French Connection bringt Bayern zum Schwärmen

Martin Volkmar

Dass er ein Mann der alten Schule, aber keineswegs von gestern ist, hat Jupp Heynckes gegen Paris St. Germain einmal mehr unter Beweis gestellt.

Der 72-Jährige setzte gegen das vorher in der Champions League ungeschlagene Starensemble auf einen Motivationstrick aus der Mottenkiste - und hatte damit durchschlagenden Erfolg.

Erstmals brachte der Trainer des FC Bayern München in Franck Ribery, Corentin Tolisso und Kingsley Coman alle drei Franzosen in der Startelf. Das Trio zahlte das Vertrauen mit einer starken Leistung beim 3:1-Prestigeerfolg zurück (Die Ergebnisse des Spieltags).


"Ich freue mich besonders für alle drei", sagte Heynckes danach und geriet regelrecht ins Schwärmen über seine French Connection:

"Ich gönne es Franck Ribery, der nach langer Verletzungspause zum ersten Mal wieder auf großer Bühne zu sehen war. Dann Corentin Tolisso, der sich immer besser integriert, immer besser spielt und vor allem auch sehr große Torgefahr entwickelt. Und Kingsley Coman hat super gespielt, besser kann man fast nicht spielen."

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Sonderlob für Tolisso

Damit hatte der Routinier relativ präzise den Auftritt zuvor zusammengefasst. Wobei Heynckes ein Sonderlob für Doppel-Torschütze Tolisso übrig hatte:

"Er hat in den letzten Wochen immer wieder angedeutet, dass er ein großartiger Fußballer ist und einen guten Abschluss hat. Er hat überragend trainiert und das heute auch gezeigt."

Nach einer eher mühsamen Eingewöhnungszeit zeigt der 23-Jährige, warum die Münchner für ihn im Sommer die Rekordablöse von 41,5 Millionen Euro an Olympique Lyon überwiesen. Mit einer guten defensiven Absicherung kann Tolisso seine Qualitäten als Umschaltspieler offenbar am besten ausspielen (Das Spiel im TICKER zum Nachlesen).


"Auch bei Lyon habe ich unter Beweis gestellt, dass ich torgefährlich bin. Es war die Arbeit der ganzen Mannschaft", blieb der Man oft he Match bescheiden. "Wir wollten das 0:3 unbedingt gutmachen." (Die Tabelle der Gruppe B)

PSG als zusätzlicher Kick

Tolisso gab zudem zu, dass die große Aufmerksamkeit in seiner Heimat ein zusätzlicher Kick für ihn und seine Landsleute gewesen sei: "Das darf natürlich von der Motivation her nicht anders sein, denn wir müssen alle Spiele gleich motiviert angehen. Aber trotzdem: Gegen eine französische Mannschaft zu spielen und dann noch gegen PSG, das ja Mitfavorit auf den Titel ist, das ist doch etwas Besonderes."


Einen großen Anteil an seiner aufsteigenden Formkurve sieht Tolisso bei Oldie Ribery. "Er spricht viel mit Kingsley und mir, er motiviert uns. Das gibt mir Vertrauen. Franck ist ein Leader."

Ribery hatte Spaß

Der 34-Jährige, dessen Vertrag ausläuft, durfte die Bayern nach rund zweimonatiger Verletzungspause sogar als Kapitän aufs Feld führen und zeigte sich bis zu seiner Auswechslung nach 66 Minuten überraschend spritzig.

"Jupp kennt mich. Ich habe unter der Woche gut gearbeitet. Für 90 Minuten ist es noch zu schwierig und wir wollen auch kein Risiko eingehen", erklärte Ribery (Stimmen zum Spiel). "Aber es war schön. Ich hatte Spaß auf dem Platz. Und es war sehr prestigeträchtig, gegen Paris St. Germain zu gewinnen."

Coman angeschlagen

Zu verdanken war das zu einem Großteil auch dem einst in der PSG-Jugendakademie ausgebildeten Coman, der die wichtigen Treffer zum 1:0 durch Robert Lewandowski sowie zum 3:1 vorbereitete und auch sonst wieder kaum zu stoppen war.


"King hat sich auch super entwickelt. Was er für eine Geschwindigkeit hat, ist unglaublich", staunte Hasan Salihamidzic. Getrübt wurde seine gute Laune nach der Gala ("Wir haben gezeigt, dass mit uns zu rechnen ist") nur von der Oberschenkelverletzung des Flügelflitzers.

"Wir werden es nochmal untersuchen. Aber es ist zumindest nichts Schlimmes, glaube ich", sagte Salihamidzic. Wäre auch ärgerlich für die Bayern, wenn ihr französisches Trio Infernale wieder auseinandergerissen würde.