Frauen kommen nur langsam voran

Die neusten Daten zeigen: Der Aufstieg der Frauen bis zu den Top-Jobs  kommt nicht recht voran. Daran hat auch die Frauenquote bisher nichts geändert. In den Jamaika-Verhandlungen spielt das Thema dennoch keine Rolle.


„Frauen kommen langsam - aber gewaltig“ sang Rockröhre Ina Deter vor nunmehr 30 Jahren. Von „gewaltig“  kann keine Rede sein, und wie langsam es voran geht, konnte Deter damals nicht ahnen. Die neuste Meldung zur Sache lautet: Das Wachstum der Zahl von Frauen in Aufsichtsräten deutscher Unternehmen hat sich deutlich abgeschwächt. Bei den 185 im DAX, MDAX, SDAX und TecDAX sowie den im Regulierten Markt notierten, voll mitbestimmten Unternehmen der Privatwirtschaft sind mittlerweile 27,6 Prozent Frauen in den Kontrollgremien präsent, das entspricht einer Steigerung von nur 1,7 Prozentpunkten seit Anfang des Jahres (25,9 Prozent). Auf der Vorstandsebene kletterte der Frauenanteil um 0,4 Prozentpunkte minimal auf 7,2 Prozent. Das zeigen die aktualisierten Zahlen des Woman-on-Board-Index der Organisation  Frauen in die Aufsichtsräte (Fidar) zum Stand Ende Oktober, der seit 2010 erhoben wird.  

„Mit der Bundestagswahl ist die Gleichberechtigung von der Tagesordnung verschwunden“, klagt Fidar-Präsidentin Monika Schulz-Strelow und fordert „klare Aussagen, wie der Anspruch auf gleichberechtigte Teilhabe künftig durchgesetzt werden soll“. Mehr Frauen gebe es fast nur dort, wo es seit Einführung der Frauenquote durch die Große Koalition Pflicht ist. „Bei den mehr als 3.500 börsennotierten oder mitbestimmten Unternehmen, die nicht der Quote unterliegen, mangelt es dagegen weiterhin an strategischen Maßnahmen zur Erhöhung des Frauenanteils in Aufsichtsräten, Vorständen und den zwei obersten Managementebenen“, so Schulz-Strelow. Hier müssten CDU, CSU, FDP und Grüne für Fortschritte sorgen, denn „was nicht jetzt verhandelt und festgeschrieben wird, muss in den nächsten vier Jahren auch nicht umgesetzt werden.“

Auch in der Gesamtwirtschaft kommen die Frauen nicht mehr wirklich voran. Nach einer Befragung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) unter 16.000 Betrieben waren 26 Prozent der Topebene Frauen – dieser Wert ist seit 2004 gerade mal um zwei Prozentpunkte gestiegen.  



Mehr tut sich auf der zweiten Führungsebene: Dort haben die Frauen 40 Prozent der Jobs erobert und ihr Anteil ist seit 2004 um sieben Prozentpunkte geklettert.

Generell gilt aber: Je größer der Betrieb, desto geringer die Chance der Frauen: In Großbetrieben mit mindestens 500 Beschäftigten sind gerade mal 13 Prozent der Führungspositionen auf der ersten Ebene mit Frauen besetzt. In Betrieben mit zehn bis 49 Beschäftigten sind es 24 Prozent, in solchen mit weniger als zehn Beschäftigten 28 Prozent.

Verglichen mit der Privatwirtschaft liegt der Frauenanteil im öffentlichen Sektor auf der ersten und zweiten Stufe mit 34 beziehungsweise 44 Prozent zwar deutlich höher. Gemessen an ihrem Beschäftigtenanteil von 61 Prozent „sind Frauen jedoch im öffentlichen Sektor in Führungspositionen noch stärker unterrepräsentiert als in der Privatwirtschaft“, schreiben die IAB-Autoren.