„Menschenbild ist frauenverachtend“: Soldat nach Vergewaltigung zu Haft verurteilt

Die Richter hatten seine Chat-Kontakte in sozialen Netzwerken ausgewertet.

Theo S. (27, Name geändert) senkt den Kopf noch ein Stück tiefer, presst die gefalteten Hände fest an den Körper und schaut fassungslos, als der Richter das Urteil verkündet: Wegen Vergewaltigung muss der Berufssoldat für drei Jahre hinter Gitter.

Bedeutsamer als das Urteil ist für den Angeklagten die Tatsache, dass er keineswegs – wie sonst üblich – bis zur Rechtskraft des Urteils wieder auf freien Fuß kommt. Denn der Haftbefehl bleibt bestehen, wie der Richter ausdrücklich betont. Zu menschenverachtend und sexfixiert sei der Angeklagte.

Zweifache Mutter leidet unter Schlaflosigkeit

„Es droht Wiederholungsgefahr“, begründet der Jurist die Vorsichtsmaßnahme der Kammer, die dem Angeklagten „erhebliche Persönlichkeitsdefizite im zwischenmenschlichen Bereich“ attestiert. Zudem muss der Soldat, dem bei Rechtskraft des Urteils der automatische Ausschluss aus der Truppe droht, seinem Opfer 5000 Euro Schmerzensgeld plus Zinsen zahlen.

Die Frau, der aufgrund des Geständnisses ein Auftritt im Gerichtssaal erspart blieb, habe seit der Vergewaltigung „ihr komplettes Leben umkrempeln müssen“, heißt es in der Urteilsbegründung. Sie leide unter Alpträumen und Schlaflosigkeit, verlasse so gut wie nicht mehr das Haus und habe sich zu einer Therapie entschlossen, um weiterleben zu können.

Ambivalentes Vorverhalten des Opfers

Theo S. hatte sein fünf Jahre älteres Opfer im April dieses Jahres in den frühen Morgenstunden im Altstadt-Lokal „Wiener Steffie“ kennengelernt. Die zweifache Mutter hatte sich zunächst seinen Annäherungsversuchen nicht entzogen. Als er sie bat, bei ihr übernachten zu dürfen, war sie einverstanden, bestand allerdings auf getrennten Schlafzimmern. S. hielt sich nicht daran, legte sich – nackt bis auf die Unterhose – ins Bett zu der Frau, die ebenfalls bis auf einen Slip unbekleidet war.

Zunächst ließ sie die Annäherung noch zu. Nach dem einvernehmlichem Austausch von Zärtlichkeiten zwang S. die Frau zum Geschlechtsverkehr und würgte sie dabei. Als sie ins Badezimmer flüchten konnte, rief sie von dort die Polizei. Das „ambivalente Vorverhalten des Opfers“ – so das Gericht, sei zwar einerseits dem Angeklagten strafmildernd anzurechnen, andererseits habe es sich um einen erheblichen Vertrauensbruch gehandelt, als der Angeklagte weitergegangen sei als vereinbart: „Das war eindeutig gegen die sexuelle Selbstbestimmung der Frau. Da verbietet sich der Gedanke an ein Mitverschulden von selbst“, betonte der Vorsitzende.

Zwei Promille Alkohol im Blut

Weil der Angeklagte zur Tatzeit mehr als zwei Promille Alkohol im Blut hatte, hielt das Gericht ihm eine verminderte Schuldfähigkeit zugute, sonst wäre das Urteil noch höher ausgefallen. Der Staatsanwalt hatte drei Jahre und neun Monate gefordert. Nach der Tat hatte S. auf Verlangen des Opfers die Wohnung verlassen und von unterwegs eine SMS geschickt, die zeigte, dass er sich seines gewalttätigen Verhaltens gar nicht bewusst war: „Ist alles in Ordnung? Warum hast Du mich grundlos rausgeworfen?“, fragte er nach.

Dass sein Opfer angesichts der brutalen Vergewaltigung und den zupackenden Händen um ihren Hals Todesängste ausgestanden hatte, sei ihm nicht bewusst gewesen, hatte er im Prozess erklärt und sich reumütig entschuldigt.

Frauen sind für ihn nur Sex-Symbole

S. ist Ersttäter, hatte nie Probleme mit Alkohol und Drogen, sich nach der mittleren Reife beim Bund auf Jahre verpflichtet und nach zwei Afghanistan-Einsätzen in der Truppe Karriere gemacht. Doch das Freizeitverhalten des 27-Jährigen, das „in der Hauptsache aus sexuellen Eroberungen“ bestand, nannte das Gericht „mehr als bedenklich“. Noch kritischer bewerteten die Richter die Auswertungen seiner Chat-Kontakte in den sozialen Netzwerken.

Diese hätten ein „deutlich frauenverachtendes Menschenbild“ offenbart: „Er sieht Frauen ausschließlich als Sex-Symbol“, sagte der Richter. So habe der Angeklagte in seinem Handy Telefonnummern von Frauen mit den Zusatzmerkmalen „bitch“, „Schlampe“ oder „Nutte“ notiert. Keine Chance also auf eine Aufhebung des Haftbefehls. Der Verteidiger, der lediglich eine elfmonatige Haftstrafe gefordert hatte, kündigte noch im Gerichtssaal Revision an....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta