Frauen machten die CDU in Sachsen-Anhalt zum Wahlsieger – so schaffte es die Partei, sie zu überzeugen

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Reiner Haseloff, CDU, Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt zeigt auf der CDU Wahlparty seinen Glücksbringer. Links neben ihm steht seine Ehefrau Gabriele.
Reiner Haseloff, CDU, Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt zeigt auf der CDU Wahlparty seinen Glücksbringer. Links neben ihm steht seine Ehefrau Gabriele.

Schon auf seinen Wahlplakaten für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt setzte CDU-Ministerpräsident Reiner Haseloff auf eine Frau an seiner Seite: Dort hält er Gabriele Haseloff im Arm – seine Ehefrau. Wahlwerbung, die auch unter seinen Wählerinnen selbst gut angekommen zu sein scheint: Denn es waren besonders ältere Frauen, die Reiner Haseloff zum Wahlsieg verholfen haben.

Mit 37,1 Prozent hat Haseloff nicht nur deutlich die Wahl vor der AfD gewonnen, sondern er konnte auch in allen Altersgruppen die meisten Frauen für sich gewinnen, vor allem die Älteren. Unter den 45-59-Jährigen haben sich 39 Prozent aller Frauen für die Partei entschieden, unter den über 60-Jährigen – der größten Wählergruppe – sogar 51 Prozent, zeigen die Umfragen von Infratest.

Dabei hat die CDU unter insgesamt 41 CDU-Direktkandidaten nur neun Frauen zur Landtagswahl aufgestellt. Eine einzige Landtagsbewerberin, Sandra Hietel (CDU), schaffte es unter die vorderen zehn Plätze. Die nächste Kandidatin folgte erst auf Platz 15. Eine gleichberechtigte Landesliste zwischen Frauen und Männern sieht anders aus. Und trotz der geringen Repräsentation haben sich die Frauen an der Wahlurne für die CDU entschieden – warum?

Ältere Frauen setzten wohl ein klares Zeichen gegen Rechtspopulismus

Tatsächlich zeigt sich ein erster Grund für den Erfolg unter älteren Frauen vor allem, in der Art, wie die CDU ihren Wahlkampf aufzog. In vielen Wahlkreisen setzte die Partei bewusst darauf, die Wahl auf eine Entscheidung zwischen CDU und AfD zuzuspitzen. Der Tenor dabei lautete: Alle anderen Parteien hätten keine Chance auf eine Mehrheit, deshalb solle man seine Wählerstimme so einsetzen, dass man die AfD als stärkste Partei in Sachsen-Anhalt verhindern würde.

Es ist eine Ausgangsposition, von der die CDU auch bei Frauen profitierte: „Im Kopf-an-Kopf-Rennen von AfD und CDU zeigt sich, dass ältere Frauen ein klares Zeichen gegen Rechtspopulismus setzen wollten", erklärt Claudia Ritzi, Politikwissenschaftlerin an der Universität Trier. Generell wählten Frauen nämlich oft weniger rechtspopulistische Parteien als es bei Männern der Fall sei. Der konfliktbereite Auftritt der AfD etwa schrecke Frauen eher ab. Hinzukomme außerdem, dass Frauen in höherem Alter mit hoher Wahrscheinlichkeit zur Wahl gehen, mehr als etwa jüngere Wählerinnen.

„Unter älteren Frauen scheint es eher akzeptiert zu sein, dass Politik eine Männerdomäne ist"

Dass die CDU dennoch kaum weibliche Direktkandidaten aufgestellt hatte, schien der Partei dabei unter den über 60-Jährigen nicht abträglich zu sein: Politikwissenschaftlerin Ritzi glaubt, dass das auch mit der Generation an sich zu tun hat: „Unter älteren Frauen scheint es eher akzeptiert zu sein, dass Politik eine Männerdomäne ist", sagt sie. Sie seien nachsichtiger, auch wenn die CDU kein ausgeglichenes Angebot an weiblichen und männlichen Direktkandidaten gemacht habe.

Dabei zielte der Wahlkampf von Reiner Haseloff stellenweise klar auf die Sympathien älterer konservativer Wählerinnen ab. Für Politikwissenschaftlerin Ritzi zeigt sich das beispielsweise an den Wahlplakaten mit seiner Ehefrau Gabriele Haseloff: "Ältere Bevölkerungsgruppen honorieren das klassische Ehepartnermodell eher als jüngere", sagt sie.

In dieser Wahlkampfstrategie sieht Ritzi jedoch auch eine Gefahr: Sie könnte jüngere Wählerinnen, gerade mit Blick auf die Bundestagswahl und in Kombination mit wenigen weiblichen Kandidaten, vergraulen. Denn in den Zahlen zeigt sich auch: Je jünger die Wählergruppen werden, desto weniger Frauen wählten die CDU in Sachsen-Anhalt. Unter den 18- bis 24-Jährigen entschieden sich nur 18 Prozent der Frauen für die CDU, dicht gefolgt von den Grünen mit 16 Prozent und den Linken mit 15 Prozent. Bei beiden handelt es sich um Parteien, die sich schon lange für eine Frauenquote auf Landeslisten aussprechen.

„Strategisch gesehen, ist es gefährlich, wenn die CDU weniger weibliche Kandidaten bei Wahlen aufstellt, weil jüngere Frauen darauf Wert legen", sagt Ritzi. Mit rein männlichen Wählerangeboten könnten sie sich oft nicht identifizieren und würden sich in der Bundestagswahl womöglich abwenden.

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