FRWeekly-Briefing: Jamaika-Bruch lässt Börse kalt

Oben, unten, Mitte - nach der jüngsten Konsolidierung fragen sich die Experten, warum es im DAX angesichts hervorragender wirtschaftlicher Aussichten nicht weiter bergauf gehen sollte.

Seit gut zwei Wochen kennt der DAX vor allem eine Richtung: nach unten. Gut 500 Punkte verlor der Leitindex seit Anfang November. Mittlerweile pendelt er um die im Oktober zäh verhandelte 13.000-Punkte-Marke.  

„Mit dem Rutsch unter die wichtige 13.000er-Barriere ist der DAX wieder in schwierigeres Fahrwasser geraten", konstatieren die Finanzmarktexperten der Deutschen Bank. Gelänge die schnelle Rückeroberung dieser psychologisch bedeutsamen Hürde nicht, könnte sich die Korrektur noch einmal ausweiten.

Andreas Büchler, Gründer der Qarat Forschungsgesellschaft, glaubt nicht an einen Umschwung. „Erst wenn der DAX oberhalb der 13.250er-Marke noch gekauft werde, könne mit einer neuen Rally bis 13.500 gerechnet werden. „Bis dahin bleibt der Markt als neutral anzusehen“, so Büchler. Wahrscheinlicher aber sei es, dass der DAX unter die 12.850 rutsche.

ZäherStart: DAX am Montagmorgen


Quelle: Google/Yahoo Finanzen

Auch für Armin Kremeser, Analyst der DZ Bank, bleibt der DAX nach dem Scheitern der Jamaika-Gespräche am Vorabend auf dem Prüfstand. Würden die Anleger jetzt nicht - wie seit 2016 nach jedem Kursrücksetzer im DAX – die Möglichkeit nutzen, um günstig einzusteigen, sei mit weiteren Kursverlusten zu rechnen. 

Helaba-Expertin Claudia Windt zeigt sich ein wenig optimistischer. Die letzte Woche sei „versöhnlich“ ausgeklungen, die „Risikofreude“ in den Markt zurückgekehrt. Die Ursache dafür sieht Windt in positiven wirtschaftlichen Signalen aus den USA: gute Konjunkturdaten, starke Quartalszahlen und die Fortschritte von Trumps Steuerreform. Zwar befinde sich auch „die deutsche Wirtschaft aktuell in einem Boom“, doch die Anleger zweifelten, ob sich diese Entwicklung 2018 halten könne. Ob sich die Finanzmärkte bewegten, sei fraglich, so Windt. Im DAX überwiegten nach wie vor Belastungssignale, fasst ihr Kollege Ulrich Wortberg die Aussichten zusammen.

Wirtschaftliche Rahmendaten für einen Aufschwung stimmen

Ähnlich schätzen die Experten der Deka die Rahmenbedingungen ein. Die Stimmung der deutschen Manager sei derzeit auf einem Rekordhoch, meint Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka, daher sei es schwierig eine weitere Verbesserung zu prognostizieren. „Doch angesichts der guten Rahmenbedingungen bleibt derzeit eigentlich nichts anderes übrig“, so der Ökonom. Die Deka gehe davon aus, dass der ifo-Geschäftsklimaindex auch im November die aktuelle wirtschaftliche Stabilität bestätigen werde.

Eine ganz ähnliche Einschätzung liefern die Experten der HSBC Bank. Die kommenden Sentimentdaten sollten erneut „excellent“, das „Konjunkturmomentum auch Ende 2017 hoch“ ausfallen, hieß es im aktuellen Wochenausblick der HSBC. Vom am Mittwoch bekannt werdenden Einkaufsmanagerindex erwarten sie ebenfalls positive Signale.

Die Protokolle der Notenbank-Sitzungen aus dem Oktober, die am Mittwoch veröffentlicht werden, würden dagegen „keine großen Impulse auf die Kapitalmärkte“ ausüben können.

(DW)