Thiem: "Normal, dass man in gewisse Löcher fällt"

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Thiem: "Normal, dass man in gewisse Löcher fällt"
Thiem: "Normal, dass man in gewisse Löcher fällt"

In diesem Jahr startet das wichtigste Sandplatzturnier der Welt am 30. Mai, eine Woche später als ursprünglich geplant. (NEWS: Alles zum Tennis)

Wie 2020, als die French Open erst im Herbst ausgetragen wurden, hat erneut die Corona-Pandemie für eine Abkehr vom Gewohnten gesorgt. Wenn es in den vergangenen Jahren galt, die größten Herausforderer von French-Open-Rekordsieger Rafael Nadal beim Turnier in Paris zu benennen, fiel fast immer ein Name: Dominic Thiem. Doch der Österreicher hat turbulente Monate hinter sich.

Die coronabedingte, erzwungene Pause hinterließ bei dem 27-Jährigen Spuren. Thiem gab offen zu, dass ihm dies auch psychisch zu schaffen machte. "Ich denke es ist wichtig, auch über mentale Probleme zu reden. Genauso wie es körperliche Verletzungen gibt, gibt es auch mentale Probleme", sagte der Weltranglistenvierte am Rande des ATP-Turniers in Lyon im Gespräch mit SPORT1.

"Der ganze Sport – ob jetzt Corona ist oder nicht – ist extrem komplex und anstrengend. Da ist es normal, dass man nicht immer gut drauf ist und manchmal auch in gewisse Löcher fällt", so Thiem weiter.

Geschadet habe ihm seine Offenheit nicht, negative Reaktionen blieben aus. "Im Endeffekt habe ich es offen ausgesprochen und es ist nichts passiert danach. Ich glaube, dass alle Sportler ziemlich offen über das Thema reden können", machte Thiem seinen Sportlerkollegen Mut.

Thiem: Erfolgreiche Rückkehr auf ATP Tour in Madrid

Nach rund eineinhalb Monaten Pause kehrte der derzeit beste österreichische Tennisspieler erst Anfang Mai auf die ATP Tour zurück. Beim Masters in Madrid erreichte er auf Anhieb das Finale, wo er seinem Kumpel Alexander Zverev unterlag. In Rom war im Viertelfinale Endstation gegen den italienischen Überraschungsmann Lorenzo Sonego.

Insgesamt sei das Herrentennis enger zusammengerückt, bemerkte Thiem gegenüber SPORT1: "Ich finde generell zur Zeit das Niveau extrem hoch. Wenn man nicht voll da ist, kann im Hauptfeld eines Grand Slams oder Masters gegen jeden Gegner Schluss sein."

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Das bestätigte sich sogar beim etwas kleineren Turnier in Lyon. Nach Freilos zum Auftakt verlor Thiem glatt in zwei Sätzen gegen den britischen Underdog Cameron Norrie. Nach dem Match war der French-Open-Finalist von 2018 und 2019 bedient und sprach von "einem großen Rückschlag". Mit der erhofften Matchpraxis wurde es nichts.

Für Roland Garros hat sich der Österreicher trotzdem einiges vorgenommen. Auch wenn er nach seiner Pause "noch nicht bei 100 Prozent" Leistungsvermögen sei. "Es wird schwer. Ich bin sicher nicht so gut in Form wie 2019", gestand der US-Open-Champion bei SPORT1.

"Aber ich bin sicher jetzt ein besserer Spieler als 2016 und 2017, wo ich das Halbfinale erreicht habe." Thiem will über den Kampf zum Erfolg kommen: "Ich hoffe, dass ich gut ins Turnier reinkomme und mich schön reinarbeite. Aber es gibt keine Garantie - alle Spieler sind extrem stark, ich muss von Anfang an voll da sein."

Thiem: Nadal spielt in Paris "immer sein bestes Tennis"

Der große Favorit bei den French Open bleibt für ihn Rafael Nadal. "Ich finde, dass er in Paris immer noch ein Level besser spielt als überall sonst. Ich glaube, dass seine ganze Trainingsplanung auf Roland Garros abzielt und er dort immer sein bestes Tennis spielt. Nadal ist auch dieses Jahr wieder der absolute Topfavorit. Er bietet so gut wie keine Angriffsfläche, ansonsten wäre er auch nicht so schwer zu schlagen", analysierte Thiem.

Gerade bei den Grand-Slam-Turnieren sei die Hürde, Nadal oder einen anderen der "großen Drei" zu bezwingen, besonders hoch. "Bei den Masters-Turnieren oder den ATP Finals kann alles passieren. Da ist die Wahrscheinlichkeit, dass einer der 'Next Gen' oder ein jüngerer Spieler gewinnt, genauso groß wie ein Sieg von den 'Big three'", so Thiem. (Die ATP-Weltrangliste)

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"In einem Grand-Slam-Finale ist es noch einmal etwas anderes, weil man eine unglaubliche Leistung nicht über zwei oder drei Sätze, sondern über drei bis fünf Sätze durchspielen muss", erklärte der Hoffnungsträger der Alpenrepublik.

"Und das machen Nadal, Djokovic und Federer. Die 'großen Drei' dann best-of-five zu schlagen, ist richtig schwer. Und wenn du ein Grand Slam gewinnen willst, musst du dann nicht nur einen, sondern eher zwei von ihnen besiegen."

Thiem: "Wir müssen unsere eigene Geschichte schreiben"

Den ersehnten Grand-Slam-Erfolg konnte Thiem trotzdem bereits einfahren. In einem denkwürdigen Fünf-Satz-Krimi rang er im Finale der US Open 2020 Alexander Zverev nieder. Ein Traum wurde wahr. "Es hat schon Druck von mir genommen", gab Thiem bei SPORT1 zu.

"Weil der Grand-Slam-Sieg ein unfassbar großes Ziel war und ich so froh bin, dass ich den hab. Denn wenn man jetzt nicht Djokovic, Nadal oder Federer heißt, gibt es keine Garantie für einen Grand-Slam-Titel."

Andererseits sei die allgemeine "Erwartungshaltung jetzt größer geworden: Ein Viertelfinale oder Halbfinale bei einem Grand Slam ist nicht mehr zufriedenstellend. Es zählt nur noch der Sieg, das macht die Sache natürlich schwer."

Um in die Fußstapfen der "Big three" zu treten, fehlen Thiem noch ein paar Grand-Slam-Titel. Der Österreicher sieht den ewigen Vergleich aber mit der gebotenen Demut. "Federer, Nadal und Djokovic sind mit Abstand die drei besten Spieler aller Zeiten. Ich glaube nicht, dass es so eine Ära wie von den Dreien noch einmal geben wird. Gewisse Rekorde wie Nadal bei den French Open, Federer in Wimbledon und Djokovic bei den Australian Open, können leicht Rekorde für die Ewigkeit sein."

Thiem hat ein anderes Ziel: "Wir müssen einfach schauen, dass wir unsere eigene Geschichte schreiben und gut performen. Hoffentlich gelingt uns das."