Friedrichshain: "Mainzer Straße wird wieder geräumt"

Mainzer Straße in Friedrichshain - Anwohner demonstieren gegen das Stuhl-und Tischverbot

An den Häusern hängen Bettlaken, sie tragen Aufschriften wie: "#kiez-Charakter – die Straße gehört uns." Eine Band spielt, etwa 150 Anwohner sind zur Protestaktion gekommen. Vor dem Café "Fliegender Tisch" in Friedrichshain tritt Martin Böhm, einer der Initiatoren der Aktion, ans Mikrophon und sagt: "Wieder einmal wird die Mainzer Straße geräumt." Legendär der Tag, als die Berliner Polizei im November 1990 dort besetzte Häuser räumte. Der Einsatz endete mit einer Straßenschlacht. Dieses Mal geht es aber darum, ob die Anwohner weiterhin draußen im Café sitzen können.

Das Ordnungsamt hatte verfügt, dass das Sondernutzungsrecht für Gewerbetreibende vor den Häusern in der Straße Ende Juni ausläuft. Der zuständige Stadtrat Andy Hehmke (SPD) hat es nun aufgrund der Proteste der Anwohner bis August verlängert. Seitdem steht das Gemüse wieder draußen, und die Sommerabende sind vorerst gerettet. Es geht um Zentimeter. Laut Ordnungsamt ist die Mainzer Straße zu schmal, 70 Zentimeter sind nötig für Tische und Stühle, und es muss eine "Laufbahn" von mindestens 1,50 Meter verbleiben. Und noch genügend Platz daneben – für Poller zum Beispiel. "Ein Kiez wird stillgelegt mit dem Zollstock", sagt Böhm.

Dass er es nicht leicht haben wird, ist Stadtrat Hehmke bewusst. "Ich bin gern gekommen und hoffe, ich komme wieder heil weg", sagt er am Sonnabend. Für ihn ist der Fall einmalig: "Überall im Bezirk lauten die Beschwerden anders: Die Anwohner wollen den Kneipenlärm weghaben", sagt Hehmke. Er werd...

Lesen Sie hier weiter!