Mein Freund war der Corona-Impfung gegenüber skeptisch und wollte sie nicht — so habe ich ihn überzeugt

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Ceoli Jacoby.
Ceoli Jacoby.

Dieser Text beruht auf einem Gespräch mit Ceoli Jacoby, einer 20-jährigen Studentin der University of Maryland. Er wurde aus Gründen der Länge und Klarheit überarbeitet.

Mein Freund und ich haben uns im Februar 2020 kennengelernt, kurz bevor die Pandemie auch bei uns ausgebrochen ist. In den vergangenen 18 Monaten haben wir darauf geachtet, Masken zu tragen und uns sozial zu isolieren. Im März dieses Jahres, als der Impfstoff in den USA für die Öffentlichkeit freigegeben wurde, erfuhr ich, dass mein Freund sehr skeptisch war und sich nicht impfen lassen wollte.

Als Kind hatte mein Freund nach einer Meningitis-Impfung eine Muskelschwäche in seinem Oberarm entwickelt, die sich zu einer kleinen Beule entwickelt hatte. Seine Symptome wurden damals der US-Gesundheitsbehörde gemeldet. Obwohl er zum Zeitpunkt seiner Erkrankung noch sehr jung war, hat ihn diese Erfahrung sehr geprägt. Wie er mir sagte, war das der Hauptgrund für sein Zögern gegenüber dem Covid-19-Impfstoff.

Nebenwirkungen, die noch lange nach der Impfung auftreten können, gehören zu den häufigsten Gründen für eine zögerliche Haltung gegenüber dem Impfstoff. Aus wissenschaftlicher Sicht sind sie jedoch höchst unwahrscheinlich.

Ich hatte noch nie eine schlechte Reaktion auf einen Impfstoff. Jedes Jahr lasse ich mich gegen Grippe impfen und habe auch die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs bekommen, als ich dafür in Frage kam. Im April habe ich mich mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson impfen lassen.

Im März haben wir angefangen, über die Impfstoffe zu diskutieren

Da es mir ein Anliegen ist, dass mein Freund nicht durch Fehlinformationen beeinflusst wird, habe ich ihm die aktuellsten Informationen und Statistiken zur Verfügung gestellt, um seine Fragen zu beantworten. Die anfänglichen Bedenken meines Freundes bezüglich des Impfstoffs rührten daher, dass er die Langzeitwirkungen nicht kannte und nicht zu den "ersten Anwendern" gehören wollte.

Ich versuchte ihm zu versichern, dass dies ein weit verbreiteter Gedanke ist. Gleichzeitig konnte ich ihm erklären, dass mögliche Nebenwirkungen sehr selten sind und sich innerhalb von sechs Wochen bemerkbar machen würden. Er sagte mir, dass er nach sechs Monaten die Situation neu einschätzen würde.

Unsere Gespräche hörten damit aber nicht auf. Im Laufe des Sommers besuchten wir ein paar Veranstaltungen im Freien. Die erste war die Abschlussfeier meiner Schwester. Da mein Freund die einzige ungeimpfte Person dort sein würde, habe ich ihn gebeten, eine Maske zu tragen und er war einverstanden. Als wir dann die Hochzeit eines Freundes besuchten, zählte er wieder zu den wenigen ungeimpften Personen, was zu einigen Spannungen führte.

Manchmal hörte oder las mein Freund Fehlinformationen über Impfstoffe

Als bekannt wurde, dass der Impfstoff in seltenen Fällen eine Herzerkrankung, die Myokarditis, auslösen kann, meinte mein Freund, da er schon einmal eine schlechte Reaktion auf einen Impfstoff hatte, könnte er auch diese Krankheit bekommen. Ich wollte sichergehen, dass er die richtigen Informationen hatte, also begann ich mich über Myokarditis zu informieren und Statistiken zusammenzustellen, um sie ihm mitzuteilen.

Ich habe herausgefunden, dass das Risiko an einer Myokarditis zu erkranken bei Covid-19-Impfstoffen verschwindend gering ist: Es liegt bei etwa 0,004 Prozent für junge Männer. Außerdem ergab eine Studie, dass 2,7 Prozent der jungen Erwachsenen zwischen 18 und 29 Jahren, die mit Covid-19 ins Krankenhaus eingeliefert wurden, starben. Ich habe ihm gesagt, dass es natürlich sein kann, dass er eine unerwünschte Reaktion hat.

Aber es ist statistisch gesehen wahrscheinlicher, dass er sein Leben durch das Coronavirus verliert — oder lebensverändernde Langzeitsymptome durch die Ansteckung mit dem Virus bekommt — als dass er durch den Impfstoff eine seltene Herzerkrankung erleidet.

Es ist 6 Monate her, dass er sagte, er würde die Impfung überdenken, und er bekam seine erste Dosis letztes Wochenende. In den vergangenen Monaten hatte ich ihm immer wieder nahegelegt, sich impfen zu lassen. Ich habe ihm gesagt, dass er sich und seine Familie nur noch mehr in Gefahr bringt, wenn er die Sache hinauszögert. Doch ich wusste auch, dass ich ihm kein Ultimatum stellen durfte.

Ich wollte seine Bedenken zu verstehen und alle Mythen zu zerstreuen, die diese Bedenken nähren

Ich hatte Angst, dass er sich mit Covid-19 anstecken würde und angesichts der neuen Erkenntnisse über die Delta-Variante ist es durchaus möglich, dass ungeimpfte Menschen das Virus auf geimpfte Menschen übertragen.

Dennoch fällte ich kein moralisches Urteil, wenn wir über den Impfstoff und seine Zweifel sprachen. Ich habe verstanden, dass ich in erster Linie versuchen sollte, seine Bedenken zu verstehen und alle Mythen zu zerstreuen, die diese Bedenken nähren.

Es war zwar frustrierend, darauf zu warten, dass mein Freund sich mit der Impfung anfreunden konnte, aber ich konnte seine Bedenken auch verstehen. Es mag leichter erscheinen, Angehörige, die dem Impfstoff zögernd gegenüberstehen, vorübergehend zu meiden. Doch damit schneidet ihr ihnen eine wichtige Informationsquelle ab und fördert die Gefahr, dass sie sich noch mehr in Fehlinformationen verlieren und sich ausgegrenzt fühlen.

Nehmt euch die Zeit, um herauszufinden, warum sie zögern und versorgt sie mit korrekten Informationen. Es ist nach wie vor dringend, dass sich mehr Menschen impfen lassen.

Dieser Artikel wurde von Ilona Tomić aus dem Englischen übersetzt und editiert. Das Original lest ihr hier.

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