FRWeekly-Briefing: Kraftlos durch den August

 

Im August tut sich der DAX traditionell schwer. Er sollte aber aus dem Gröbsten raus sein. Die Inflation hängt, der Euro fliegt zu hoch, das Britische Pfund zu tief und in Deutschland wird zu unproduktiv gearbeitet.

Die Konjunktur kommt dieser Tage einfach nicht in die Pötte. „Es ist der Arbeitsmarkt, stupid“ titelte in der vergangenen  Woche Assenagons Chef Ökonom Martin Hüfner in seiner wöchentlichen Kolumne. Seiner Meinung nach funktioniert der Arbeitsmarkt in Deutschland nicht richtig. Er forderte daher mehr Wettbewerb unter den Arbeitnehmern. Das (Shenzhen: 002421.SZ - Nachrichten) führe zu besseren Löhnen und in der Folge zwar zum Ende der „Aktien-Hausse“, aber langfristig zur volkswirtschaftlich gesunden Inflation. 

Dr. Stefan Mütze von der Helaba sieht das anders. Die Lohnsteigerungen in Deutschland seien angemessen gewesen, weil sie mit der schwachen „Entwicklung der Produktivität“ zu erklären seien. Diese wachse zwar kontinuierlich an, ihre Zuwachsraten seien aber seit „2010 tendenziell geringer geworden“.  Es gebe daher nichts zu verteilen. 

Folgt man dieser Argumentation dürfte die Inflation also trotz zuletzt gesunkener Arbeitslosigkeit und guter Konjunkturdaten weiter auf sich warten lassen. Der (Shenzhen: 002631.SZ - Nachrichten) ifo-Geschäftsklimaindex stagnierte im Juli (Shenzhen: 002342.SZ - Nachrichten) auf hohem Niveau auf knapp 116 Punkten. Baugewerbe und Verarbeitendes Gewerbe erzielten aber weiterhin Rekordwerte. 

Inflation träge – Geldpolitik bleibt expansiv
Neue Impulse für eine steigende Inflation kamen auch nicht vom Treffen der Notenbankchefs in Jackson Hole. Sowohl Fed-Chefin Yelen als auch ihr europäisches Pendant Draghi gaben sich eher zugeknöpft, was die Geldpolitik angeht. „Wir haben bislang noch keine selbsttragende Annäherung der Inflation an das mittelfristige Ziel gesehen“, so Draghi. Experten gehen davon aus, dass er sein Anleihenkaufprogramm daher nicht mehr wie angekündigt noch in diesem Jahr zurückfahren wird. Anders wird das Schweigen von Janet Yelen gedeutet. Die im Frühjahr angekündigten Zinsschritte werden wohl ausbleiben. 

Euro ist gefragt – Pfund nicht
Des einen Freud, des anderen Leid. Während die Arbeitnehmer nicht von der Konjunktur profitieren, freut sich der Euro über starke Nachfrage. „Die Gemeinschaftswährung legte in der ablaufenden Handelswoche nicht nur gegenüber dem US-Dollar zu, sondern auch gegenüber dem Schweizer Franken sowie dem Britischen Pfund“, konstatiert Claudia Wind von der Helaba. Viel Potential nach oben sieht sie allerdings nicht. Zudem belaste der starke Euro die Unternehmensgewinne.Das Britische Pfund verlor dagegen erneut an Wert. Der Euro-Pfund Kurs steht mit 0,92 auf dem höchsten Wert seit 2009. Zuletzt hatte sich die britische Wirtschaft deutlich erholt gezeigt. Christian Apelt, CFA der Helaba hält die Pfund-Schwäche „auf Basis längerfristiger Bewertungsindikatoren“ für überzogen. Schuld am Preisverfall der Währung sei „der Brexit“, so Apelt. Das Pfund würde von einer  politischen Lösung angesichts der „fundamental“ übertriebenen Kursschwäche profitieren. 

DAX fehlen Kaufsignale
Der DAX würde eine Schwächung der Gemeinschaftswährung nach Auffassung von Franz-Georg Wenner, Wirtschaftsexperte auf „Börse-online“ begrüßen. Der Markt sei trotz der zwischenzeitlichen Gegenbewegungen derzeit im Abwärtstrend. „Die für eine Umkehr nach oben samt Kaufsignal fehlende Dynamik ist offensichtlich“, so der Finanzfachmann. Allerdings zeichne sich derzeit eher eine Konsolidierung ab. In Summe bleibe eine Seitwärtsbewegung das wahrscheinlichste Szenario. 

Patrick Franke , CFA der Hessischen Landesbank, geht ebenfalls nicht davon aus, dass der DAX seinen „seit Mitte Juni bestehenden Abwärtstrendkanal“ überwunden hat. Einehn Befreiungsschlag sieht er in weiter Ferne, „sollte es zum Anstieg über die 100-Tagelinie bei 12.452 kommen“.

Aber Wenner hat auch eine gute Nachricht parat: Die traditionelle Sommerpause habe der Markt bereits zur Hälfte hinter sich: „Der Juni und Juli waren bereits überdurchschnittlich schlecht, da bleibt für den laufenden Monat nicht mehr viel Verkaufsdruck über“, so Wenner.

 

(DW)