Freiwillige Drosselung: Netflix und YouTube entlasten das Netz

teleschau

Während der Corona-Krise wird deutlich mehr gestreamt als zuvor, der Datenverkehr könnte für eine Überlastung sorgen. Um wichtigere Dienste zu gewährleisten, reagierten Netflix und YouTube nun.

Die Quarantäne sorgt für viel Langeweile. Was liegt da näher, als sich eine Serie auf Netflix anzuschauen oder ein bisschen auf YouTube zu surfen? Dass sich das in der Corona-Krise viele Menschen denken, könnte zu Problemen führen. So hat die EU-Kommission die Befürchtung, das viele Streaming der unfreiwilligen Stubenhocker könnte das Internet verstopfen und wichtige Dienste wie Videotelefonie behindern. Im äußersten Notfall ist es Internet-Providern wie der Telekom möglich, Netflix und YouTube zu verlangsamen oder gar zu blockieren. Etwaigen Maßnahmen kamen die Unternehmen nun zuvor.

So handelte Netflix-Chef Reed Hastings am Donnerstagabend umgehend nach einer persönlichen Bitte von Thierry Breton, dem EU-Kommissar für den Binnenmarkt. Gemeinsam mit Breton gab Netflix eine Erklärung heraus. Auf die "außerordentlichen Herausforderungen durch das Coronavirus" werde man mit der Reduzierung der Bitraten reagieren. Rund 25 Prozent des Netflix-Datenverkehrs in europäischen Netzen könne auf diese Weise eingespart werden. Seine Kunden beruhigte Netflix mit dem Hinweis, das Unternehmen würde weiterhin eine "gute Qualität" seines Angebots gewährleisten.

Am Freitag zog dann auch YouTube nach und zog Konsequenzen aus dem gestiegenen Datenverkehr, der vor allem in stark von Corona betroffenen Ländern wie Italien und Spanien auffällig ist. Das Unternehmen erklärte, man wolle den "Stress im System" reduzieren. Deshalb würde die Standardauflösung SD zur neuen Video-Norm.

Netzneutralität gefährdet?

Der Chef des deutschen IT-Verbandes Bitkom freute sich im "Handelsblatt" über die Offensive der EU-Kommission: "Eine Verringerung der Videoauflösung kann diese Belastung erheblich reduzieren und damit gleichzeitig die grundsätzliche Verfügbarkeit der Angebote sicherstellen", so Achim Berg.

Aber gilt hier nicht die Regel der Netzneutralität, wonach kein Bit dem anderen gegenüber bevorzugt behandelt werden darf? Die Leitlinien zur Umsetzung der europäischen Netzneutralitätsregeln durch die nationalen Regierungsbehörden bieten eine Möglichkeit, diese auszuhebeln. "In Ausnahmefällen und nicht länger als erforderlich" dürfen Internet-Anbieter Dienste drosseln und sogar blockieren.

Gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" bestätigten die EU-Kommission sowie die zuständige EU-Regulierungsstelle Berec am Donnerstag: "Dies könnte relevant werden nach den Einschränkungen, die die Mitgliedsstaaten gegen die Covid-19-Krise beschlossen haben." Soweit wird es nach dem Vorstoß von Netflix und YouTube für die Unternehmen vorerst nicht kommen.