Wie Fritz Meinecke, das Gesicht von "7 vs. Wild", zu einem der erfolgreichsten deutschen Youtuber wurde – obwohl, oder gerade weil, er polarisiert

Fritz Meinicke wurde als Outdoor-Youtuber bekannt, sein größter Coup bisher ist das Erfolgsformat "7 vs. Wild". - Copyright: Nikita Kulikov / Discovery Plus
Fritz Meinicke wurde als Outdoor-Youtuber bekannt, sein größter Coup bisher ist das Erfolgsformat "7 vs. Wild". - Copyright: Nikita Kulikov / Discovery Plus

Friedrich, gennant Fritz, Meinecke steht für das Extreme. Allein in den vergangenen zwölf Monaten ist der 33-Jährige unter anderem mit dem Fahrrad von Berlin nach Istanbul gefahren, hat drei Tage in der Wüste verbracht oder bei Minusgraden im zweistelligen Bereich im Tiefschnee übernachtet. Immer mit dabei ist seine Kamera. Auf Youtube erreicht Meinecke mit seinen Videos hunderttausende Menschen. Noch bekannter wurde er im vergangenen Jahr, als auf seinem Kanal das Erfolgsformat „7 vs. Wild“ veröffentlicht wurde. Meinecke nahm auch selbst teil – und gewann.

Angefangen hat der Magdeburger seine Youtube-Karriere mit weniger extremen Ausflügen. Meinecke besuchte sogenannte Lost Places – das sind verlassene Grundstücke, wie beispielsweise alte Fabriken. In seinem ersten heute noch zu findenden Video erkundet er eine verlassene Kirche. Das Video aus 2014 ist rund zweieinhalb Minuten lang.

Hohe Ansprüche an das eigene Leben

Heute ist Meinecke auch für seine starken Meinungen bekannt. Für ihn ist vieles schwarz oder weiß, gut oder schlecht, für Grautöne ist wenig Platz. Am Ende hat ihn diese Einstellung im Leben vorangebracht: Zu Meineckes größten Stärken gehört, dass sich auf das konzentriert, wofür er brennt. Heute mehr denn je. Denn was Meinecke vom Leben will, musste auch er erst lernen. Nach dem Schulabschluss an einer Realschule ging er zunächst an ein Fachgymnasium – und brach es nach nur ein paar Wochen wieder ab. Es folgte eine Ausbildung in einer kleinen Kfz-Werkstatt. Auch die schmiss der junge Meinecke nach kurzer Zeit wieder. Während seiner Zeit in der Werkstatt einfach nur “räudig” gewesen sei – Meinecke berichtet unter anderem, dass man ihn schlecht behandelt habe –, sei das Fachgymnasium einfach nicht sein Ding gewesen: “Ich habe nach ein paar Wochen gemerkt: Ich will das nicht.” Das erzählte der Youtuber vor zwei Jahren in einem Livestream.

Es folgte eine weitere Ausbildung – dieses Mal als Bankkaufmann. Meinecke schildert, dass er nach den Erfahrungen in der Werkstatt nach einem Kontrastprogramm gesucht habe. Aber auch hier habe er nach einiger Zeit gemerkt: „Das ist es nicht.“ Woran er das merkte? Schon morgens beim Aufstehen habe er keine Lust auf den Tag gehabt. Für ihn sei das ein sicheres Zeichen, dass etwas falsch läuft. Arbeiten, um zu leben? Fritz Meinecke will mehr.

Am Ende fand er schließlich seine Passion als 3D-Grafiker für Videospiele. Die entsprechende Ausbildung an einer Privatschule hätten ihm seine Eltern bezahlt, wie er sagt. Häufig habe er bis spät in die Nacht gearbeitet. Nicht, weil ihn jemand dazu gezwungen habe, sondern weil er es wollte. “Das hat mir so Bock gemacht. Ich habe da gewohnt!”, rekapituliert Meinecke seine Studienzeit.

"Ich hatte sechs Monate Zeit, um mir den Arsch aufzureißen"

Als die Firma, bei der er später als Grafikdesigner angestellt war, 2016 Insolvenz anmeldete, nahm er sein Schicksal selbst in die Hand. Wie er bei “OMR” erzählt, schrieb er einen Businessplan und beantragte einen Gründungszuschuss. “Ich hatte jetzt sechs Monate Zeit, um mir den Arsch aufzureißen. Und danach musste ich auf eigenen Beinen stehen. Und das habe ich dann auch getan und gefühlt 14 Stunden am Tag gearbeitet”, sagt er bei den “Online Marketing Rockstars”.

