Frust überall: Castroneves und Power geben Titelkampf auf

Will Powers Hirn setzte beim Gateway-Rennen mal wieder aus


Das war es dann wohl: Will Power hat nach seinem frühen Aus beim IndyCar-Rennen im Gateway Motorsports Park die Meisterschaft verloren. Bei 83 Punkten Rückstand und vier Gegnern um die Meisterschaft ist ein zweiter IndyCar-Titel für den Australier in realistisch betrachtet nicht mehr zu bewerkstelligen. Ein Unfall in der ersten Runde machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Beziehungsweise in der sechsten Runde - die Penske-Pressemitteilung legt Wert auf die fünf unter Gelb geführten Runden.

Direkt bei Freigabe des Rennens drehte er sich in Kurve 2. "Unglaublich. Frustrierend. Unglaublich frustrierend", beschreibt der Meister von 2014 den kapitalen Fehler. Wieder einmal hat sich der Australier eine mögliche Meisterschaft verbaut, weil er in sein altes Muster zurückgefallen ist: Nach seinem spektakulären Sieg auf dem Pocono Raceway und seiner Pole-Position in Madison nun wieder ein Ausfall in der ersten Runde. "Josef hat mich außen überholt. Ich habe dann seine 'Dirty Air' erwischt und einfach das Auto verloren. Er hat mir den Luftstrom genommen", klagt er.

"Es war so rutschig, so super-rutschig", hadert der 36-Jährige weiter. "Ich wünschte, ich hätte mehr Burnouts (in der anfänglichen Gelbphase; Anm. d. Red.) gemacht, um mehr Temperatur in die Hinterreifen zu kriegen. Ich bin gerade aufs Gas gestiegen und es ist mir einfach ausgebrochen. Unglaublich." Die Resultate zeigen die unglaubliche Saison des Will Power, der auch in seiner zwölften Saison noch immer nichts dazu gelernt hat: In Rennen, in denen es "normal" gelaufen ist, wurde er nie schlechter als Fünfter. Andererseits stehen aber auch sieben zweistellige Resultate auf der Habenseite. Solch digitale Resultate gewinnen keine Meisterschaft, da helfen auch fünf Pole-Positions nicht weiter.

Castroneves' letzte Chance mit Motor abgestorben?

Insgesamt konnte bis auf Josef Newgarden kein Penske-Pilot mit seinem Abschneiden beim Gateway-Rennen zufrieden sein: Simon Pagenaud war nach dem knallharten Überholmanöver von Newgarden mehr als angefressen. Und auch Helio Castroneves' Titelchancen haben einen schweren Rückschlag erlitten. Nach einem weiteren vierten Platz - dem dritten seiner Saison - hat er nun 42 Punkte Rückstand bei nur noch zwei ausstehenden Rennen. Er verkörpert das genaue Gegenteil von Power: bei allen Rennen bis auf den Texas-Ausfall ist er in die Top10 gefahren, aber stand nur dreimal in 15 Rennen auf dem Podium - auch das gewinnt keine Titel.

Dabei hatte es in Madison in der Nähe von St. Louis zwischenzeitlich gut ausgesehen: Der populäre Brasilianer führte 52 Runden lang, doch dann starb beim Boxenstopp der Motor ab. "Das hat mit Sicherheit nicht geholfen", sagt er genervt - wohl wissend, dass er seinen höchstwahrscheinlich letzten Versuch, doch noch einmal IndyCar-Meister zu werden, bei jenem Boxenstopp in Runde 157 in den Sand gesetzt hat. "Ich habe Neutral eingelegt, aber leider hat es nicht funktioniert. Als ich die Kupplung losgelassen habe, war noch der erste Gang drin."

Kaum hatte er das Malheur bemerkt, machte er das Team drauf aufmerksam, das blitzartig mit dem Starter zur Stelle war und den Zeitverlust minimierte. Doch sechs Sekunden Stillstand kosteten drei Positionen und damit 18 Punkte - plus zehn Zähler für Newgarden durch den Platztausch, macht das 28 Punkte Minus im Meisterschaftskampf. "Was für ein teurer Fehler", flucht der 41-Jährige. "Das Auto war phänomenal. Ich bin mordsmäßig enttäuscht. In dieser Phase der Meisterschaft ist das kein kleiner, sondern ein dicker Fehler. Aber wenigstens wird einer von uns den Titel holen." Womit der Titel abgeschrieben wäre.

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