Streich nach Pleite sauer: "Das ist falsch!"

Maximilian Lotz
·Lesedauer: 4 Min.

Als Keven Schlotterbeck die entscheidende Szene nach der 0:3-Niederlage beim VfL Wolfsburg auf dem TV-Monitor vorgespielt bekam, platzte es aus dem Verteidiger des SC Freiburg heraus.

"Deutlicher kann man ein Foul nicht werten, egal, ob es aktiv oder passiv von ihm ist. Und das ist ein Foul, egal, ob es im Sechzehner oder auf der Mittellinie ist", machte Schlotterbeck seinem Ärger bei Sky Luft. "Für mich ein No-Go. Für sowas haben wir einen Videoassistenten. Das finde ich nicht gerecht heute. Danke!"

Der Frust saß tief bei den Freiburgern - aber was war passiert?

In der 21. Minute brachte John Anthony Brooks die Wölfe nach einer Ecke in Führung, allerdings kam im Getümmel im Strafraum Schlotterbeck durch einen Tritt von Kevin Mbabu zu Fall. Der Treffer wurde im Kölner Keller durch Videoassistent Sascha Stegemann lange überprüft, zählte aber schließlich - ohne dass sich Schiedsrichter Tobias Reichel die Szene nochmals in der Review-Area angeschaut hatte. (Das Spiel zum Nachlesen im Ticker)

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"Irregulär" - Streich schimpft Videoschiedsrichter

"Der Schiri hat zu uns gesagt, es sah eher aus wie ein Unfall", erklärte Freiburgs Torhüter Florian Müller. "Ich glaube, er war von Anfang an überzeugt, dass es keine klare Fehlentscheidung war und er wollte es sich nicht noch mal anschauen. Hätte er das Bild gesehen, hätte er sich sicherlich anders entschieden. Das ist natürlich extrem bitter für uns."

Auch SC-Trainer Christian Streich war sauer. "Beim ersten Tor steht er Keven Schlotterbeck voll auf dem Fuß, nicht absichtlich, aber wenn das kein Foul ist - dann wird das überprüft und das Tor wird gegeben. Das ist falsch", schimpfte Streich und hätte sich einen VAR-Eingriff gewünscht. "Der Schiedsrichter kann nicht alles sehen, aber dafür haben wir doch den Videoschiedsrichter. Das ist kein absichtliches Foul, aber ein klares Foul. Und das wird nicht gepfiffen. Schade!"

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Als "irregulär" bezeichnete er den Treffer. Dem Schiedsrichter wollte Streich keinen Vorwurf machen, "aber wenn das überprüft wird, muss man auf Foul entscheiden. Das geht nicht. Und dann steht es in so einem engen Spiel 1:0. Wolfsburg hat verdient gewonnen, aber das geht nicht."

DFB rechtfertigt sich: "Keine detektivische Suche"

Wie der DFB später mitteilte, wurde der Treffer "anhand der vorliegenden Kameraeinstellungen" überprüft.

"Diese brachten keinen eindeutigen bildlichen Beleg für ein regelwidriges Foulspiel", twitterte der offizielle Account der DFB-Schiedsrichter: "Technische Hilfsmittel, wie z.B. Lupenvergrößerung, werden im Überprüfungsprozess des Videoassistenten grundsätzlich nicht eingesetzt, weil bewusst auf eine detektivische Suche verzichtet werden soll."

Bei der TV-Übertragung hatte Sky in den Wiederholungen mittels einer Lupe den Kontakt deutlicher sichtbar gemacht.

Auch Glasner räumt ein: Hätte Foul geben müssen

"Letzte Woche gab es das gleiche mit Niederlechner gegen Prömel, da wird Elfmeter gepfiffen", zog Schlotterbeck Parallelen zum Spiel des FC Augsburg gegen Union Berlin. "Jetzt wird das Tor gegeben. Das ist bitter, weil es dann einfach in die falsche Richtung gelaufen ist." Keeper Müller sah es ähnlich: "Das Tor, das eigentlich nicht zählen darf, war heute der Genickbruch für uns."

Sogar VfL-Trainer Oliver Glasner räumte ein: "Wenn ich das jetzt sehe, hätte man ein Foul geben können, wahrscheinlich auch müssen. Ich dachte, es war oben ein Kontakt."

Das Führungstor habe seiner Mannschaft Selbstvertrauen gegeben. Wout Weghorst (39.) nutzte den Bruch im Freiburger Spiel noch vor der Pause, Yannick Gerhardt (86.) sorgte in der Schlussphase für die Entscheidung. (Die Tabelle der Bundesliga)

Wortgefechte? Streich klärt auf

"Wolfsburg war reifer und hat verdient gewonnen", konstatierte auch Streich, der am Ende auch die eine oder andere Meinungsverschiedenheit mit Glasner während des Spiels ausräumte: "Es gab überhaupt keine lautstarken Wortgefechte. Wir haben uns über ein paar Sachen unterhalten und wegen des Abstands musst du dann ein bisschen lauter sprechen, dass man sich versteht. Wir haben überhaupt kein Problem." (Spielplan und Ergebnisse der Bundesliga)

Streich hatte sich einige Male über Schiedsrichter Reichels unausgewogene Zweikampfbewertung echauffiert. "Weil keine Zuschauer da sind, hört man alles. Das war gar nichts. Man hat eine unterschiedliche Meinung und dann sagt man sich das", sagte Streich. "Wir Trainer in der Bundesliga sind untereinander gute Kollegen und das ist alles völlig normal. Ich fand nicht, dass es besonders emotional war."