2016 folgte ein Abstecher weg von Youtube, rein in den Streamingdienst Discovery Plus. Zusammen mit dem Schauspieler Wigald Boning trat er in der Doku-Serie “Die Geschichtsjäger” auf. Das Format führte das ungleiche Duo quer durch Deutschland und sogar in die Ukraine, wo sie Tschernobyl erkundeten. In der Stadt war 1986 ein Atomkraftwerk explodiert, das Gebiet ist noch immer radioaktiv verseucht.

Meineckes Youtube-Kanal wuchs dabei kontinuierlich an, einen deutlichen Schub bekam er noch einmal vergangenes Jahr. Damals startete die erste Staffel “7 vs. Wild". Und traf einen Nerv. Auf mehr als 7,8 Millionen Klicks kletterte allein die erste Folge. Die 16. und damit letzte Episode der Staffel erreichte immerhin noch 3,8 Millionen Aufrufe.

Im Oktober, einen Monat vor Ausstrahlung der ersten Folge, folgten ihm noch 1,31 Millionen Menschen. Während der Staffel stieg die Zahl an Abonnenten stark an. Nach der letzten Folge waren es 1,8 Millionen, also rund 500.000 mehr.

Zum Erfolg dürften auch zahlreiche Reactions beigetragen haben. Das sind Videos, in denen sich Youtuber oder Live-Streamer dabei filmen, während sie Videos anschauen. Die Reaktion des Video-Produzenten Ungespielt auf die erste Folge allein sammelte 316.000 Aufrufe.

Haupteinnahmequelle: Social Media

Noch heute wird alles, was Meinecke nicht mit großer Freude erfüllt, einfach aussortiert. Dazu gehört auch ein großer Teil der etablierten Medien. Für sein Erfolgsformat “7 vs. Wild” verschickte er keine einzige Pressemitteilung. Und als der Spiegel, das größte deutsche Nachrichtenmagazin, ihn für ein Interview anfragte, erklärte er, er habe wenig Zeit und schickte seine Antworten stattdessen als Sprachnachrichten. Dort sagte er unter anderem, dass er das Radio hasse. Zeitungen, Magazine – lese er alles nicht. Und Nachrichten konsumiere er höchstens über Youtube, wenn überhaupt.

Am Ende ist Youtube ist die Plattform, auf der man Fritz Meinecke zu fassen bekommt. Dort äußert er sich stets offen und direkt, auch mal über sich selbst. In einem knapp 35-minütigen Livestream (“Realtalk”) hat Meinecke vor zwei Jahren beispielsweise seine Schulzeit rekapituliert. “Ich habe die Schule gehasst”, erzählt er dort und erlaubt sich das Urteil: “Alle, die sagen, sie wünschen sich die Schule zurück: Ihr macht etwas ganz gewaltig falsch in eurem Leben!”

Sein Geld verdient Meinecke mittlerweile vor allem über seine diversen Social Media Auftritte. Auf Youtube schaltet der Survival-Influencer Werbung vor den Videos, außerdem kommt auch Geld über Partnerschaften beziehungsweise Kooperationen in die Kassen. Bei der ersten Staffel von “7 vs. Wild” war beispielsweise der Handyhüllen-Hersteller Rhinoshield an Bord. Vor jeder der 16 Folgen war ein kurzer Spot des Unternehmens zu sehen. Außerdem hatte er in den vergangenen Monaten eine Kooperation mit dem “BW-Online-Shop”. Auf der Seite kann Survival-Ausrüstung gekauft werden. Mit dem Code “Fritz10” bekam man zehn Prozent Rabatt auf seine Bestellung. Solche Kooperationen hat Meinecke auch mit YFood, wo man Trinkmahlzeiten kaufen kann, mit dem Shop für Outdoor-Kleidung Revolution Race und Fishing King, einem Online-Shop, über den man Angelscheine machen kann. Hinzu kommt Geld aus seinem eigenen Online-Shop, in dem man unter anderem Kappen im “7 vs. Wild”-Design bekommt. Den betreibt aber nicht Meinecke selbst, sondern die MyMerch GbR.

