Frauen im Europaparlament sagen "Me too"

Die deutsche Grünenabgeordnete Terry Reintke hielt ein “Me too” Plakat hoch und rief: “wie Millionen von Frauen in Europa bin auch ich Opfer sexueller Belästigung geworden!”

Vor dem Hintergrund jüngster Skandale aus der Filmwelt, aber auch jüngster Enthüllungen in der Presse über sexuelle Belästigung im Europaparlament, war das Thema am Mittwoch Gegenstand einer Plenardebatte, wenn auch vor fast leeren Rängen.

“Ich bin eine Frau, natürlich habe ich es erlebt”, so die niederländische Abgeordnete und Vize-Fraktionsvorsitzende der Liberalen, Sophie in’t Veld, auf die Frage unseres Korrespondenten, “und ich bin nicht stolz auf meine Reaktion darauf. Wie wohl die meisten Frauen habe ich versucht, es einfach wegzustecken, so zu tun, als sei nichts passiert. Aber es nagt an einem, man fühlt sich erniedrigt und gedemütigt.”

Auch in der Grünenfraktion hat es Vorfälle gegeben, wie die Sunday Times berichtete. Offenbar wurden sie unter Ausschluss der Öffentlichkeit geregelt.

Der französische Abgeordnete Yannick Jadot erklärte gegenüber Euronews:

“Als wir davon erfahren haben, dass einer unserer Abgeordneten eine Assistentin belästigt hat, habe wir eine Sitzung abgehalten, auf der wir dann sicher gestellt haben, dass der Abgeordnete dieses unangebrachte Verhalten abstellt.”

Die neugewonnene Öffentlichkeit für das Thema wird naive, aber auch erzreaktionäre Einstellungen weiter ins Schlaglicht rücken. Unser Korrespondent befragte den berüchtigten polnischen Abegordneten Janusz Korwin-Mikke:

“Manche Frauen wollen belästigt werden, manche nicht. Ein normaler Mann weiß, welcher Frau er sich nähern kann und welcher nicht.”

Der fraktionslose Korwin-Mikke ist vom Parlament bereits wegen frauenfeindlicher Äußerungen sanktioniert worden.

Das Parlament hat zwar interne Ausschüsse, die sich vorbeugend mit der Problematik befassen sollen, nach den jüngsten Enthüllungen mehren sich allerdings die Forderungen nach einer unabhängigen Untersuchung.