Frederic Vasseur: Alfa Romeo hätte ohne Entwicklungsstopp nicht überlebt

Alex Kalinauckas
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Im Zuge der Corona-Pandemie, die auch die finanzielle Situation der Formel 1 drastisch beeinflusste, einigten sich die Teams darauf, das komplett neue Reglement um ein Jahr auf 2022 zu verschieben, ihre aktuellen Chassis weiter zu nutzen und die Entwicklungsarbeit an den Autos mit einem Token-System begrenzen.

Frederic Vasseur von Alfa Romeo glaubt, dass diese Maßnahmen entscheidend waren, um sein Team über Wasser zu halten, auch wenn er sagt: "Es ist nie einfach, einen solchen Schritt zu machen, weil man immer ein bisschen Angst hat, dass man jemand anderem oder einem anderen Team einen Vorteil verschaffen könnte."

Doch im Gespräch mit 'Motorsport.com' erklärt der Alfa-Romeo-Teamchef: "Wir waren in einer so schwierigen Situation, dass wir (einem Kostendeckel und Entwicklungsstopp; Anm. d. R.) zustimmen mussten. Aber wir konnten uns zu diesem Zeitpunkt auch vorstellen, dass einige Teams noch drastischer dagegen gewesen wären."

Vasseur: Ohne Sparmaßnahmen wohl nicht überlebt

"Wenn man das Gefühl hat, dass man in Barcelona (beim Test) keine Leistung bringt, ist man nicht scharf darauf, das Auto für die nächsten 18 Monate einzufrieren", weiß der Franzose. Er sei aber dankbar, dass die Sparmaßnahmen durchsetzt wurden, "denn ich bin mir nicht sicher, ob wir in der Lage gewesen wären, zu überleben".

Auf politischer Ebene seien insgesamt, bedingt durch die Pandemie, große Fortschritte erzielt worden, sagt Vasseur weiter. In schwierigen Zeiten habe sich der "Zusammenhalt der Gruppe" gezeigt: "Es sind so viele Dinge in einem so kurzen Zeitraum passiert, dass ich denke, es war wie eine Revolution in der Denkweise der Formel 1."

"In ein paar Wochen konnten wir viel mehr erreichen als in den letzten zehn Jahren - mit der Reduzierung des Kostendeckels, der Änderung des Reglements, der Tatsache, dass die FOM in der Lage war, in ein paar Wochen einen unglaublichen Kalender mit 17 Rennen zu erstellen, und der damit verbundenen Agilität aller Teams."

Sauber und Alfa Romeo intensivieren Zusammenarbeit

Diese Mentalität des Zusammenhalts gelte es beizubehalten. "Denn ich denke, dass wir uns in der Zukunft wahrscheinlich neuen Themen stellen müssen", antizipiert Vasseur kommende Herausforderungen für den Sport. "Und das bedeutet, dass wir, wenn wir zusammenarbeiten, die Situation ziemlich schnell verbessern können."

Die Zukunft des von Sauber geführten Rennstalls wurde durch die Ankündigung gestärkt, dass die Zusammenarbeit mit Alfa Romeo mindestens bis zum Ende des aktuellen Reglements (Ende 2021) verlängert wird, wobei Vasseur erklärt, dass die Partnerschaft mit Alfa Romeo weit über das damit verbundene Sponsoring-Paket hinausgeht.

"Für uns ist das entscheidend", betont der Formel-1-Teamchef. "Ich möchte nicht über den finanziellen Aspekt sprechen - sicherlich ist das ein Teil davon. Aber es ist eher die Motivation, die man in das Team einbringen kann, dass man sich die Personalbeschaffung für die Entwicklung des Unternehmens leisten kann."

"Die Tatsache, dass Alfa Romeo, der erste Weltmeister, den Vertrag mit uns verlängert und die Partnerschaft ausbauen will, ist nicht nur eine schöne Belohnung, sondern ein nächster Schritt für uns. Wir arbeiten jetzt auch im Automobilbereich stärker zusammen und ich denke, es ist eine gute Partnerschaft für das Unternehmen."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.