Entwarnung bei Freitag nach Sturzdrama, Kritik an Jury

Sportinformationsdienst (SID), Andreas Kloo
Richard Freitag kommt nach der Landung in Innsbruck böse zu Fall

Für Skispringer Richard Freitag ist der Traum vom Gesamtsieg bei der Vierschanzentournee vorzeitig beendet. Der deutsche Hoffnungsträger stürzte in Innsbruck im ersten Durchgang nach einem weiten Flug auf 130,0 Meter und hat damit keine Chancen mehr auf den Goldenen Adler. 

Ob der Deutsche beim letzten Springen in Bischofshofen startet ist noch offen. "Für die erste Diagnostik kann ich Entwarnung geben, aber wir müssen abwarten. Wenn er eine Chance hat, wird er es auf jeden Fall probieren", sagte der deutsche Teamarzt Mark Dorfmüller nach einer Untersuchung im Krankenhaus von Innsbruck.

Freitag "ein Kämpfer"

"Aktuell ist es okay. Er hat noch Schmerzen und kann noch nicht richtig belasten. Insofern müssen wir abwarten, wie es sich bis morgen entwickelt", sagte Dorfmüller und fügte an: "Der Richie ist ein harter Kämpfer."

Bei der Landung sprang sich der 26-Jährige mit seinem Ski auf den anderen und verlor dadurch das Gleichgewicht. Freitag hielt sich nach dem Sturz kurz den rechten Arm und verließ den Zielraum leicht humpelnd. Zwar schaffte er es trotz des Sturzes als 22. in den zweiten Durchgang, zu diesem trat er aber nicht an.

"Richard hat sehr starke Schmerzen an der Hüfte. Ich bin froh, dass er nicht über Schmerzen im Knie berichtet hat. Das ist schade für Richard, schade für uns und schade für die Tournee", sagte Bundestrainer Werner Schuster im Anschluss im ZDF. Freitag fuhr derweil direkt zur Untersuchung ins Krankenhaus.

Wellinger und Stoch fühlen mit

Der starke dritte Rang von Andreas Wellinger, der in der Gesamtwertung sogar auf den zweiten Platz kletterte, geriet beinahe zur Nebensache. "Wir leiden mit Richard, für ihn ist das beschissen", sagte Wellinger.

Auch Freitags größter Konkurrent Kamil Stoch, der auch das dritte Springen in Innsbruck gewann, litt mit Freitag. "Ich wünsche Richie nur das Beste. Ich hoffe, dass er schnell wieder zurückkommt", sagte der Pole.


Schuster kritisiert Veranstalter

Bundestrainer Werner Schuster übte nach dem Springen harsche Kritik an den Veranstaltern: "Es war definitiv zu viel Anlauf. Ich habe das gestern schon befürchtet. Das ist definitiv zu viel Anlauf, bei diesen Bedingungen darf man niemals so weit springen lassen. Es ist hier schon seit gestern definitiv die falsche Wettkampfführung für diese Aufsprungpräparierung", schimpfte Schuster im ZDF

Zwar hätte auch Schuster als Trainer die Möglichkeit gehabt, den Anlauf für seinen Schützling zu verkürzen. Dieses Argument wollte er aber nicht gelten lassen: "Bei diesen Bedingungen alles auf die Trainer abzuwälzen, ist feige."


Der sportliche Leiter des DSV, Horst Hüttel, schlug in die gleiche Kerbe: "Hier wurde extrem weit gesprungen, es ist der gleiche Technische Direktor, der auch in Hinterzarten am Werk war. Bei diesen Bedingungen musst du nicht über Hillsize springen. Das verstehen wir nicht, obwohl er sich ein bisschen selbst auf den Ski gesprungen ist. Bei einer Luke weniger ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass so etwas nicht passiert. Wir haben vor dem Durchgang für eine defensivere Gangart plädiert. Das macht die ganze Sache noch tragischer."

Hüttel verwies auf ein Weltcup-Springen der Frauen in Hinterzarten im Dezember. Auch damals war der Norweger Geir Steinar Loeng für die Wettkampfführung verantwortlich. Die deutsche Skispringerin Svenja Würth stürzte dabei schwer und zog sich einen Kreuzbandriss zu.

Schmitt erinnert an Freund-Sturz

Ex-Springer Martin Schmitt kritisierte bei Eurosport vor allem die Aufsprungpräparierung, die den Athleten bei schlechter Sicht zu wenig optische Orientierung bot: "Der Hang ist nicht gut präpariert, grade bei den Besten müssten mehr Linien im Hang sein."

Schmitt verwies auf ähnliche Vorfälle in den Vorjahren: "Ich weiß, was für ein Anspruch bei anderen Weltcup-Springen gestellt wird. Und hier hat man immer das Gefühl, dass ein Auge zugedrückt wird. Das kann nicht der Anspruch von einem Tournee-Veranstalter sein."

Vor zwei Jahren war Severin Freund im Probedurchgang von Innsbruck zu Fall gekommen. Freund verletzte sich dabei an der Hüfte und ging gehandicapt in das Duell um den Tourneesieg mit Peter Prevc, welches er schließlich verlor.

Im Vorjahr stürzte Stoch. Auch damals gab es Kritik an der Hangpräparierung.