom Wochenende hat sich die Lage erneut verschärft. 

Wie nicht anders zu erwarten hat das den Goldpreis stabil über die 1300 USD Marke getrieben. Aktuell werden 1340 USD für eine Feinunze Gold aufgerufen. Mitte August stand Gold auf 1272 USD. Seit Beginn der Krise ist der Goldpreis damit um knapp 6% geklettert. 

Experten erwarten weitere Goldflucht 
Das Zinsumfeld wird nach den letzten Äußerungen der Notenbanker weiter niedrig ausfallen – das hält die Goldhaltungskosten gering. „Als (Düsseldorf: CP4.DU - Nachrichten) sicherer Hafen profitiert Gold neben der aktuellen geopolitischen Unsicherheit auch von der Aussicht auf zunächst passive Notenbanken“, so Robert Halver, von der Baader Bank (Xetra: 508810 - Nachrichten) . 
Zudem wird auch dem US-Dollar – der zweiten Aktienmarkt-Fluchtwährung  - kein großes Steigerungspotential zugesprochen. „Bei früheren geopolitischen Auseinandersetzungen wie jetzt mit Nordkorea war der US-Dollar immer erste Wahl“, so Halver. Heute sei der Euro zum sicheren Hafen geworden. Allerdings fehle ihm Aufwärtspotential. Da die große zinspolitische Wende ausbliebe, würde sich der Euro mittelfristig wieder abschwächen. Von diesem Trend gehen auch die Experten bei Lynx Broker aus. Sie halten einen Kurs um die 1,18 Dollar Marke für wahrscheinlich.

Claudia Windt von der Helaba meint zwar, dass die Zinsdifferenzen für eine Aufwertung des Dollar sprächen.  Allerdings habe die US-Wirtschaft nicht nur wegen des Wirbelsturms Harvey erneut mit sich zu kämpfen. Die zuletzt gefestigten Konjunkturdaten kämen daher nicht zum Tragen. Präsident Trump drohe zudem ein „government shutdown“ – erneut wegen staatlicher Zahlungsunfähigkeit. Der S&P 500 zeigte sich davon zuletzt unbeeindruckt. Allerdings sehen Experten einen baldigen Trendwechsel am Horizont nahen. Die Bewertungssituation des S&P 500 habe sich in den vergangenen Wochen zugespitzt so Markus Reinwand, CFA der Helaba. Die Fundamentaldaten legten in Verbindung mit einer historisch niedrigen Volatilität eine Überhitzung des Marktes nahe, konstatiert Reinwand: „Angesichts des insgesamt ungünstigen Chance-Risiko.-Verhältnisses sind insbesondere US-Titel derzeit kein Kauf“.

Vornehme Zurückhaltung im DAX 
Vor dem Wochenende zeigte sich der DAX erholt, wenngleich er zum Handelsschluss am Freitag erneut eingebüßt hatte. Seit Handelsbeginn dotiert er um 12.080 Punkte. Weiter nach oben geht es erst, meint Robert Halver, wenn der DAX über die 12.161 Punkte klettere. 

„Bedingt durch eine insgesamt zu geringe Schwungkraft, mehrheitlich Richtung Süden zeigende Indikatoren sowie eine große Anzahl von DAX-Komponenten, die einen negativen Mittelfristtrend aufweisen, sind die Risiken im Vergleich zu den Chancen deutlich höher zu gewichten“, meint Christian Schmidt von der Helaba. Auch Andreas Büchler, Trading Experte und Gründer der Quarat Forschungsgesellschaft sieht die Zeichen weiter auf rot. Der DAX dürfte erneut an der oberen Begrenzung seines Abwärtstrends scheitern, so Büchler.

Die Experten von der Deutschen Bank sehen diesen Trend ebenfalls: „Die Tendenz nach unten bleibt also intakt und die alten (bekannten) Widerstände bestehen. Um das Bild wieder freundlicher zu gestalten, müssten die Kurse daher mindestens über 12.110, besser aber noch über 12.200 Punkte hinauskommen“.

 

 

(DW)