Freigelegt: Überreste der einstigen Großen Synagoge von Vilnius

Bei Ausgrabungen in Vilnius haben Archäologen Teile der einstigen Großen Synagoge freigelegt. Vor dem Zweiten Weltkrieg und der deutschen Besatzung galt sie als größtes und wichtigstes Bauwerk des litauischen Judentums. Im Krieg zerstört, musste die Ruine in der Sowjetzeit einer Grundschule weichen. Forscher aus den USA, Kanada, Israel und Litauen sind an dem Projekt beteiligt.

Jon Seligman von der israelischen Altertumsbehörde ist Leiter der Ausgrabungsarbeiten. "Wir sind zu unserer großen Freude auf sehr gut erhaltene Überreste der sogenannten Bima gestoßen. Die Bima ist der zentrale Ort in der Synagoge, von dem aus während des Gottesdienstes aus den Thora-Schriftrollen vorgelesen wird. Direkt unter meinen Füßen, vielleicht drei Meter unter dem Fußboden des Büros des ehemaligen Schuldirektors, befindet sich die Bima in ausgezeichnetem Zustand."

Die Forschungsarbeiten laufen seit 2011. Zuvor wurden bereits Mauerziegel, Ofenkacheln und andere Überreste eines rituellen Bads gefunden. Die Stadtverwaltung Vilnius hat angekündigt, bis zum 700. Stadtjubiläum im Jahr 2023 ein Konzept zur Ausstellung der Fundstücke auszuarbeiten. 

Litauen wurde im Zweiten Weltkrieg abwechselnd von der Sowjetunion und Nazi-Deutschland besetzt. Während der deutschen Besatzung zwischen 1941 und 1944 wurden mehr als 90 Prozent der damals rund 200 000 in Litauen lebenden Juden ermordet.