Frauen Fußball: Reisenhofer: "Frauenfußball meist nicht ernst genommen"

Der österreichische Frauenfußball entwickelt sich nur langsam, die Strukturen in den Vereinen sind oft schwierig und es ist mehr Toleranz nötig. So sieht es die Steirerin Anna Reisenhofer, Fußballerin der ersten Stunde, langjährige Trainerin und Szenekennerin im Interview mit der APA. Sie hofft auf mehr Berichte der Medien, um den Frauenfußball populärer zu machen.

Der österreichische Frauenfußball entwickelt sich nur langsam, die Strukturen in den Vereinen sind oft schwierig und es ist mehr Toleranz nötig. So sieht es die Steirerin Anna Reisenhofer, Fußballerin der ersten Stunde, langjährige Trainerin und Szenekennerin im Interview mit der APA. Sie hofft auf mehr Berichte der Medien, um den Frauenfußball populärer zu machen.

Reisenhofer hat 1983 als Studentin bei LUV Graz ihre Fußballkarriere begonnen und spielte von Anfang an für den Verein in der Bundesliga. Auf ihre ersten Trainingseinheiten blickt sie schmunzelnd zurück: "Bei unserem ersten Trainer hatten wir fünf Minuten aufwärmen, dann haben wir geschossen und dann gekickt. Aber damals war das eben so. Und die Schere bei den Spielerinnen ging weit auseinander."

Damals seien viele Spielerinnen in unteren Ligen konditionell besser als jene von heute gewesen, hatten aber weniger Technik drauf. Nur wenige konnten vor 30 Jahren schon im Kindesalter mit Burschen spielen, erklärte Reisenhofer. Jene, die die Möglichkeit hatten, waren technisch voran. Heute sei es dagegen nicht mehr selten, dass Mädchen bei den Burschenmannschaften mitspielen: "Damit sie aber spielen dürfen, müssen sie oft sehr viel stärker sein als die Buben im Team." Sie sieht Trainer und Vereine in der Pflicht, noch bessere Strukturen zu schaffen.

Reisenhofer meint, dass es in Österreich immer noch schwierig sei: "Der Frauenfußball wird in den Vereinen meist nicht ernst genommen, das läuft einfach so mit. Eine Krise in Vereinen entsteht meistens dann, wenn die Frauen erfolgreicher werden als die Männer." Sie kritisiert, dass es nur wenige Vereine gibt, in denen über Jahre hinweg kontinuierlich am Frauenfußball gearbeitet wird.

Bei anderen hängt es oftmals an Einzelpersonen, etwas weiterzubringen. Fallen diese weg, verschwinden auch die Mannschaften. Andere Länder seien da weitaus fortschrittlicher: "Ich glaube in Österreich würde es - abgesehen von den Spielerinnen - kaum jemand abgehen, wenn es keinen Frauenfußball mehr geben würde", so Reisenhofer, die 1999 bis 2003 auch die steirische Frauenauswahl trainiert hat.

Im Unterschied zu ihren Anfängen als Spielerin habe sich es sich gesellschaftspolitisch und damit auch die Einstellung der Mädchen und Frauen geändert: "Für uns damals war Fußball das Leben, wir kamen zu Turnieren ins Ausland und hatten fast nur durch den Fußball die Möglichkeit, etwas anderes zu sehen. Wir hätten da schon auf der Intensivstation liegen müssen, um nicht auf dem Platz zu sein. Heute wollen nur noch die wenigsten drei Mal pro Woche trainieren und dann auch noch spielen. Es gibt viele verlockende Alternativen."

Trotz aller Mühen bleiben bei den Frauenspielen immer noch die Zuschauer aus. Meist sind nur Freunde und Familie dabei: "In Deutschland oder England ist das deutlich besser. In Österreich sind wir noch nicht so weit." Reisenhofer wünscht sich deswegen mehr Präsenz in Medien: "Früher habe ich noch mit den Zeitungen um jeden Artikel gekämpft." Heute sei das etwas besser, vor allem wenn auch Frauen in den Sportredaktionen arbeiten, manche von ihnen sogar Fußball spielen. Das helfe.

Belächelt werde der Frauenfußball in Österreich ihrer Ansicht nach immer noch viel zu viel. Man dürfe nicht den Vergleich mit den Männern aufstellen, da die körperlichen Voraussetzungen andere seien - ähnlich wie beim Tennis. Sie wünsche sich mehr Toleranz und Ernsthaftigkeit, denn "die Emanzipation wird sich durchsetzen und das ist zu akzeptieren".

Als Trainerin der Burschen-U10 und -U12 musste sich Reisenhofer 2000 bis 2007 beim TSV Hartberg behaupten: "Es kam nie Negatives, weil wenn man fachlich kompetent ist, wird das voll akzeptiert." Generell habe sie die Erfahrung gesammelt, dass bei Männern größere Skepsis gegenüber Frauen im Fußball - sei es als Spielerin, Trainerin oder Schiedsrichterin - herrscht: "Der Grund ist, weil sie das oft vorher nicht gekannt haben." Früher sei es für Schiedsrichter gar eine Bestrafung gewesen, wenn sie ein Frauenspiel pfeifen mussten.

Von der - wie Reisenhofer sagt - "neuen Generation" von Spielerinnen, etwa Viktoria Schnaderbeck oder Carina Wenninger (beide Bayern München), die sie beide in der steirischen U16-Auswahl trainiert hat, dürfe man viel erwarten: "Der Druck ist nicht so groß, daher könnten sie bei der EM weit kommen. Und wenn nicht, dann sollte man sie in Ruhe weiterarbeiten lassen, damit sie nicht in ein Tief rutschen."

Reisenhofer studierte Lehramt in Graz und unterrichtet seit den späten 80er-Jahren in Schulen in der Steiermark. Die 54-Jährige spielte von 1983 bis 1988 bei LUV Graz und begann 2002 ebenfalls bei LUV als Trainerin. Bis 2007 trainierte sie nach LUV auch den Bundesligisten FC Südburgenland. Trotz "Fußball-Pension" ist sie dem Frauen-Kick immer noch stark verbunden und besucht regelmäßig Spiele im In- und Ausland.

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