Weitere Einnahmequelle sind die Kanal-Mitgliedschaften auf Youtube und Abonnements auf dem Streamingdienst Twitch. Bei beiden zahlen Nutzer eine regelmäßige Gebühr, die zum einen Teil Meinecke, zum anderen Teil den Plattformen zugutekommt.

Spitzname: Gemeinicke

Neben seinem extremen Content, dürfte auch zu seiner Bekanntheit beitragen, dass Meinecke immer mal wieder polarisiert. Zum einen gilt der 33-Jährige in seiner Community als sehr authentisch – zum anderen eckt er auch immer wieder an. Auch, weil er dazu tendiert, andere Meinungen gerne als “Bullshit” abzutun und selbst kaum ein Blatt vor den Mund nimmt. Von seiner Community auf Youtube hat der 33-Jährige deshalb den Spitznamen “Gemeinecke” bekommen. “Weil ich immer so ein bisschen stänker”, sagt er zu Kai Pflaume, als dieser ihn für seinen eigenen Youtube-Kanal “Ehrenpflaume” zu Hause besucht.

Klar ist: Meinecke macht und sagt, was ihm gefällt. Und manchmal muss er mit den Konsequenzen leben. Erst im Mai wurde Meinecke vom Amtsgericht Köln zu einer Geldstrafe über 60.000 Euro verurteilt. Ihm wird vorgeworfen, an einem illegalen Autorennen teilgenommen zu haben, ein Polizeivideo soll das beweisen. Meinecke hat das allerdings bestritten – nicht nur vor Gericht, sondern auch in einem eigenen Youtube-Video. Zusätzlich zum Autorennen-Vorwurf machte er sich dabei auch strafbar, weil er auch die Polizisten gefilmt und die Aufnahmen veröffentlicht hatte. Das Video wurde inzwischen gelöscht.

Im Sommer verlor der Youtuber außerdem einen seiner Kooperationspartner, nachdem er ein umstrittenes Video veröffentlicht hatte. Dabei handelte es sich um einen Teil einer Serie, in der der 33-Jährige seine Fahrradtour von Berlin nach Istanbul mit der Kamera begleitete. Auf dem Weg über Tschechien, die Slowakei, Ungarn, Serbien und Bulgarien kommt Meinecke an einer viel befahrenen Straße vorbei, an dessen Rand eine Frau in kurzer Hose und bauchfreiem Top steht. Als Meinecke an ihr vorbeifährt, kommentiert er die Szene mit “Ficki-ficki, fünf Euro.” Die Frau, bei der unklar ist, ob es sich bei ihr überhaupt um eine Prostituierte handelt, ist dabei unverpixelt und gut erkennbar. Zusätzlich hatte Meinecke einen Screenshot der Szene als Titelbild gewählt.

Nicht nur aus der Online-Community bekommt der Youtuber dafür viel Kritik, auch Meineckes Kooperationspartner Clark, eine Versicherungsapp, kündigt ihm daraufhin die Zusammenarbeit: „Wir haben entschieden, bis auf Weiteres keine Kooperationen mit Fritz Meinecke einzugehen“, erklärt eine Sprecherin auf Anfrage des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND).

Kritik prallt an ihm ab

Meinecke selbst zeigt sich daraufhin zunächst ziemlich uneinsichtig: „Wer das als sexistisch und respektlos empfindet, ist auf meinem Kanal falsch“, kommentiert der er den Fall in einer Instagram-Story. Etwas später entfernt er Szene und Titelbild dann doch aus dem Video – offenbar auch, weil Clark Druck gemacht hatte, wie eine Sprecherin gegenüber RND schildert. Als er dann kurze Zeit später auf Instagram von einem User gefragt wird, warum er “immer so toxic” sei, setzt Meinecke dann noch einmal nach und zieht unter anderem über eine „verweichlichte Gutmenschengesellschaft“ her. Er würde sich ohnehin schon oft zurückhalten, erklärt der 33-Jährige. Und weiter: “Wenn ich das jedes Mal aussprechen würde, was ich wirklich denke, wär ich vermutlich überall gebannt, hätte keine Kooperationspartner mehr und das Wort Shitstorm würde ein neues Level erreichen.”

Meineckes Eskapaden scheinen ihm allerdings nicht zu schaden. Sein Kanal wächst weiter. Aktuell gehört er zu den erfolgreichsten Youtubern Deutschlands.