Friedensvertrag mit FARC spaltet Kolumbianer

Papst Franziskus besucht ein gespaltenes Land. Rund die Hälfte der Bevölkerung unterstützt den Friedensvertrag, den Präsident Juan Manuel Santos mit den FARC ausgehandelt hat. Alle anderen, oft Anhänger des Ex-Präsidenten Álvaro Uribe, sind gegen ihn. Der Geistliche, Vater Darío Echévarri, hat an den Friedensverhandlungen teilgenommen:

“Die Regierung will, dass der Papst mit seiner moralischen Autorität, all das unterstützt, was die Regierung getan hat und wofür sie all das riskiert hat. Ich verstehe das. Aber ich, als Priester, würde mir wünschen, dass der Papstbesuch nicht dort stecken bleibt, nicht darauf beschränkt bleibt.”

Für etwa 6.000 Opfer des blutigen Konflikts gibt es einen Akt der Versöhnung mit Papst Franziskus. Consuelo González wurde sieben Jahre lang von den FARC gefangen gehalten. Aus ihrer Sicht ist Versöhnung nötig, um einer zunehmenden Polarisierung vorzubeugen. Diese bereitet ihr Sorgen:“In den Familien wurde viel Schaden angerichtet. Freundschaften wurden zerstört. Wertvolle Beziehungen leiden bis heute unter den Auswirkungen, wegen der Einstellung gegenüber dem Friedensprozess. Wir können nicht zulassen, dass Kolumbien weiterhin in einer Ära des Hasses lebt.”

Angela Giraldo, deren Bruder Francisco von den FARC getötet wurde, denkt, dass den Opfern mehr Gehör geschenkt werden sollte: “Die FARC werden Sitze im Kongress haben, um einige der Punkte des Friedensvertrags zu erfüllen. Wir, die Opfer, werden keine Repräsentanten im Kongress haben.”

Nicht alle, die unter den FARC gelitten haben, sind für den Friedensvertrag, erklärt Giraldo:

“Die Opfer, die sich gegen den Friedensprozess wenden, tun das, weil sie in Kolumbien nach wie vor in einer Atmosphäre der Konfrontation leben. Einige verstehen das auf politische Weise und denken, wenn sie Präsident Santos unterstützen, unterstützen sie den Friedensprozess und wenn sie ihn ablehnen, sind sie für Präsident Uribe.”

Eine Spaltung, die die Kolumbianer täglich spüren.

“Die Polarisierung in Kolumbien könnte im Vorfeld zur anstehenden Präsidentenwahl 2018 wachsen. Diejenigen, die gegen den Friedensvertrag sind, haben bereits angekündigt, dass sie ihn – im Falle eines Wahlsiegs – aufheben wollen. Es ist kaum vorstellbar, dass der Papstbesuch beide Seiten versöhnen kann. Héctor Estepa für Euronews aus Kolumbien.”

Dear Friends, please pray for me and all of Colombia, where I will be travelling for a journey dedicated to reconciliation and peace.— Pope Francis (@Pontifex) September 5, 2017