Friedhof Melaten: Restaurierung der Trauerhalle wäre möglich, doch Stadt macht nichts

Die alte Trauerhalle auf dem Friedhof Melaten verfällt zusehends.

Nirgends auf der Welt hat alles so sehr zwei Seiten wie in Köln. Nehmen Sie die sprichwörtliche Liebe der Bürger zu ihrer Stadt. Kritiker verwenden dafür das hässliche Wort „Selbstbesoffenheit“. Ich halte eine Bereitschaft zum bürgerschaftlichen Engagement dagegen, die ihresgleichen sucht.

Die Kölner sind überdurchschnittlich bereit, sich für die Stadt und ihre Denkmäler einzusetzen. Das fängt beim Zentral-Dombau-Verein an, der mit seinen mehr als 16.000 Mitgliedern vergleichbare Initiativen nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa vor Neid erblassen lässt. Ich hebe aber auch die vielen kleinen und größeren Freundeskreise hervor, die sich um Objekte kümmern, für die an sich die Stadt zuständig wäre, das aber nicht kann oder will.

Engagierte Bürgergruppen werden hängen gelassen

Hier tritt nun leider noch eine typische dritte Seite der Situation in Köln hervor: Engagierte Bürgergruppen finden bei der Stadtverwaltung nicht die Unterstützung, die sie verdienen. Im Gegenteil: Sie werden vertröstet, hängen gelassen oder gar brüskiert. Der Fall, den ich heute beklagen möchte, ist das Schicksal der alten Trauerhalle auf dem Friedhof Melaten.

Sie wurde 1880/81 nach Entwürfen des Kölner Diözesanbaumeisters Heinrich Wiethase (1833 bis 1893) in neoromanischen Formen errichtet und öffnet sich zum Hauptweg in drei rundbogigen Arkaden. Als 1950 der Haupteingang in die Piusstraße verlegt und dort eine neue, größere Trauerhalle errichtet wurde, war die alte überflüssig. Sie wurde als Abstellkammer für allerlei Gerümpel zweckentfremdet und verfällt zusehends.

Alte Halle sollte Begegnungszentrum werden

Schon 2001 wollte Josef F. Terfrüchte, Geschäftsführer der Genossenschaft Kölner Friedhofsgärtner diesen schlimmen Zustand beenden und die alte Halle zu einem Begegnungszentrum weiterentwickeln. Seither gab es allerlei – fruchtlose – Gespräche mit der Stadtverwaltung.

Der frühere Oberbürgermeister und Kölner Ehrenbürger Norbert Burger, dem die Trauerhalle sehr am Herzen lag, bestimmte, dass anlässlich seiner Beisetzung für den Erhalt und die „Wiederbelebung“ des maroden Gemäuers gesammelt werden sollte. So kamen 2012 fast 20.000 Euro zusammen. Sie liegen seit nunmehr fünf Jahren unangetastet auf dem Konto der Friedrich-Carl-Heimann-Gesellschaft, die sich um die Erhaltung von Denkmälern in der Stadt bemüht und sich auch die Sanierung der Trauerhalle zu eigen machen würde.

Zerstörung durch Nichtstun

Wenn die Stadt sie nur ließe! Doch es geschieht nichts. Angeblich sucht das Liegenschaftsamt einen Investor, der die Trauerhalle zu einem Kolumbarium zur Aufnahme von Urnen umgestalten soll. Dagegen wäre gar nichts zu sagen, wenn diese Auskunft nicht inzwischen schon dreieinhalb Jahre alt wäre. Nach meinen Recherchen gehört die Trauerhalle zum Sondervermögen des Amts für Gebäudewirtschaft, das seinerseits ein Bauzustandsgutachten erstellen und das Projekt Kolumbarium ausschreiben soll.

Einen Brandbrief von Josef Terfrüchte an die Oberbürgermeisterin aus dem Frühjahr dieses Jahres beschied Henriette Rekers Büro mit der lapidaren Antwort, sein Schreiben sei „an die Dezernate“ weitergeleitet worden. An welche, stand nicht dabei. Vielleicht dachten die Verfasser des Briefs ja, der Empfänger könne sich schon glücklich schätzen, dass er überhaupt einer Antwort für würdig befunden wurde.

Das soll in Korrespondenzen mit der OB keineswegs immer der Fall sein. So macht man engagierte Bürger eher zu Wutbürgern. Die Initiative ist da, die Leute stehen bereit, Geld ist vorhanden – doch von der Stadt nur Leerlauf im Dickicht der Dezernate. Und die Gebäude, um die es geht, verfallen weiter. Das Trauerspiel um die Trauerhalle bestätigt, was ich – mit dem Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz – „administrativen Vandalismus“ nenne, Zerstörung durch Nichtstun.

Ingenieure untersuchen alle 49 Kölner Trauerhallen

49 Trauerhallen gibt es auf den 55 kommunalen Friedhöfen in Köln. Im Jahr 2016 fanden dort insgesamt 4591 Trauerfeiern statt. Der Zustand der Trauerhallen variiert nach Angaben der Stadt abhängig von ihrem Alter und ihrer baulichen Qualität. Im Rahmen einer Qualitätsoffensive habe die Friedhofsverwaltung 2016 bei besonders stark genutzten Hallen in Beleuchtung, Bestuhlung und Dekoraktion investiert. Zudem habe die Gebäudewirtschaft im Februar 2017 ein Ingenieurbüro damit beauftragt, alle Trauerhallen auf ihren baulichen Zustand zu untersuchen.

Zurzeit saniert wird die Trauerhalle in Porz-Urbach. Die Sanierung der Betonpfeiler im Eingangsbereich der neuen Trauerhalle auf Melaten und ein neuer Fassadenanstrich stehen laut Stadt auf der Agenda. (elb)...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta