Frischzellenkur bei Aldi


Pünktlich zum Start des Weihnachtsgeschäfts schenkt Aldi Süd seinen Filialen eine neue Optik. Seit heute werden Stück für Stück alle 1880 Filialen auf das neue Logo umgeflaggt. Auch die Handzettel mit den Aktionsartikeln tragen bereits das modernisierte Markenzeichen, genau wie die Weihnachtsausgabe des Kundenmagazins.

Der Aufwand dieser Frischzellenkur ist riesig. „Wir werden von den Schildern auf dem Filialparkplatz über unsere Einkaufswagen und Pfandautomaten bis hin zu Briefpapier und Visitenkarten alles sukzessive umrüsten“, so Kirsten Geß, Kommunikationsdirektorin des Discounters. Deswegen werden wohl noch länger beide Logos parallel zu sehen sein. Planmäßig soll die Umrüstung bis mindestens Ende kommenden Jahres dauern.


Einige neu gebaute oder komplett modernisierte Filialen tragen bereits das neue Logo. Das gilt für alle Märkte, die im Oktober neu- oder wiedereröffnet wurden. Dazu gehört beispielsweise die Filiale im Mülheimer Rhein-Ruhr-Zentrum.

Die Wechsel des Logos bedeutet eine historische Zäsur bei dem Discounter. Das bisherige Zeichen von Aldi Süd in seiner Urform wurde vor 35 Jahren eingeführt und hat seitdem nur geringfügige Veränderungen erlebt. Mit dem Logo von 1982 wurde erstmals auch die zwanzig Jahre zuvor erfolgte Trennung in Aldi Nord und Aldi Süd optisch klarer vollzogen.  


Im Jahr 2016 startete Aldi Süd eine Modernisierung des Marketings. Erstmals wurden sogar gemeinsame Fernsehspots mit Aldi Nord ausgestrahlt. Nun bekommt auch das Logo mit Unterstützung der Markenberatung Illion Markensocietaet eine Frischzellenkur. Das angeschnittene „A“ verliert seinen Rahmen und bekommt eine leicht dreidimensionale Anmutung. 

Darüber hinaus wird es künftig verschiedene Formate des Logos geben, beispielsweise ein Querformat und neue einfarbige Logo-Varianten. „Damit tragen wir den gestiegenen kommunikativen Anforderungen Rechnung“, so Kirsten Geß. „Das Logo kann flexibel in verschiedenen Medien eingesetzt werden."


Milliarden für die Modernisierung


Der chinesische Onlineshop von Aldi war bei der Umsetzung Pionier. Schon im März dieses Jahres bekam er das neue Logo verpasst. Die Websites der Aldi-Süd-Länder außerhalb Deutschlands, wie beispielsweise der österreichischen Tochter Hofer, präsentieren bereits seit Kurzem die neue Optik. Die deutsche Homepage stellte ihr Logo erst heute um.

Alle großen deutschen Discounter haben in jüngster Zeit massiv in die Modernisierung des Filialnetzes investiert. Aldi Süd zum Beispiel hat bereits ein Viertel aller Märkte in Deutschland nach dem Konzept „Filiale der Zukunft“ umgebaut. Seit Mai 2016 baut Aldi Süd seine Supermärkte um, Ende 2019 soll das Projekt abgeschlossen sein.


Das hat die Schwester Aldi Nord unter Druck gesetzt. Vor kurzem haben die Gesellschafter dort für ein Modernisierungsprojekt ein Budget von 5,2 Milliarden Euro bewilligt. In den kommenden Jahren sollen alle 2300 Märkte in Deutschland umgebaut und modernisiert werden. Vorbild für dieses Konzept, das intern „ANiKo“ genannt wird, ist eine Testfiliale in Herten. Eine Modernisierung des Aldi-Nord-Logos ist jedoch dabei nicht geplant

Kurz vor Weihnachten folgt Aldi dann als einer der letzten großen Einzelhändler auch dem Trend zu Geschenk- und Gutscheinkarten, die in den vergangenen Jahren als Präsent immer beliebter wurden. Die Gutscheinkarten im Wert von bis zu 100 Euro sollen bis Mitte November in allen Filialen des Billiganbieters erhältlich sein, wie die Tochterunternehmen Aldi Nord und Aldi Süd am Montag ankündigten.


Konkurrenten wie Edeka, Rewe oder Lidl haben solche Karten schon längst im Angebot. Auch Warenhäuser, Modehändler wie H & M, die Parfümeriekette Douglas oder der Möbelhändler Ikea bieten diesen Service seit Jahren an. „Wir sind von vielen unserer Kunden immer wieder gezielt gefragt worden, wann es neben den Gutscheinen anderer Marken auch endlich Geschenkkarten von und für Aldi gibt“, begründete die Aldi-Süd-Managerin Natascha Vrchoticky den Schritt. Die Gutscheinkarten können unabhängig davon, ob sie bei Aldi Nord oder Aldi Süd gekauft wurden, deutschlandweit eingelöst werden..

KONTEXT

Warum Aldi billig ist

Es ging ums Sattwerden

Es ist eine Gretchenfrage: Wie viele Artikel biete ich meinen Kunden an? 1946 ging es um nichts mehr als ums Sattwerden. Die Aldi-Brüder schauten auf ihren Tages- und Wocheneinkauf. Erst im Laufe der Jahre kamen Non-Food-Artikel hinzu - anfangs waren sie verpönt.

Zahl der Artikel

Mit der Zeit pendelte man sich bei 400 Artikeln ein. Inzwischen - in Zeiten der feiner werdenden Nuancen - ist die Zahl auf 900 Artikel gewachsen. Der Stellplatz in den Filialen hat natürliche Grenzen. Zudem ist Produktpflege ein aufwändiges Geschäft.

Das oberste Gebot

Von Beginn an galt bei den Albrechts das Gebot der Warengleichheit: In allen Filialen sollten die Kunden dieselben Produkte finden. Schnell ging es soweit, dass sie es sogar an derselben Stelle fanden.

Die Revolution

Eine echte Revolution war die Einführung von Kühlware in den 70er-Jahren. Sowohl bei Aldi Nord als auch bei Aldi Süd gingen Grundsatz-Diskussionen voraus. Entgegen der Behauptungen gab es darüber aber keinen brüderlichen Zwist. Allerdings musste der vorpreschende Karl Überzeugungsarbeit leisten beim abwägenden Theo. Doch die Kühltruhe kam, erst im Kleinformat, dann immer mehr.

Markenartikel? Nein, Danke!

Seit Jahren macht andere Discounter wie Netto (vorher Plus) gute Geschäfte mit Markenartikeln. Aldi hat stets eine Aversion gegen sie gehabt. Auf der anderen Seite taten sich die Hersteller von Markenartikeln anfangs auch sehr schwer, bei einer Billigkette zu listen, als die Aldi galt.

Aldis Problem

Vereinfacht gesagt besteht Aldis größtes Problem darin, die erforderlichen Liefermengen von mehreren Anbietern zu beziehen. Bei vergleichenden Qualitätsstandards heißt es immer wieder: Bedarfsdeckung versus Preis. Gerade zu Ostern und Weihnachten ist es eine Sisyphusarbeit in Planung und Organisation, für ausreichend Waren zu sorgen und sie auf die Filialen zu verteilen.

Harte Gespräche mit Lieferanten

Die Preisfindung in diesem "Wettkampf" ist das eigentliche Erfolgsrezept Aldis. Als Marktführer, ausgestattet mit dem Hebel der Mengemacht, hat man hier natürlich Vorteile. Dabei bündeln Aldi Nord und Aldi Süd ihre Einkaufsstrategie in vielen Sortimenten. Auf der anderen Seite hat Aldi auch kein Interesse, die Lieferanten so sehr zu schröpfen, dass sie in den Ruin gehen.

Die große Verlockung

Lieferanten unterliegen leicht der großen Verlockung, mit Aldi so zu verhandeln, dass die eigentlichen Kapazitätsgrenzen überschritten werden. Zwar kann man mit Aldi vermögend werden, aber das Risiko, sich zu sehr abhängig zu machen, ist groß. Denn Aldi streicht durchaus schnell einen Lieferanten. Fachleute raten dazu, maximal 50 Prozent seiner Produkte an Aldi zu verkaufen.

Das Preisdiktat

Die Wettbewerber sind dem Preisdiktat ausgesetzt. In den vergangenen Jahres war gut zu beobachten, was passiert, wenn Aldi die Preise für Alltagsprodukte wie Milch senkte: Die Konkurrenz zog innerhalb weniger Stunden nach. Preisvergleich und Preispolitik sind Tagesaufgaben.

Wie preissensibel ist der Kunde

Doch warum agieren die Discounter eigentlich so nah am "gerechten Preis"? Die Frage ist durchaus berechtigt, denn die Durchschnittskunde ist eigentlich sehr wenig mit den Preisen vertraut. Er stellt seinen Warenkorb den Bedürfnissen und Gepflogenheiten zusammen. Die meisten gehen nicht mit offenen Augen durch die Läden. Angebote werden auch bei Aldi sehr deutlich mit andersfarbigen Schildern gekennzeichnet, damit sie überhaupt auffallen. Umso wichtiger ist also, dauerhaft der Preisführer zu sein - und dieses Image zu pflegen.